Viel frische Luft

Moderne Häuser sind so dicht wie nie. Das spart Heizkosten und schützt das globale Klima. Probleme tauchen allerdings beim Raumklima daheim auf. Neueste Lüftungstechnik sorgt für frischen Sauerstoff und filtert alle schädlichen Partikel heraus.

Wer heute baut oder umfassend saniert, kommt nicht mehr drum herum: Die Energieeinsparverordnung verlangt eine optimal gedämmte Gebäudehülle. Ein natürlicher Luftaustausch durch Fenster und Wandfugen kann und darf gar nicht mehr stattfinden. Dabei kann nicht nur den Bewohnern schnell die Luft ausgehen. Steigt der Kohlendioxidgehalt auf über 0,1 Prozent, sinkt unsere Leistungsfähigkeit – wir fühlen uns schlapp und müde. Eine ganz andere Gefahr birgt eine zu hohe Luftfeuchtigkeit. Diese wird nicht nur beim Ausatmen freigesetzt. Insbesondere die Feuchtigkeit aus Küche und Bad sammelt sich an und kann zu Schäden an der Gebäudesubstanz führen. Gerade bei zeitgemäßen Niedrigenergie- und Passivhäusern ist Schimmel kein unbekanntes Problem. Schuld daran ist meist eine falsch geplante oder installierte Belüftung. Obwohl der Gesetzgeber auch hier klare Vorgaben gibt. Demnach müssen Planer und Architekt ein effektives Lüftungskonzept für ein Haus erarbeiten und damit einen Mindestluftwechsel sicherstellen. Als Regel gilt, dass alle ein bis zwei Stunden die komplette Raumluft in einem Gebäude ausgetauscht werden soll.

Wer in einem Altbau das tägliche Stoßlüften durch Öffnen der Fenster gewohnt ist und lieb gewonnen hat, den mag der Gedanke, in einer geschlossenen Raumkapsel zu leben, zunächst befremden. Doch bietet die Frischluftversorgung der Räume mittels einer kontrollierten Be- und Entlüftung einige Vorteile. Wer beispielsweise in seinem Home-Office arbeitet, wird sicher die himmlische Ruhe genießen, ohne auf die nötige Luftveränderung im Raum verzichten zu müssen. Denn die Fenster können geschlossen bleiben. Auch ungesunde Zugluft gehört damit der Vergangenheit an. Moderne Anlagen können aber mehr, als nur die verbrauchte Luft austauschen.

Fenster alleine reichen nicht aus
Rund 30 Kubikmeter Frischluft braucht der Mensch pro Stunde, um fit zu bleiben und sich wohl zu fühlen. Durch offene oder gar angekippte Fenster ist das kaum zu schaffen. Zudem entweicht dabei in den kalten Jahreszeiten wertvolle Heizenergie. Gut 50 Prozent des Wärmeverlustes eines herkömmlichen Hauses geht auf das Lüften zurück. Hier steckt einiges Potenzial, um seinen Geldbeutel zu entlasten. Heutige Lüftungssysteme arbeiten daher mit Wärmerückgewinnung. Dabei wird der Abluft bis zu 98 Prozent der teuren Wärmeenergie entzogen und über einen Wärmetauscher der von außen zugeführten Frischluft und damit den Wohnräumen wieder zugeführt. Ein perfekt isoliertes Domizil vorausgesetzt, macht sich das schnell in barer Münze bezahlt. Durch den regelmäßigen vollständigen Austausch der Raumluft werden gleichzeitig Feuchtigkeit, unangenehme Gerüche oder Schadstoffe aus den Möbeln und Teppichen im Inneren beseitigt. Ebenso wie Milben und deren Hinterlassenschaften. Die angesogene Außenluft wird, bevor sie erwärmt und in das Gebäude gelangt, natürlich gefiltert. Feinstaub, Pollen und Insekten müssen also draußen bleiben. Das garantiert ein gesundes Raumklima daheim, nicht nur für Allergiker. Und dazu zählt sich mittlerweile jeder fünfte Bundesbürger. Hier gilt Heuschnupfen als das häufigste Leiden. Und die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, dass die Dauer der Pollensaison zunimmt. Da ist fein raus, wer das ganze Jahr automatisch mit sauberer, keimfreier Atemluft versorgt wird. So wird auch ernsteren Folgeerkrankungen der Atemwege, wie etwa Asthma, langfristig vorgebeugt.

Um triefende, tränende Augen und Nase zu vermeiden, muss die Raumluft jedoch nicht nur sauber sein, sondern auch genau das richtige Maß an Feuchtigkeit enthalten. Die meisten kennen das: Im Winter ist die Luft viel zu trocken und reizt die Schleimhäute. Und damit steigt die Anfälligkeit für Erkältung und Heuschnupfen. Der ist für das nächste Frühjahr praktisch schon vorprogrammiert. Ein guter Grund, sich für Klimaund Lüftungsgeräte mit integriertem Luftbefeuchter zu entscheiden. Im Sommer sieht das Problem anders aus. Jetzt ist die Luft viel zu feucht und bietet beispielsweise Schimmelsporen ideale Bedingungen. Die verursachen nicht nur Allergien und Atemwegserkrankungen, sie können auch das Gebäude schädigen. Klar: Wer bei so viel fine Tuning auf moderne Technik setzt und nicht auf intuitives Öffnen und Schließen der Fenster, der ist auf der sicheren Seite.

