Regen nutzen

Alles Gute kommt von oben! Regenwasser ist viel zu schade, um es einfach im Erdboden versickern zu lassen. Es eignet sich zum Blumengießen, für die WC-Spülung – und wer will, kann damit sogar Wäsche waschen.

Haben Sie sich bei der letzten Wasserabrechnung auch an den Kopf gefasst? Kein Wunder! In den letzten 20 Jahren ist Trinkwasser um rund 300 Prozent teurer geworden. Unser Lebensmittel Nummer eins wird im wahrsten Sinne des Wortes immer kostbarer. Und die Preise steigen stetig. Denn der Aufwand, der nötig ist, um Trinkwasser aufzubereiten, ist hoch.

Zwar nimmt die Niederschlagsmenge im Jahresdurchschnitt zu, eine Folge unseres Klimawandels. Doch in unserer dicht bebauten und asphaltierten Welt gibt es kaum noch genügend Flächen, in denen das Regenwasser auf natürlichem Wege einfach versickern kann. Diese Bodenversiegelung führt bereits jetzt in vielen Regionen Deutschlands zu einem alarmierenden Absinken des Grundwassers, dem wichtigsten Wasserreservoir.

Der größte Teil des Niederschlags gelangt sturzbachartig in die Kanalisation und vermischt sich mit dem verschmutzten Abwasser. Beides muss nun zusammen geklärt werden, um es wieder nutzen zu können. Die zunehmende Belastung durch Schadstoffe aus Industrie und Landwirtschaft trägt dazu bei, diese Prozedur zeit- und kostenintensiv zu gestalten.

Dabei ist dieser Umweg gar nicht nötig. Denn Regenwasser lässt sich im Haushalt größtenteils direkt nutzen. Beispielsweise zum Wäschewaschen oder für die Toilettenspülung. Viele Kommunen und Gemeinden schreiben dies für Neubauten sogar vor. Leider werden dagegen die Fördermittel zusehends gestrichen. Doch auch ohne Finanzspritze von Vater Staat lohnt sich die Sache.

Von den etwa 130 Litern, die jeder Bundesbürger täglich im Durchschnitt verbraucht, müssen gerade einmal 50 Prozent wirklich Trinkwasserqualität haben. Etwa für die Bereitung von Speisen oder für die Körperpflege. Die andere Hälfte lässt sich durch Regenwasser ersetzen. Das spart in einem Vierpersonen- haushalt bis zu 200 Euro pro Jahr. Wer seine Waschmaschine mit weichem, also kalkfreiem Regenwasser betreibt, spart zudem Enthärter und verbraucht weniger Waschpulver. Ganz nebenbei steigt die Lebenserwartung des Gerätes. Ein deutliches Plus also für die Umwelt und den Geldbeutel. Auch aus gesundheitlicher Sicht bestehen keine Bedenken. Langzeitstudien haben gezeigt, dass mit Sammelwasser gewaschene Wäsche keine höhere Keimbelastung aufweist, als mit Trinkwasser gewaschene.

