Zauber vom Dach

Direkt oder indirekt lässt sich mit einem Dach Geld verdienen. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Methoden, wie Sie Ihr Dach zum Zauberdach machen können.

Früher war ein Dach einfach ein Dach. Es bot Schutz vor Hitze und Kälte, Regen, Wind und Schall. Heute dagegen dienen viele Dächer gleichzeitig als solares Kraftwerk, andere als Garten, einige reinigen sogar die Luft. War die fünfte Fassade des Hauses früher ein klarer Fall für den Dachdecker, kommt heute oft der Klempner, Glaser, Gärtner oder Solar-Installateur dazu. Bei den rund 30 Millionen Quadratmetern Dachfläche, die jedes Jahr in Deutschland neu eingedeckt werden, kommen immer vielfältigere Materialien zum Einsatz. Mehr als 60 Prozent der Hausbesitzer legen dabei Wert auf Umweltverträglichkeit und eine gute Ökobilanz der verbauten Materialien, wie eine TNSInfratest-Studie ergab.

Nur eines hat sich auch in der neuen Zeit nicht geändert: „Die gängigste Dachform in Deutschland ist nach wie vor das Satteldach”, sagt Christian Anders vom Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks. Zwei einander zugeneigte Dachflächen treffen sich hierbei am First. „Aber auch das bislang eher seltene Pultdach wird immer gefragter“, so Anders. Bei Niedrigenergie- und vielen Reihenhäusern ist es Standard: Eine geneigte Dachfläche verbindet Nord- und Südfassade. Die ist in der Regel höher mit viel größeren Fenstern versehen ist als die Nordseite und deswegen etwas höher ist.

Ein Tonnendach zieht Blicke auf sich, kommt in Deutschland aber selten vor. Auch das von Jules Mansart im 17. Jahrhundert ersonnene Mansardendach – der untere Bereich ist hier steiler geneigt als der obere, was eine gute Raumhöhe schafft – wird immer seltener. Fest steht: Das Dach ist ein wesentlicher Faktor für die Sicherheit, das Wohnklima und die Energiebilanz eines Hauses. So steigert es den Wert einer Immobilie. Gleichzeitig könnten die Deutschen im Zuge des Klimawandels ordentlich was aufs Dach bekommen, deswegen wurden die Vorgaben für Windsicherungen und Entwässerungen bereits verschärft. Ebenso die Energie-Einsparverordnung (EnEv).

Was also ist heute ein gutes Dach? Es bietet einen effektiven Wärmeschutz, verringert den Energiebedarf des Hauses und spart so Heizkosten. „Es hilft dank nachhaltiger Materialien das Klima innen und außen zu verbessern“, sagt Dachdecker-Vertreter Christian Anders. Im Folgenden ein Überblick über die Möglichkeiten, mit dem Dach die Welt ein klein wenig mehr zu retten:

Dämmen
Wegen der verschärften EnEV muss die Dachdämmung eines Neubaus nun rund 30 Prozent mehr Wärmeschutz leisten als bisher. Entscheidend ist der U-Wert, eine technische Kennzahl für den Wärmeverlust, gemessen in Watt pro Quadratmeter Kelvin (W/ m2K). Es gilt: Je kleiner der U-Wert, desto besser ist die Dämmung. Auch bei einer Sanierung darf der U-Wert des Daches 0,24 W/m2K nicht überschreiten. Der Fall ist klar: Wärme steigt nach oben, je weniger dort entweicht, desto besser. Mineraldämmstoffe, wie z. B. Glas oder Steinwolle, weisen deutlich höhere U-Werte auf als pflanzliche Dämmstoffe.

Auch wer einen Altbau kauft, muss nachrüsten. Bis Ende 2011 muss der Dachboden als oberste begehbare Geschossdecke eine Wärmedämmung erhalten. Die Dämmung sollte mindestens 12 Zentimeter, noch besser 18 bis 20 Zentimeter dick sein. Die Mehrkosten sind gering und machen sich durch die zusätzlichen Einsparungen schnell bezahlt. Das häufigste Dämmverfahren ist die Zwischensparrendämmung mit Platten, Matten oder Keilen. Diese werden zwischen die Sparren geklemmt und mit einer Dampfbremsfolie versehen.