Bedarf ist individuell
Wie hoch der Bedarf an sauerstoffreicher Frischluft tatsächlich ist, hängt ganz wesentlich von der Anzahl der Bewohner und der individuellen Nutzung des Hauses ab. Die komplette Anlage muss daher professionell geplant und auf die persönlichen Lebensumstände abgestimmt sein. Nur so ist ein effektiver und kostengünstiger Betrieb zu gewährleisten. Wichtig ist auf jeden Fall eine mehrstufige Regelung. Per Knopfdruck auf der Fernbedienung lässt sich dann die gerade benötigte Leistung einstellen. Ist am Tage niemand zu Hause, langt eine Grundlüftung. Wenn abends die Familie beisammensitzt oder sogar Besuch eingetroffen ist, wird die Anlage einfach hochgefahren. Mittlerweile gibt es zudem Geräte, die mit Hilfe elektronischer Sensoren den Gehalt an Kohlendioxid und Feuchtigkeit in der Raumluft überwachen. Die Messwerte werden an das zentrale Lüftungsgerät übertragen. Damit wird der aktuelle Frisch luftbe darf errechnet und falls nötig gedeckt. Es gibt Raumklimaanlagen, die statt eine aufwendige Analyse der Raumluftzusammensetzung durchzuführen, einfach die Anwesenheit von Personen im Raum feststellen. Erkennt das Gerät, dass niemand da ist, schaltet es sich automatisch in den Energiesparbetrieb. Kombiniert mit einer Luftwärmepumpe ist so eine Anlage schon für unter 3.000 Euro zu bekommen.

Kombination aus Lüftungsanlage und Wärmepumpe
Überhaupt ist die Kombination von Lüftungsanlage und Wärmepumpe ideal. So erhält man ein Multifunktionsgerät, das heizt, kühlt und lüftet. Heizen mit der Klimaanlage mag für viele hierzulande noch etwas gewöhnungsbedürftig sein. Doch im Bereich der Niedrigenergie- und Passivhäuser setzt sich diese Technik klar durch. Denn Wärmepumpen nutzen letztlich indirekt Sonnenenergie, die in der Luft und im Boden gespeichert ist und grenzenlos zur Verfügung steht, ohne fossile Brennstoffe verheizen zu müssen. Wer gerade sein energiesparendes Familiendomizil plant, kann gleich eine so genannte kontrollierte Be- und Entlüftung vorsehen. Sie besitzt die höchste Effizienz bei der Wärmerückgewinnung und kann am besten dem tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Allerdings muss man dabei rund 50 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche für Planung und Installation einkalkulieren. Ein Nachrüsten von Bestandsgebäuden mist aufgrund des aufwendigen Zuluftsystems kaum zu empfehlen.


Zwei Alternativen für die Modernisierung

Wer modernisiert hat die Wahl zwischen zwei Alternativen. Zum einen bietet sich ein dezentrales Lüftungssystem an. Hier wird allerdings für jeden Raum ein Gerät – Kosten circa 1.000 Euro mit Wärmetauscher– benötigt sowie Zu- und Abluftbohrungen im Mauerwerk. Der Aufwand bei der Planung und Installation ist dagegen gering, besonders, wenn man sich für ein Aufputzgerät entscheidet. Achten Sie bei der Wahl des Gerätes auf einen niedrigen Geräuschpegel. Die zweite Möglichkeit ist ein zentrales Abluftsystem. Dabei saugt ein zentraler Ventilator die verbrauchte Luft aus Küche, Bad und Toilette ab und leitet sie nach außen. Im Gebäude entsteht so ein leichter Unterdruck. Er sorgt dafür, dass durch spezielle Öffnungen Frischluft nachströmt, idealerweise hinter einem Heizkörper, um die Zuluft im Winter zu erwärmen. Um alle Räume zu versorgen, müssen die Innentüren mit Gittereinsätzen versehen sein. Damit saubere Luft und eine einwandfreie Funktion zu gewährleisten, sind die Durchlässe in der Außenwand mit Schalldämpfer, Winddrucksicherung und Filter gegen Partikel und Insekten ausgestattet. Dennoch können in bestimmten Gebieten Störungen durch hohe Winddrücke auftreten. Zudem ist eine Wärmerückgewinnung bei diesem System nicht möglich, da Zu- und Abluft getrennt geführt werden. Der Wärmeverlust soll aber um 15 Prozent niedriger sein als bei herkömmlicher Fensterlüftung. Mit einem jährlichen Verbrauch von etwa 180 Kilowattstunden sind die Betriebskosten dafür recht niedrig und liegen damit um mehr als die Hälfte unter der einer kontrollierten Be- und Entlüftung. Im gleichen Verhältnis stehen übrigens auch die Investitionskosten.

