Hausbau 4.0: Die Zukunft startet online

Interview mit Nils Klose, CDO der Oikos Group

Herr Klose, die Oikos Group vereint mit Bien-Zenker, Hanse Haus, Living Haus und weiteren Marken bewusst verschiedene Profile unter einem Dach. Welche Rolle spielt die Digitalisierung in dieser Mehrmarkenstrategie?

Nils Klose: Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein wichtiger Hebel, um die Stärken unserer Marken noch besser zur Geltung zu bringen. Jede Marke adressiert andere Zielgruppen, vom ausbaufreudigen Bauherrn bis zur Baufamilie, die ein schlüsselfertiges Premiumhaus sucht. Mit digitalen Lösungen können wir diese Unterschiede sehr präzise erlebbar machen. So bleibt die Markenidentität klar erkennbar, während wir technologisch auf einer gemeinsamen Plattform unterwegs sind.

Sie haben mehrfach betont, dass Technologie ein zentraler Wachstumstreiber für die Gruppe ist. Was bedeutet das konkret für Ihre digitale Gesamtstrategie?

Nils Klose: Wir wollen den Hausbau ganzheitlich denken, von der ersten Online-Recherche über die Planung bis hin zum Service nach dem Einzug. Dafür bauen wir Schritt für Schritt ein digitales Ökosystem für Interessenten und Kunden auf, das alle relevanten Touchpoints miteinander verbindet. Unser Ziel ist es, einen durchgängigen digitalen Begleiter anzubieten, der Informationen, Services und Kommunikation an einem Ort bündelt, wie eine Art Baumentor.

Wie hat sich die Erwartungshaltung von Bauinteressenten in den letzten Jahren aus Ihrer Sicht verändert, gerade mit Blick auf digitale Angebote?

Nils Klose: Unsere Kunden informieren sich heute wesentlich intensiver und deutlich früher. Viele haben bereits unzählige Websites, Social-Media-Posts und Hausbeispiele gesehen, bevor sie das erste Mal mit uns sprechen. Gleichzeitig erleben wir, dass diese Informationsfülle schnell zur Überforderung werden kann. Genau hier setzen wir mit unseren digitalen Lösungen an. Wir wollen Orientierung, Transparenz und Verlässlichkeit schaffen, unabhängig von Wochentagen oder Öffnungszeiten.

CASAI ist eines Ihrer Leuchtturmprojekte. Was war die zentrale Idee hinter dieser KI-gestützten Lösung?

Nils Klose: Wir haben uns gefragt, was Kunden auf dem Weg ins Eigenheim wirklich hilft? Und kamen so auf einen KI-gestützten Berater, der 24/7 verfügbar ist und aus zehntausenden realisierten Projekten lernen kann. CASAI ist das Ergebnis. Die Grundidee war, den Einstieg in den Hausbau intuitiver, transparenter und inspirierender zu machen. Viele Menschen wissen zu Beginn nur: „Wir wollen ein Haus“, aber nicht, wie viele Räume sie brauchen, was zu ihrem Budget passt oder welche Bauweise sinnvoll ist. CASAI führt sie über eine einfache Chat-Oberfläche durch diese ersten Entscheidungen, visualisiert in Echtzeit mögliche Lösungen und schafft damit ein solides Fundament für die spätere persönliche Beratung.

Mit dem neuen Bemusterungskonfigurator 2.0 haben Sie eine weitere digitale Innovation Ihrer Gruppe auf ein noch höheres Qualitätsniveau gehoben. Was genau hat sich verändert?

Nils Klose: Der größte Sprung liegt in der Bildqualität und im Realismus. Wir arbeiten mit physikalisch basierter Lichtberechnung und hochdetaillierten Oberflächen. Das klingt technisch, bedeutet aber im Ergebnis: Unsere Baufamilien sehen ihr zukünftiges Zuhause in einer Qualität, die sehr nahe an den realen Eindruck herankommt. Feine Glanzlichter, Schatten, Materialstrukturen auf Fliesen, all das lässt sich jetzt deutlich authentischer wahrnehmen. Dadurch entsteht ein durchgängiger digitaler Zwilling des Hauses. Entscheidungen werden damit intuitiver, sicherer, entspannter von zu Hause aus und auch emotionaler getroffen.

Nicht zuletzt haben Sie für Bien-Zenker, Hanse Haus und Living Haus eigene, markenspezifische Chatbots erstellt. Warum sind diese digitalen Ansprechpartnerinnen für Sie mehr als „nur ein Chatfenster“?

Nils Klose: Weil sie genau so konzipiert sind, wie unsere Kunden sich ihre ideale Ansprechperson wünschen. Wir haben in einer Studie gezielt nach Tonalität, Kommunikationsstil und Auftreten gefragt. Daraus sind Claudia Wagner für Bien-Zenker, Clara Lehmann für Hanse Haus und Anna für Living Haus entstanden. Diese Bots sind keine anonymen Formulare, sondern konsistente Persönlichkeiten, die zur Marke passen und über Kanäle wie WhatsApp oder die Website sehr niedrigschwellig erreichbar sind. Sie hören zu, stellen Rückfragen, fassen zusammen und begleiten vom ersten Interesse bis zum Übergang an den Vertrieb. Der Erfolgsfaktor dahinter sind intelligente Wissensdatenbanken, die sicherstellen, dass unsere Chatbots immer aktuell sind und unsere Kunden perfekt unterstützen können.

Sie sprechen von einer digitalen Plattform, die die gesamte Kundenreise begleiten soll. Wie sieht Ihre Vision für dieses Ökosystem in einigen Jahren aus?

Nils Klose: Unsere Vision ist, dass Baufamilien einen zentralen digitalen Zugang zu ihrem gesamten Hausprojekt haben, von der ersten Idee bis lange nach dem Einzug. Dort finden sie Informationen, Services, Kommunikationswege, Dokumente und auch Serviceangebote an einem Ort. CASAI, die Chatbots und der Bemusterungskonfigurator sind die ersten sichtbaren Elemente. In den nächsten Jahren werden wir weitere Module ergänzen, etwa für Kundendienst, Wartung und Serviceleistungen. Aus Sicht der Kunden fühlt sich das idealerweise wie „eine“ Anwendung an, die sie zuverlässig begleitet und sinnhaft informiert, auch wenn im Hintergrund viele Systeme zusammenspielen.

Wie stellen Sie sicher, dass bei all der Technologie der menschliche Kontakt nicht zu kurz kommt?

Nils Klose: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir sehen digitale Lösungen nie als Ersatz, sondern immer als Ergänzung zur persönlichen Beratung. Am Ende bleibt der Hausbau als so besondere Investition im Leben ein sehr persönliches Projekt, unsere Aufgabe ist es, dieses Projekt mit Hilfe von verfügbarer Technologie einfacher, klarer und wertschätzender zu gestalten.

Kontakt: Oikos Group GmbH
Am Distelrasen 2
36381 Schlüchtern
Tel.: +49 66 61/98 91 00
E-Mail: info@oikos-group.de
www.oikos-group.de

Für dich vielleicht ebenfalls interessant …