Wasser für Blumen und Geldbeutel
Auch die Blumen im Garten wissen das weiche Wasser zu schätzen und gedeihen damit meist besser. Soll das Regenwasser nur zur Bewässerung des Gartens benutzt werden, kommt man mit relativ wenig Aufwand und Kosten aus. Und es lohnt sich! Denn durchschnittlich 40 bis 60 Liter werden pro Jahr und Quadratmeter im heimischen Grün versprüht. Einfache Regentonnen aus Kunststoff sind bereits für 40 bis 50 Euro zu bekommen. Wer Wert auf ein ansprechendes Äußeres legt, bekommt sie in Fels- oder Baumstamm-Optik. Dafür muss man jedoch schon 150 bis 200 Euro aus der Börse holen. Eine einfache Tauchpumpe ab 20 Euro komplettiert dann das Einsteiger-Set. Damit lässt sich die Gieß- kanne füllen oder man schließt direkt einen Schlauch an die Pumpe. Oberirdische Regentonnen haben jedoch den Nachteil, dass sich sehr bald Algen bilden und unliebsame Insekten angezogen werden. Zudem ist das Wasser schnell aufgebraucht. Besonders in den Trockenperioden, die auch in unseren Breiten häufiger werden und länger andauern. Hier empfiehlt sich eine unterirdische Zisterne mit höherem Fassungsvermögen. Dafür schlagen dann aber schon über 1.000 Euro zu Buche. Im Gegenzug entfallen die Gebühren für Wasser und Abwasser. Ein weiterer Vorteil: Wer beizeiten sein Wasser sammelt, für den gilt das Bewässerungsverbot in den heißen Sommermonaten nicht.  Um den Segen von oben auch im Haus als Brauchwasser zu nutzen benötigt man eine komplette Regenwassernutzanlage. Kosten für eine vierköpfige Familie etwa 4.000 bis 5.000 Euro. Die benötigte Tankgröße hängt dabei von mehreren Faktoren ab. Zunächst von der Gartengröße und der Anzahl der Bewohner. Pro Person rechnet man in der Regel mit 700 bis 800 Litern. Darin ist bereits eine „stille Reserve“ für trockene Zeiten enthalten. Als nächstes kommt die Dachfläche. Sie bestimmt letztlich, wie viel Niederschlag gesammelt werden kann. Ein Quadratmeter bringt etwa 25 bis 50 Liter wertvolles Nass in die Zisterne. Neben der Dachfläche sind Neigung und Eindeckmaterial ebenfalls wichtige Gesichtspunkte. Je steiler desto besser. Flachdächer eignen sich weniger für eine Regenwassersammelanlage. Ebenso wenig begrünte Dächer. Denn die Pflanzen verbrauchen das Nass vom Himmel selbst. Dagegen bieten Schiefer, Tonziegel und Betondachsteine beste Wasserausbeute und Güte.

Der Speicher aus Kunststoff (Polyethylen) oder Beton wird kühl und dunkel circa einen Meter tief im Erdreich vergraben. Wichtig für die Wasserqualität, denn so wird beispielsweise Algenbildung verhindert. Die richtige Tiefe sorgt auch dafür, dass Speicher und Leitungen im Winter frostfrei sind. Ein Entleeren der Anlage ist nicht nötig, selbst bei klirrender Kälte. Die genaue Grenze ist regional unterschiedlich und liegt in etwa bei 60 bis 100 Zentimeter. Den genauen Wert erfahren Sie beim zuständigen Bauamt. Oberirdische Tanks sollten immer im Schatten aufgestellt werden, um eine Erwärmung zu vermeiden. Im Winter müssen sie unbedingt entleert werden.
Wenn der Garten nicht genügend Platz bietet, kann der Behälter auch vor der Garage in den Boden abtauchen. Es gibt stabile (PKW-)überfahrbare Versionen, auch aus Kunststoff.

Was der zukünftige Regennutzer weiter benötigt, ist überschaubar. Über das Fallrohr gelangt das von der Dachfläche aufgefangene Wasser in den Regenspeicher. Durch einen Filter wird es vorher gereinigt. Dieser ist meist im Fallrohr selbst eingebaut. Manche Hersteller bieten daneben auch Tanks mit integriertem Filter an. Laub- oder Schmutzfänger in den Regenrinnen sind dadurch überflüssig. Sie sind zudem schwer zu reinigen und können den Wasserfluss hemmen. Auch auf Feinfilter kann verzichtet werden. Sie kosten Geld und erhöhen keinesfalls die Qualität des Wassers. Besonders praktisch sind selbstreinigende Filter. Sie nutzen eine kleine Menge des Regenwassers, um Schmutzpartikel und Laub direkt in die Kanalisation  abzuführen.

Wichtig ist ein beruhigter Zulauf. Er verhindert Verwirbelungen und stellt damit sicher, dass sich feinste Schwebstoffe am Boden absetzen können. Diese Sedimentschicht ist entscheidend für die Wasserqualität (siehe Interviewkasten) und sie sollte auch durch die Reinigung nicht zu oft entfernt werden.