Tipp für Allergiker
Wer Hausstaub, Pollen und Milben nicht nur aus der Atemluft verbannen will, sondern auch aus Möbeln, Kissen und Teppichen, sollte einmal über ein Zentralstaubsaugsystem nachdenken. Sie sind für etwa 1.000 Euro zu haben und auch problemlos in einem bestehenden Haus zu installieren. Neben ihrer hohen Saugleistung bieten sie noch andere Vorzüge. Zum einen sind sie geräuscharm und damit nervenschonend. Wer gerade Putzdienst hat, kann sogar beim Staubsaugen telefonieren. Außerdem entfällt das lästige Herumbugsieren mit einem Bodengerät. Kein Anstoßen und Hängenbleiben mehr an den Möbeln. Eine zentral platzierte Saugdose reicht, um auf einer Etage auch die hinterste Ecke zu reinigen. Das Zentralgerät wird in einem Nebenraum oder dem Keller installiert und ist so aus dem Weg und aus dem Blickfeld. Dort wird die angesaugte Luft von den Staubpartikeln befreit und ins Freie geleitet. Damit gehört auch der muffige Staubsaugergeruch der Vergangenheit an. Die Leistung übertrifft die von herkömmlichen Bodenstaubsaugern merklich. Nicht nur Allergiker können aufatmen. Auch Putzmuffel werden sich freuen, dass sie seltener mit der Düse durch das Haus gehen müssen. Zu guter Letzt noch ein Tipp aus alter Zeit. Auch Zimmerpflanzen sorgen für ein prima Raumklima. Sie wandeln Kohlendioxid in Sauerstoff um, reinigen die Luft von Staub und sorgen für die richtige Luftfeuchtigkeit. Und wer glaubt, bei all der modernen Technik darauf verzichten zu können, sollte bedenken: Schon durch ihre Optik schaffen Pflanzen eine behagliche Atmosphäre.

Von Andreas Klose für das greenhome Magazin

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1 Response

  1. Joachim Lukas, Idar-Oberstein sagt:

    Hallo Herr Klose, nach einigem zeitlichen Abstand habe ich mir Ihren Artikel noch einmal aufmerksam durchgelesen, um eigene Erfahrungen vergleichen zu können bzw. um einer kostengünstigen Lösung, nach der ich schon lange suche, näher zu kommen. Seit 2002 bewohne ich ein nach Passivhausstandard gebautes Einfamilienhaus, in dem eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Erdreichwärmetauscher eingebaut wurde (Gesamtkosten damals rund 27000 DM incl. 16 % MWSt.). Ein geeigneter Lüftungsbauer konnte damals erst im letzten Moment gefunden werden. Nach dessen Vorschlag ist ein Lüftungsgerät von Stork Air installiert worden, das bis heute einwandfrei funktioniert – zudem zwei elektrische Heizregister zur Zulufterwärmung (Restwärmebedarf). Ein Kompaktgerät mit Abluftwärmepumpe (Lüften, Heizen, Warmwasser) wurde nicht angeboten. Auf der Suche nach einer sinnvollen Erweiterung meiner Anlage zur Deckung des Restwärmebedarfes konnte mir in zahlreichen Gesprächen mit Heizungsfachleuten keine günstige Lösung angeboten werden – sie sind einfach überfordert mit dem Thema „Passivhaus“. Auch auf der Passivhausausstellung letztes Jahr in Ffm bekam ich gegensätzliche Vorschläge, mit denen ich mich nicht anfreunden kann. Die mir bekannten Fachzeitschriften befassen lediglich sich mit den Kompaktgeräten (10000 € + mehr).

    In Ihrem Artikel erwähnen Sie Klimageräte für weniger als 3000 € – ich wäre Ihnen für nähere Informationen bezüglich des Herstellers dankbar. Den Darstellung in Ihrem Beitrag kann ich weitgehend zustimmen, wobei mir die Luftwechselraten zu hoch erscheinen. Leider sehe ich immer noch wenig Verbreitung dieser sinnvollen Anlagen – auch bei Neubauten, in unserem ländlichen Raum steigen viele um auf das Heizen mit Holz. Mit meiner Anlage jedenfalls bin ich sehr zurfrieden – bis auf das beschriebene Defizit der Lufterwärmung mit hohem Stromverbrauch. Großes Kompliment noch für Ihre Zeitschrift, die sehr interessante Inhalte bietet, auch das Erscheinungsbild halte ich für sehr gelungen. Ich freue mich auf die nächste Ausgabe und Ihre Tipps. Vielen Dank + Gute Zeit!
    Joachim Lukas

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