So geht Solar

Zuerst die gute Nachricht: Nie war Solarstrom so billig wie heute. Die Preise für Solarmodule, Wechselrichter und das Zubehör brachen 2009 um ein Drittel ein, auch 2010 sinken sie weiter. „Wir bieten das Kilowatt zu knapp 3.000 Euro an“, bestätigt Alexander Kohl, Chef der Firma Solarkraftwerk in der Nähe von Ingolstadt. Für 10.000 Euro installiert er eine Komplettanlage mit 3,22 Kilowatt Solarleistung. Legt der Kunde 25.000 Euro auf den Tisch und hat ein entsprechend großes Dach, sind fast 8,5 Kilowatt möglich. Ist die Anlage ordentlich geplant und gebaut, erwirtschaftet sie eine jährliche Rendite von sechs bis acht Prozent, je nach Lage und Sonneneinstrahlung. Über den Daumen gepeilt sind die Preise im gesamten Bundesgebiet gleich: Zwischen 2.950 Euro und 3.250 Euro differieren sie nur geringfügig. Einige Solarhändler bieten im Internet Komplettpakete zu 2.290 Euro an. Das klingt billig, dazu kommen aber noch die Versicherung, die Zählermiete und vor allem: die Installation. Für eine Anlage mit drei Kilowatt Leistung brauchen zwei Monteure zwischen einem und zwei Arbeitstage.

Keine Ware aus dem Baumarkt
Denn Solartechnik taugt nicht zum Selbstbau. Die Anlage bedarf der sachgemäßen Planung, Installation und Abnahme. Das ist der Job eines Fachhandwerkers, der seinen Kunden berät. Guter Rat ist nicht billig, aber er zahlt sich aus. David Muggli von Priogo in Zülpich gebietet über zwanzig Mitarbeiter, die im südlichen Nordrhein-Westfalen und im angrenzenden Rheinland-Pfalz unterwegs sind. Für 10.000 Euro garantiert er seinen Kunden einen Solargenerator mit 3,08 Kilowatt Leistung inklusive Zubehör, Verkabelung, Montage und einigen Extras. Für 20.000 Euro bietet er 7,04 Kilowatt Spitzenleistung, für 5.000 Euro mehr werden es 8,1 Kilowatt. Wie sein Kollege Alexander Kohl aus Bayern setzt Muggli auf Solarmodule aus kristallinem Silizium. Sie bringen die höchsten Erträge, meist mehr als 220 Watt aus einem Standardmodul.

Das Dach gut ausnutzen
Private Bauherren verfügen oft nur über kleine oder begrenzte Dachflächen. Je besser die rare Dachfläche ausgenutzt wird, desto mehr wirft die Solaranlage über die Einspeisevergütung ab. „Bevor wir ein Angebot abgeben, vereinbaren wir mit dem Kunden einen Ortstermin“, erläutert Muggli. „Dann schauen wir uns das Dach genau an und nehmen die Maße.“ Immer wieder klagen Solarkunden, dass die Installateure ihre Angebote aus der kalten Hand zaubern, ohne einen Blick auf das Dach. Dann drohen Probleme bei der Montage: Die Anlage passt nicht. Schornsteine werfen störende Schatten oder die Statik wurde falsch berechnet und hält das Gewicht der Module nicht aus.

Liegt ein genauer Dachplan vor, auf dem Gauben oder Schornsteine mit ihrer Höhe verzeichnet sind, muss der Installateur nicht unbedingt auf das Dach. Für private Eigenheime gibt es solche Dokumente aber meist nicht. Und ein Blick unters Dach lohnt allemal: „Wir kontrollieren bei der Begehung stets die Dachkonstruktion“, sagt Alexander Kohl. „Dazu muss man manchmal hinter die Dämmung schauen, ob die Balken in Ordnung sind.“ Im Neubau gibt es wenig Schwierigkeiten, der Statiker hat das Solardach einkalkuliert. In älteren Häusern sind die zwölf- oder 14 Zentimeter starken Dachsparren aber nicht selten von Holzwürmern oder Holzböcken angefressen. Da lauern unter Umständen böse Überraschungen.

