Wie grün ist das Weiße Haus?

Gibt es auf dem Dach des Weißen Hauses eine Solaranlage? Trennt Obama seinen Müll? Neuer Mieter, neuer Schwung? Taugt das berühmteste Gebäude der Welt als Vorbild zum greenhome? Ein Besuch im First House.

Wenn es ein Gebäude auf dem Planeten gibt, auf das die Welt regelmäßig schaut, dann ist es das Weiße Haus. Auch wenn für uns – im alten Europa – die Vorbildfunktion des amerikanischen Way of life innerhalb einer Generation stark gelitten hat, ist es in diesem Zusammenhang dennoch interessant, einmal einen Blick auf das First House und seine nachhaltige und energieeffiziente Entwicklung zu werfen. Erst recht jetzt, wo viele hoffen, dass sein neuer Hausherr als gutes Beispiel vorangeht.

Mit dem ihm eigenen Elan ging Barack Obama auch gleich nach der Wahl zum Präsidenten an das Projekt „White House goes Green House“. Bei der Suche nach Wegen, das Weiße Haus umweltfreundlicher zu gestalten, musste er jedoch zwei Dinge feststellen: Erstens: Vieles wurde schon gemacht. Zwei- tens: Es muss wieder gemacht werden.

Carter baut auf, Reagan baut’s ab
Bereits seine Amtsvorgänger waren bemüht, das First House auch in Sachen Ökologie zum Vorreiter zu machen. Der ehemalige Erdnuss- und Baumwollfarmer Jimmy Carter ließ in den späten 70er-Jahren ein 28.000 Dollar teures Solar-Wasserheiz-System installieren, das jährlich 1.000 Dollar an Heizkosten einsparen sollte. Es funktionierte nicht wirklich. „Sprechen Sie mit irgendjemandem, der damals im Westflügel beschäftigt war, und sie werden hören, dass er sich die Hände mit kaltem Wasser waschen musste“, erzählt Gary Walters, der frühere Chief Usher (so eine Art First-Hausmeister). Die Kollektoren blieben immerhin sieben Jahre lang, bis Ronald Reagan sie in einem Akt, den viele als Sinnbild für die Energiepolitik dieses Präsident betrachteten, im Zuge von Renovierungsarbeiten vom Dach entfernen und in einer Lagerhalle in Virginia einmotten ließ.

Laut Walters waren später sowohl die Clintons als auch George und Laura Bush bei ihrem Einzug ins Weiße Haus trotzdem erstaunt über all die Dinge, die bereits unternommen worden waren, um Energie zu sparen. „Wir bemühten uns immer darum, mehr als nur durchschnittliche Anstrengungen zu unternehmen“, erläutert Walters und fügt hinzu, dass während beider Regierungszeiten in den Gärten der First Ladys Kräuter und in begrenztem Umfang auf dem Dach des Anwesens Gemüse in Töpfen gezogen wurden, um das Weiße Haus mit Tomaten, Paprika und anderen Gemüsesorten zu versorgen.

Clinton wird grün

Praktikantinnenschreck Bill Clinton startete 1993 dann ein ambitioniertes Projekt zur „Vergrünung des Weißes Hauses“. Von der Abänderung der Oberlichter zur stärkeren Nutzung des Tageslichts über das Aktualisieren der Klimaanlage bis zum Einbau effizienterer Fenster. Die Umsetzung dieser Maßnahmen sollte den Energieverbrauch des Gebäudes um 50 Prozent reduzieren – ohne dabei die Clintons oder ihre Katze, Socks, in ihrer Lebensweise zu beeinträchtigen. Die Bemühungen sparten in den ersten sechs Jahren tatsächlich mehr als 1,4 Millionen Dollar.