Reicht die Sparrendicke nicht aus, um den U-Wert einzuhalten, ist eine zusätzliche Untersparrendämmung möglich. Dazu werden Platten an den Sparren befestigt. Diese Kombination ist ideal für ausgebaute Dachräume. Wohngesunde Dämmstoffe erkennt man zum Beispiel am Blauen Engel. Die Umweltauszeichnung gibt es neben der Bezeichnung „Schützt die Ressourcen – weil überwiegend aus Altglas“ auch mit der Bezeichnung „Schützt die Gesundheit – weil emissionsarm“.

Für nicht begehbare Dachböden eignet sich das Einblas-Dämm-Verfahren als schnelle und kostengünstige Lösung. Dabei werden Dämmflocken oder -granulat großzügig in den Dachraum eingeblasen. Bei nicht ausgebauten Dachräumen kann die Geschossdecke gedämmt werden. Dafür eignen sich Platten aus Mineralwolle, Hartschaum oder Kork, die möglichst lückenlos verlegt werden sollten.

Die Dämmschicht muss in jedem Fall nach innen einen diffusionsdichten Abschluss erhalten, sodass keine feuchte Luft eindringen kann. Bei Feuchte besteht die Gefahr, dass die Dämmung ihre Wirkung verliert. Vor jeder Sanierung muss also die Dacheindeckung auch auf kleinere Schäden geprüft werden.

Dachsteine oder Dachziegel?
Dachziegel, Dachstein, Schiefer und Titanzink – die beliebtesten Dachbaustoffe der Deutschen – sind ökologisch unbedenklich. Dachsteine traten vor etwa 150 Jahren ihren Siegeszug an, heute gelten sie als gebräuchlichste Dachabschlüsse für Neubauten. Die Betonsteine sind wie Ziegel wasserabweisend und frostsicher. Sie sind überaus tragfähig und frostbeständig. Und: Je länger sie auf dem Dach liegen, desto härter werden sie. Für Dachsteine spricht zudem die vom Öko-Institut Freiburg nachgewiesene bessere Öko-Bilanz: Im Vergleich zu Dachziegeln verursachen sie weniger als die Hälfte an CO2 und verbrauchen bei Herstellung und Transport nur etwa 30 Prozent der Energie, die für Dachziegel nötig ist.

Zudem sind sie auch die kostengünstigere Wahl. Während Dachsteine für etwa fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter zu haben sind, kostet ein Quadratmeter Ziegeldach zwischen sieben und 60 Euro. Dachziegel aus natürlichem Ton nehmen durch kapillare Poren Feuchtigkeit auf und geben sie relativ schnell wieder ab. Durch Glasuren oder Engoben veredelt, bieten sie zusätzlichen Schutz vor Schmutz oder Schadstoffen. Manche Dachsteine und Ziegel sind sogar echte Klimaverbesserer. Die Produkte von Braas oder Nelskamp sind mit Titandioxid versetzt und reinigen nach dem Prinzip der Photokatalyse die Luft. Das Pigment bindet genau wie Pflanzen Schadstoffe und verwandelt sie in unbedenkliche Nitrationen, die beim nächsten Regen vom Dach gespült werden.

Schiefer
Dank langer Lebensdauer und guter Wiederverwendbarkeit gilt das natürliche Sedimentgestein Schiefer als besonders nachhaltig. Zudem überzeugt es durch hohe Beständigkeit und Robustheit. Das Material ruhte rund 400 Millionen Jahre in der Erde und war dort extremem Druck und Temperaturen über 300 Grad Celsius ausgesetzt. Die Kosten hängen von der Herkunft des Gesteins ab. Importschiefer aus Spanien oder Frankreich ist im Einkauf deutlich preiswerter als deutscher Schiefer. Dennoch ist ein Schieferdach meist etwas teurer als die Ziegelvariante, dafür hält es aber auch doppelt so lange. Experten gehen von mindestens 80 bis 90 Jahre aus. Und noch etwas spricht für den Naturstein: Auch in der Entsorgung ist er äußerst umweltfreundlich. Er kann wie normaler Bauschutt behandelt werden; Schiefermehl dient sogar als Bodenverbesserer.