Und zu guter Letzt braucht man noch eine Pumpe, die das Wasser mit dem nötigen Druck zu den Entnahmestellen befördert. Seit einigen Jahren gibt es mehrstufige Kreiselpumpen, die speziell für die Regen- wassernutzung entwickelt wurden. Ihre Vorzüge liegen in einer geringen Geräuschentwicklung, minimalem Wartungsaufwand, Langlebigkeit, Korrosionsbe- ständigkeit und niedrigem Stromverbrauch. Pumpe, Druckregler mit Druckschalter, Manometer und Systemsteuerung bilden zusammen die Druckerhöhungsanlage, sozusagen das Herzstück des Systems. Die eigentliche Entnahme erfolgt üblicherweise dann etwa 10 Zentimeter unter der Wasseroberfläche. Hier findet sich das sauberste Wasser, frei von leichten Schwebteilchen wie etwa den Blütenpollen. Der schwere Schmutz sinkt zu Boden. Apropos Schwebeteilchen: Die feine Schwimmschicht, die sie bilden, wird durch einen Siphon bei jedem Überlaufen des Tankes ausgespült. Entweder in einen separaten Sickerschacht oder direkt in das Abwasser. Ist die Anlage an die Kanalisation angeschlossen, dient der Siphon gleichzeitig als Geruchsverschluss. In diesem Falle sollte aber ein zusätzlicher Kleintierschutz vorhanden sein, um böse Überraschungen zu vermeiden.

Da der erhoffte Regen auch mal für längere Zeit ausbleiben kann, ist eine zusätzliche Trinkwassernachspeisung notwendig. Sie gleicht das fehlende Regenwasser aus, vollautomatisch und nur die Menge, die gerade benötigt wird. So wird verhindert, dass die Waschmaschine plötzlich trockenliegt.

Eine moderne, gut geplante Regenwassernutzungsanlage ist nicht nur äußerst effektiv, sondern auch erfreulich wartungs- arm. Die Zisterne braucht nur alle zehn bis fünfzehn Jahre gereinigt zu werden. Den Zulauffilter sollte man vierteljährlich kontrollieren. Alle übrigen Komponenten kommen mit einer jährlichen Inspektion aus.
Grundsätzlich sind der Einbau und der Betrieb solch einer Anlage nicht genehmigungspflichtig. Wer Regenwasser sammeln und nutzen möchte, muss lediglich sein Wasserversorgungsunternehmen und das Gesundheitsamt vorher informieren. Ansonsten sind die Auflagen von Seiten des Gesetzgebers erfreulich gering. Zunächst ist der Nutzer verpflichtet, sicherzustellen, dass von seiner Anlage keine Rückwirkung in das öffentliche Wasserversorgungsnetz möglich ist. Kein Problem! Mit einem Komplettpaket aus dem Fachhandel sollte das sicher- gestellt sein. Der wichtigste Aspekt hierbei: Trink- und Regenwasser sind in zwei getrennten und deutlich gekennzeichneten Leitungsnetzen zu führen. Aus diesem Grund erfolgt die Trinkwassernachspeisung bei Bedarf nur über einen offenen Zulauf und Trichter. Und zwar oberhalb des höchsten Wasserstandes. Damit wird ein Rücksogeffekt verhindert. Das Regenwasser kann daheim nicht ins Trinkwassernetz gelangen! Auch jede Entnahmestelle von Regenwasser muss gekennzeichnet und so gesichert sein, dass Kinder nicht einfach das Wasser entnehmen können.

Als Ausgleich zu diesem Aufwand zahlt man dafür nur ermäßigte Siel- und Abwassergebühren. Viele Kommunen befreien Regenwassersammler von der Versiegelungsgebühr – im Volksmund auch Regensteuer genannt. Das kann noch mal bis zu zwei Euro pro bebautem Quadratmeter und Jahr einsparen.

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