Bush noch grüner

Den bisher größten grünen Sprung machte das Haus jedoch – ausgerechnet – unter George W. Bush. Drei Solaranlagen wurden installiert. Eine thermische Anlage auf der Umkleidekabine des Schwimmbads (nach den gleichen Prinzipien wie jene, die Carter seinerzeit anbringen ließ), die das Wasser für Pool und Duschen erwärmt, sowie mehrere Photovoltaik-Module auf dem Dach eines Servicegebäudes, die zur Stromversorgung des Anwesens beitragen. Fast so, als könnte es seinem Ruf als „Mann der Ölindustrie“ schaden, war es dann aber nicht die Bush-Regierung, die der Öffentlichkeit mitteilte, dass im Weißen Haus Solartechnik genutzt wird, sondern die Solarindustrie – und das zu einem Zeitpunkt, als die Ausrüstung bereits seit vier Monaten installiert war.

Im gesamten Komplex wurden unter George W. Bush zudem wassersparende Toilettenspülungen und Wasserhähne installiert. Ein neuartiges Wetterüberwachungssystem verhinderte, dass sich die Rasen-Sprinkleranlagen einschalten, wenn es regnet. Allein diese Maßnahme sollte den Wasserverbrauch um rund 50 Prozent senken. Neue Rohr- und Leitungsisolierungen sollten dafür sorgen, dass im Winter weniger Wärme verloren geht. Selbst die alten EXIT-Schilder verschwanden zugunsten stromsparender LED-Lampen. Im Jahr 2007 stellte ein NBC-Reporter dann auch fest, dass das Weiße Haus über eine energieeffiziente Beleuchtung, wassersparende Toiletten, intelligente Rasensprenger, eine verbesserte Isolierung sowie kraftstoffsparende Minibusse verfügt.

Als echter Papiertiger erwies sich Bush jr. auch bei seinem mutigen Vorstoß zur Wiederverwertung von Schreibpapier im Weißen Haus, auch wenn – wie viele außenstehende Beobachter meinen – die Bemühungen hin zu einer ökologischeren Denkweise alles in allem im Laufe seiner Amtszeit stark an Schwungkraft verloren.
Und nun Barack Obama. Der nicht nur die Welt retten muss, sondern auch nächtens das Licht im Weißen Haus ausknipsen will. Er gestand in einem Interview vor dem Einzug, zu den Menschen zu gehören, die nachts auf Zehenspitzen durch das Haus schleichen und das Licht ausmachen. „Ich werde da sicher nicht zum Besessenen. Aber in meinem derzeitigen Zuhause tue ich das. Es gibt also keinen Grund, im nächsten anders zu handeln.“ Da bekommt die etwas abgegriffene Bezeichnung Lichtgestalt doch gleich eine praktische Bedeutung.

Michelle pflanzt, die Kinder schaukeln grün
Auch die Familie unternahm bereits Schritte, als ökologisches Vorbild zu dienen. Michelle Obama tat bereits den ersten Spatenstich für einen biologisch bewirtschafteten Kräuter- und Gemüsegarten auf dem Südrasen. Die Obamas ließen auf dem Gelände des Weißen Hauses eine umweltfreundliche Holzschaukelanlage für ihre Kinder errichten. Deren stoßdämpfende Sitzfläche aus recycelten Gummireifen hergestellt wurde. Das Holz stammt selbstverständlich aus Amerika.

Das Hauspersonal verwendet zukünftig nur noch ökologische Reinigungsmittel und die Verwalter des Komplexes haben Techniker und Hausmeister angewiesen, wo immer möglich, auf Ökoprodukte zurückzugreifen. Die Bemühungen, das Recycling zu ver- vollkommnen und zu fördern, sind in vollem Gang.

US-Amerikanische Experten für ökologisches Bauen berichteten kürzlich, dass die Regierung Informationen darüber einholt, was noch machbar wäre. Angesichts der Wichtigkeit, die Obama den erneuerbaren Energien in seinem Paket zur Wirtschaftsförderung und dem Budget einräumte, unterhalten sich US-Umweltschützer angeregt darüber, welches wohl die nächsten Schritte sein werden, die er im Weißen Haus unternimmt.