Denn Solarmodule sind schwer. Jedes einzelne kristalline Panel wiegt 20 Kilogramm. Hält das Dach diesem Gewicht nicht stand, entstehen hohe Zusatzkosten. „Im Zweifelsfalle ziehen wir einen Statiker zu Rate“, meint Alexander Kohl, der das Geschäft mit zwei Mitarbeitern betreibt. David Muggli hat spezielle Montageteams zusammengestellt: „In jedem Team sind ein Elektrospezialist und ein Dachdecker vertreten“, erklärt er. „Das schützt die Kunden und uns vor unliebsamen Überraschungen.“ Angebote, die tatsächlich ohne eingehende Besichtigung des Daches und seiner Eignung entstehen, kann man getrost in den Papierkorb werfen.

Fallstricke im Detail
Muggli und Kohl gehören zu den Installateuren, die sich als Berater im Auftrag ihrer Kunden fühlen. Solaranlagen sind eine langfristige Investition, da zählt vor allem Qualität. „Ein ordentliches Angebot beinhaltet die Technik, also Solarmodule, Wechselrichter und Verkabelung, die UV-beständig sein mussen“, zählt Alexander Kohl auf. „Hinzu kommen das System für die Montage, die Kosten für das Gerüst, die berechneten Solarerträge für das Gebäude und ein Plan zur vorgesehenen Belegung des Daches mit den Modulen.“ Solche Pläne entwirft der Installateur am Computer. Auch dafür benötigt er die genauen Daten der Dachfläche, ihre Abmaße, Ausrichtung und Neigung. Kristalline Module dürfen nicht verschatten, dann stürzt die elektrische Ausbeute messbar ab. „Schornsteine oder Dachfenster erfordern es, die Anlage möglichst exakt einzupassen“, gibt Kohl einen Tipp. „Es kam schon vor, dass ich dem Kunden nach der Besichtigung abraten musste. Ein hoher Baum warf seinen Schatten quer übers Dach.“ Der Installateur sollte sich ebenso um ein Montagegerüst kümmern, falls es Höhe und Bauart des Daches erfordern.

Wo am meisten Sonne scheint. Die Sonne wird locker noch die nächsten vier Milliarden Jahre scheinen. Doch scheint Sie auf Ihrem Dach auch so oft wie in Hamburg, Berlin oder Freiburg? Ein Blick auf diese Landkarte zeigt, welche Regionen in Deutschland am meisten Sonnenstunden haben.

Ganz wesentlich ist die Wahl des Einspeisepunktes ins öffentliche Versorgungsnetz. Bei privaten Wohnhäusern befindet er sich meist im Keller. Ein spezieller Zähler misst die eingespeiste Strommenge, um sie mit dem Energieversorger gemäß den Tarifen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) abzurechnen. Die Zählermiete gehört ebenso ins Angebot, wie der richtige Wechselrichter. Er setzt die Gleichspannung aus den Solarkreisen in netztauglichen Wechselstrom um. Standardmäßig hängt der Wechselrichter neben dem Elektrokasten im Keller. Im Sommer, wenn die Module volle Pulle stromen, wird der Umsetzer ziemlich heiß. Hängt er unter einem ungedämmten Dach, kann die Temperatur an den Platinen gefährlich ansteigen. Dann schaltet sich der Wechselrichter vorsichtshalber ab. Die Folge: Die Anlage liefert überhaupt keinen Strom mehr. Deshalb entscheidet der Installateur auch, wo der oder die Wechselrichter hängen sollen und wie groß sie sein müssen, damit sie die Höchstleistungen anschließend auch verkraften.