Reet
„Während die Schieferdeckung vor allem im Süden Deutschlands zum Einsatz kommt, deckt man im Norden sein Dach mit Reet“, sagt Dachexperte Anders. Reet bzw. Schilf war eines der ersten Bedachungsmaterialien der sesshaft gewordenen Menschen, vor allem im Norden kam es reichlich vor. In einigen Orten, etwa auf Sylt, ist dies sogar per Satzung vorgeschrieben. Die Kosten für eine Reetdeckung liegen zwischen 60 und 90 Euro pro Quadratmeter, je nach Herkunft des Reets. Häufig verwendet werden neben deutschem Reet, Halme aus Rumänien, Polen, Ungarn oder der Türkei.

Titanzink
Titanzink wird als Baumaterial immer beliebter. Es ist ein sehr gestaltungs- und detailfreundliches Material, zudem wartungsfrei und wegen seiner natürlichen Patina äußerst langlebig. Dank der natürlichen Zusammensetzung des Baustoffes aus Zink, Titan und Kupfer herrscht unter einem Dach aus Titanzink ein gesundes Raumklima. Besonders nachhaltig: Nahezu 100 Prozent des eingesetzten Bauzinks können recycelt werden. Die Installation nimmt der Klempner vor.

Cool Roofs
Ein neuer Trend kommt aus den USA: Die Cool Roofs. Seit Juli 2009 müssen in Kalifornien auf alle Neubauten Dächer gesetzt werden, deren Materialien und Farben möglichst hell und strahlenreflektierend sind. Die Idee dahinter: Weiße oder zumindest helle Dächer können helfen, die globale Erwärmung zu verlangsamen. Die Erkenntnis, dass die Farbe Weiß Häuser nach innen kühlt, machen sich die Griechen und andere Mittelmeervölker schon seit Jahrtausenden zunutze. Doch der Kühleffekt wirkt auch nach außen. 100 weiße Quadratmeter Dach gleichen zehn Tonnen CO2 aus, das berechneten die Experten vom Berkeley Lab in Kalifornien.

Zehn Tonnen CO2, so viel produziert ein Deutscher in einem knappen Jahr. Selbst wenn man statt Weiß “nur” kühle Farben und Materialien verwendete, käme man immer noch auf mehr als die Hälfte an CO2-Emissionsausgleich. Weiß habe eine doppelte Wirkung, so die Experten. Einerseits reflektiere es die Sonnenstrahlen zurück ins All, die sonst die Erde aufheizen würden. Andererseits trägt Weiß durch seine kühlende Qualität dazu bei, die Energieeffizienz zu steigern, da Klimaanlagen und Kühlschränke dann weniger verbrauchen.

Dachbegrünungen
Noch nachhaltiger als ein weißes Dach ist ein grünes. „Bepflanzte Dächer gehören zu den nachhaltigsten Lösungen“, sagt Dach-Experte Anders. Es hilft beim Energie sparen, gilt als haltbarer als andere Dächer, bietet Schallschutz, weist Hitze ab und speichert Regenwasser, das sonst in die Kanalisation fließt. Weiterer Vorteil: Wer nur über ein kleines Gärtchen rund ums Eigenheim verfügt, kann den Garten einfach aufs Dach erweitern. Gründächer sind seit langem im Bebauungsplan von Neubauten fest geschrieben, deswegen sind die technischen Möglichkeiten dafür in Deutschland so weit entwickelt wie sonst nirgends auf der Welt“, sagt Wolfgang Ansel vom Deutschen Dachgärtner Verband. Für 25 bis 35 Euro pro Quadratmeter ist ein Gründach zu haben. Das Fraunhofer-Institut schätzt seine Lebensdauer auf 40 Jahre. „Es gibt aber auch Gründächer, die sind 100 Jahre alt, etwa in Berlin“, sagt Ansel.