„Sie sind sehr darauf bedacht, mit gutem Beispiel voranzugehen“, sagt Rick Fedrizzi, Geschäftsführer des gemeinnützigen U.S. Green Building Councils. „Es ist toll zu sehen, dass sie sich auf solide Lösungen konzentrieren und nicht einfach ständig Schlagwörter liefern.“

Keine Kosten ohne Nutzen
Manchmal waren die guten Absichten im Weißen Haus sogar der Umweltschutztechnologie voraus. Beim Punkt, wie viel man mit all diesen Aktionen einspart, gibt man sich jedoch noch bedeckt. Ein Sprecher verkündete kürzlich: „Wir sind zuversichtlich, dass die Maßnahmen, die wir ergriffen haben, es ermöglichen, das Weiße Hause energieeffizienter zu machen.“

Jene, die an den vergangenen Bestrebungen, das Weiße Haus umweltfreundlicher zu gestalten, beteiligt waren, meinen, dass es, trotz allem, was bereits geleistet wurde, angesichts der sich so schnell verändernden Technologie noch reichlich zu tun gibt. „Es ist definitiv an der Zeit für eine Aktualisierung“, so Bill Browning, der an der Umsetzung der umweltfreundlichen Bemühungen der Clinton-Ära 1993 beteiligt war. „Die ökologische Bauweise hat seitdem einige Fortschritte gemacht.“ Browning, Gründer einer grünen Consulting-Firma, erklärt, das Personal seien „die wahren Helden in der umweltfreundlicheren Gestaltung des Weißen Hauses. Sie machten das während der Jahre unter Clinton zu ihrer Aufgabe und hielten unter der letzten Regierung daran fest.“

Altbau mit Potenzial
Architektin Jean Carroon, Expertin für umweltfreundliche Strategien in historischen Gebäuden, sagt, das Weiße Haus sei nicht der Energiefresser, für den die Leute es hielten. Sie erklärt, dass ältere Gebäude häufig über dicke Ziegelmauern verfügen, die eine gute Isolierung darstellen, und große Fenster, die viel Tageslicht hereinlassen.

Carroon meint, es sei wichtig, dass das Weiße Haus einfache Wege des Energiesparens aufzeigt, die jeder umsetzen kann. „Es geht nicht darum zu glänzen“, sagt sie. „Es geht darum, clever zu sein und Dinge umzusetzen. Die Botschaft an die Amerikaner sollte lauten: Sie müssen nicht im Weißen Haus leben, um verblüffende Energieeinsparungen zu realisieren.“

Steve Strong, dessen Unternehmen die Solaranlagen für die zweite Bush Regierung konstruiert und installiert hat, sagte, er wäre mehr als erfreut, wenn Obama die Bemühungen noch steigern würde, indem er eine Solarzellenanlage auf dem Südrasen installieren würde. „Das wäre ein national wie international überzeugendes Zeichen“, meint er.

Anti-Terror-Photovoltaik
Zwar nicht grün aber clever ist hingegen das Argument des Heimatschutz-Ministeriums, wo man die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf Regierungs­- gebäuden begrüßen würde um – im Falle eines terroristischen Anschlags oder eines massiven Stromausfalls – handlungsfähig zu bleiben. Ob man in diesem Zusammenhang auch über ein Programm „Rauchzeichen statt E-Mails“ nachdenkt, ist nicht bekannt. Immerhin befindet sich Washington D.C. mit seinen nicht vorhandenen Wolkenkratzern und dafür einer großen Anzahl an lang gezogenen, massiven zwei- bis sechsstöckigen Bürogebäuden und 200 Sonnentagen im Jahr, in der geradezu einzigartigen Lage, zur Hauptstadt der Solarenergie und zum Vorzeigemodell für den Rest des Landes zu werden.

Und was ist mit den gigantischen, benzinfressenden Fahrzeugkolonnen, jenen schwarzen Monstern, die Präsident und Vizepräsident gelegentlich in Anspruch nehmen, nur um auf die gegenüberliegende Straßenseite zu gelangen? Es ist nicht eben wahrscheinlich, dass wir in absehbarer Zeit einen Toyota-Prius-Korso sehen werden. Immerhin verfügen einige der Straßenkreuzer über einen alternativen Antrieb und fahren mit Ethanol. Ein Großteil der Angestellten wurde zudem dazu ermutigt, ihre Arbeit via Videokonferenz zu verrichten, um so Kosten und Benzinverbrauch zu senken.

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