Ein Wort zum oft besprochenen Blitzschutz: Er spielt nur dann eine Rolle, wenn die Module auf flachen Dächern aufgeständert werden. Normale Einfamilienhäuser mit Steildach – wie man es in unseren Breiten meistens vorfindet – benötigen in der Regel keine gesonderten Vorrichtungen gegen Blitzeinschlag oder Überspannungen. Allerdings sollte man darauf achten, dass die Kabel im Gleichstromkreis des Solargenerators nicht in langen Schleifen verlegt werden. Möglichst kurze Kabel vermeiden Überspannungen und Isolationsfehler. Damit man in den nächsten 20 Jahren sorglos schlafen kann, sollte der Installationsbetrieb mindestens nach dem Gütesiegel RAL zertifiziert sein.

Genau lesen und vergleichen
Die Angebote unterscheiden sich oft in den Einzelheiten, die über Technik und Montage hinaus gehen. Solarexperte David Muggli beispielsweise bietet seinen Kunden immer die Montage des Zählerplatzes im Keller und eine Solarversicherung für zwei Jahre mit an. „Im Schadensfall übernehmen wir auch die Abwicklung mit dem Versicherer“, meint er. Schlecht montierte Anlagen fegt es bei starkem Sturm vom Dach. „Die Anlage muss die einschlägige DIN-Norm zu Wind- und Schneelasten aushalten“, empfiehlt Alexander Kohl. „Das gehört ins Angebot.“ Auch die Berechnung der zu erwartenden Solarstromerträge und der Wirtschaftlichkeit runden die Informationen für den Kunden ab. Schließlich will man ja auch überprüfen, was einem versprochen wurde. David Muggli weiß: „Anhand der Ertragsprognose kann der Kunde dann schon im ersten Monat nach der Inbetriebnahme erkennen, ob die Anlage ordentlich funktioniert.“
Was hat der Kunde in der Hand?

Schließlich ist die Anlage fertig. Jetzt fehlt nur noch der Monteur des regionalen Netzbetreibers, um den Wechselrichter ans Netz anzuschließen. Denn die Einspeisevergütung läuft erst vom Tag der Inbetriebnahme. Zwischen zwei und sechs Wochen können vergehen, bis der Fachmann des Energieversorgers auf der Matte steht. „Während der Freischaltung bin ich vor Ort, um die Anlage an den Kunden zu übergeben“, berichtet Alexander Kohl. „Ich unterschreibe das Protokoll der Inbetriebnahme, ebenso der Kunde. Es bestätigt den ordnungsgemäßen Betrieb und die Einweisung in die Technik.“ Überprüfen kann man den Solarertrag am Display des Wechselrichters. Außerdem erhalten Kohls Kunden umfangreiche Informationen über die Technik, Hinweise für die Wartung und den Betrieb sowie eine Fotodokumentation über die fachgerechte Montage und die Durchbrüche für die Kabel im Dach oder im Mauerwerk. Denn: „Sie müssen hinterher wieder luftdicht verschlossen sein.“

David Muggli und seine Mitarbeiter haben viel Zeit darauf verwendet, einen handlichen Solarordner für ihre Kunden zu entwerfen. Neben den Datenblättern der Technik, Informationen zum Anschluss und Betrieb am Netz, kaufmännischen Unterlagen, Details der Finanzierung, der Versteuerung und der Versicherung kann man sich in den Newsletter der Firma eintragen. Dieser Aufwand macht sich bezahlt, rund 80 Prozent seiner Neukunden kommen sogar auf persönliche Empfehlung zufriedener Solarkunden. „Und wenn es einmal ein Frage oder ein Problem gibt, pflegen wir den kurzen Draht“, bestätigt auch Alexander Kohl. „Ein Griff zum Telefon, und ich fahre beim Kunden vorbei.“

Text: Heiko Schwarzburger für das greenhome Magazin

Das könnte Ihnen auch gefallen...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.