Vor allem Eigentümer von Häusern aus den 70er- und 80er-Jahren mit Flachdach entscheiden sich bei der Sanierung immer häufiger für die Begrünung. Auch Pultdächer, Tonnendächer und Satteldächer lassen sich heute problemlos begrünen. Die meisten Gründachsysteme imitieren die natürlichen Bodenfunktionen durch gewichtsoptimierte Funktionsschichten. Eine spezielle Folie schützt die Dachabdichtung vor den Wurzeln der Pflanzen, ein Substrat speichert – Pflanzenerde ist für ein Dach zu schwer – 50–90 Prozent der jährlichen Niederschlagsmenge.

Dünnschichtige, extensive Begrünungen belasten die Dachfläche in wassergesättigtem Zustand dabei nur mit 60–150 kg/m2. „In den Sommermonaten profitieren die Hausbewohner von der kühlenden Wirkung der Dachbegrünung“, so Anders. Laut einer Studie sind die Raumklimawerte einer Dachwohnung bei begrünten Gebäuden mit denen im Erdgeschoss vergleichbar. Hohe Energiekosten durch Klimaanlagen und die damit verbundenen CO2-Emissionen können so vermieden werden.

Dach als Energiequelle – solare Lösungen
Natürlich kann man das Dach auch gleich zum Sonnenkraftwerk umfunktionieren. Bislang bestimmten bei der Solarkraft große Module das Bild, derzeit jedoch treten innovative Lösungen ihren Siegeszug an, etwa das Energiedach von Systaic. „Wir ersetzen das konventionelle Ziegeldach durch eine homogene Fläche aus Modulen, um Strom zu erzeugen und Warmwasser aufzubereiten“, sagt Systaic-Sprecher Achim Zolke. Der Preis eines Solardaches liege bei etwa 3200 Euro pro Kilowatt-Peak, das entspreche einer Fläche von etwa sieben Meter. „30 bis 35 Grad Dachneigung und eine Südausrichtung sind für unser Energiedachoptimal“, so Zolke.

Integrierte Systeme, wie sie auch Solon und Solarworld anbieten, halten mindestens genauso lange wie ein herkömmliches Dach, amortisieren sich im Schnitt aber nach 12 bis 13 Jahren. Sie vereinen mehrere Vorteile: Sie sind in wenigen Tagen montiert, die nötigen Kabel sind in den Rahmen integriert und liegen nicht frei herum, die Module können im Bedarfsfall einfach ausgetauscht werden. Fenster, Regenrinnen oder Firste können integriert werden. “Die dachintegrierte Solaranlage ist meist etwas teurer, sieht dafür aber oft auch besser aus“, hört man von Experten.

„Unser System kostet zwar mehr als herkömmliche Aufdach-Module, dafür bieten wir aber auch ein komplettes Dach“, rechtfertigt Zolke den höheren Preis. Kosten für zusätzliche Dachdeckungen, wie Ziegel, Schiefer oder Dachsteine, entfielen. „Die quadratischen Energieeinheiten überdecken sich leicht, ergeben so eine ansprechende Struktur und sorgen gleichzeitig für den Regenwasser-Ablauf direkt auf der Oberfläche“, so Zolke weiter. Auch Eternit bietet eine Konzeptlösung an, das auf den Eternit-Dachstein „Heidelberg“ abgestimmt ist.

Die Module liegen flach über der Dachhaut, eine Unterkonstruktion aus Edelstahl-Befestigungsschienen dient hierbei zur Montage der Module direkt auf den Funktionssteinen. „Das Format der flachen, rahmenlosen Module ist genau an die Größe der Dachsteine angepasst, sodass sie sich in die Struktur der Dacheindeckung einfügen“, heißt es bei Eternit. „Beide Lösungen sind technisch ausgereift“, bestätigen Experten. Weitere Informationen rund ums Dach findert man unter www.dach.de

Diesen Artikel verfasste Annekatrin Looss für das greenhome Magazin

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