Offen für die Natur

Ein Haus am Hang mit einem unverbauten Blick auf ein Landschaftsschutzgebiet  im Bergischen Land. So viel Natur hatte natürlich auch Einfluss auf die Materialwahl und das Energiekonzept. Beide sind ebenso grün wie die Umgebung. 

„Freiheit soll es ausstrahlen, viel Licht und Transparenz, großzügig und zurückhaltend elegant. Mit viel Freiraum zum Leben und zur individuellen Entfaltung.“ Mit diesen Worten legten das Ehepaar Christine Scholl und Mathias Conrad die Gestaltung ihres neuen Einfamilienhauses in die Hände des Architekten Prof. Ulof Rückert, Leichlingen in der Nähe von Leverkusen. „Einzig das Grundstück fehlte noch,“ sagt Christine Scholl. „Wir haben uns auch in anderen Städten nach einem geeigneten Bauland umgesehen. Düsseldorf, Wuppertal und Neuss – schließlich haben wir uns für Wermelskirchen entschieden, zwischen Köln und Wuppertal im Bergischen Land gelegen. Hier fanden wir ein 876 m2 großes Grundstück in leichter Hanglage mit unverbautem Blick auf ein Landschaftsschutzgebiet. Es entsprach hundertprozentig unserer Vorliebe für ein ländliches Leben in Stadtnähe.“ „Uns war es wichtig, eine Baulücke in einer gewachsenen Struktur zu finden. In einem Neubaugebiet zu wohnen, war für uns eher nicht vorstellbar,“ ergänzt Mathias Conrad.

 

An die Bauherren angepasst
„Die Persönlichkeit der Menschen ist für mich Stil gebend bei der Gestaltung eines Hauses,“ erklärt Architekt Rückert. „Auch dieses Haus aus Kalksandstein mit seinen drei Terrassen wurde nach den persönlichen Lebensstilen und Gestaltungswünschen der Bauherren geplant und gebaut.“ So ist der unverbaubare Blick ins Grüne zum Ausgangspunkt der Planung geworden. Prof. Rückert hat den schlanken Baukörper harmonisch und gradlinig in das Gelände eingefügt, wobei der längliche Grundriss sich dem Zuschnitt des Grundstücks anpasst. Es ist ein Haus von ungeahnter Großzügigkeit. Schlicht in der Form und ausgefallen zugleich.

Die Giebelseite zum Landschaftsschutzgebiet öffnet sich über zwei Geschosse mit großen Glasflächen, die Innen- und Außenbereiche miteinander verschmelzen lassen. Die große Fensterfront vermittelt eine großzügige Weitläufigkeit. Das einfallende Sonnenlicht wird von den weißen Wandflächen reflektiert. Es entsteht eine helle und freundliche Raumatmosphäre. „Hier fühle ich mich so gut und so wohl, als stünde ich mitten in der Natur“, schwärmt die Bauherrin.

Beim Entwurf des Einfamilienhauses musste Prof. Rückert zwei besondere Planungsanforderungen berücksichtigen. Das Ehepaar wollte Arbeiten und Wohnen unter einem Dach vereinen und in das zu bauende Haus integrieren. Beide Bereiche sollten streng voneinander getrennt sein.

Die Hanglage bot eine perfekte Lösung, indem die Geschosse ihrer Nutzung nach gestaffelt worden sind. Im Keller befinden sich die öffentlichen Räume, die Büros. Im Erdgeschoss sind die halböffentlichen Bereiche platziert und im Obergeschoss die privaten Zimmer. Rückert: „Aufgrund der vorhandenen abfallenden Topografie konnten wir ein ungewöhnliches Konzept verwirklichen und einen Teil des Untergeschosses als Büro des Anwalts nutzen. Eine weiß gestrichene Betonwand stellt das Gebäude jetzt völlig frei, löst es quasi vom Hang ab und ermöglicht auf diese Weise den Zugang zum Haus über das Untergeschoss. Eine massive, mit Holz bekleidete Treppe führt in die oberen Geschosse. Seitlich von der Treppe wurde die Decke ausgespart und lässt einen Luftraum von 4,00 m x 2,50 m entstehen, mit Blick ins Erdgeschoss, der neugierig macht auf das Wohnerlebnis, das man dort vorfinden wird.

Im Erdgeschoss des Wohnhauses fühlt man sich schon beim Betreten wohl. Licht, Weite und Ruhe sind spürbar. Bewusst ist das Entree mit dem mittig platzierten Essbereich und dem Zugang zur kleineren der drei Terrassen hell und freundlich gehalten. Über dem Essbereich befindet sich ein etwas mehr als fünf Meter hoher Luftraum, der das großzügige Raumgefühl noch unterstreicht. Der Blick führt direkt in die im Obergeschoss liegende Galerie, die als Lesezimmer genutzt wird. „Gute Orientierung verleiht dem Menschen Sicherheit und Geborgenheit und macht ihn glücklich“, erklärt der Architekt.

Das Esszimmer ist das kommunikative Zentrum und der Kreuzungspunkt des Hauses – der Lieblingsplatz der Familie. Im fließenden Übergang gelang man von hier aus links in die Küche und rechts ins großzügige Wohnzimmer, von dem aus die 20 m2 große Terrasse und der weiträumige Garten zu erreichen ist. Hier hat auch das Zierschaf „Dolly“ seinen Platz. „Wir wollten schon immer ein Haustier haben,“ berichtet das Ehepaar schmunzelnd. „Für uns hat jeder Raum, jeder Platz etwas Besonderes,“ erklärt Bauherr Mathias Conradin. „Unseren Espresso und Aperitif genießen wir in der Küche, den Rotwein im Wohnzimmer vor dem Kamin oder auf der Terrasse mit diesem herrlichen Blick zum Landschaftsschutzgebiet.“

An den Längsseiten des Hauses gibt es einen etwa 3,00 m breiten Rasenstreifen. Die weiß gestrichenen Fassaden geben sich aber eher verschlossen: Kleine, rechteckige Fenster mit hoher Brüstung schirmen die Räume im Obergeschoss ab.

Das Dachgeschoss ist der Ort der Besinnlichkeit und gehört der Privatsphäre. Eine Oase für jeden Tag ist der offen gehaltene, 20 m2 große Bad- / Schlafzimmerbereich. Die Badmöblierung mit einem Waschtisch-Spiegel-Ensemble, Toilette, Dusche und Ankleide betont den eigenständigen Charakter der Inneneinrichtung und erhöht die Exklusivität. Relaxen kann man in der frei im Raum stehenden Badewanne mit freiem Blick auf das Landschaftsschutzgebiet. Christine Scholl: „Während eines Entspannungsbades in den Abendstunden ist bei schönem Wetter die Betrachtung des Sternenhimmels für mich wie eine Meditation.“

Die Kosten im Griff
Trotz der relativ günstigen Baukosten von nur rund 1.150 € / m2 ist das Haus ökonomisch und für die Zukunft gebaut – umweltfreundlich und ökologisch. Mit einem umbauten Raum von 1.037 m3 und einer Wohn-/Nutzfläche von 223 m2 ist der Primärenergiebedarf des Hauses von nur 91,66 kWh/m² sehr gering.

Prof. Rückert: „Die Energieeinsparung ist besonders der kompakten Grundform des Hauses, der modernen Gasbrennwert-Heiztechnik, speziellen Isolierfenstern mit Zweifachverglasung und einer Solarthermieanlage auf dem Dach zu verdanken. Im besonderen Maße bewährt sich die massive Bauweise mit dem Wandbaustoff Kalksandstein wie auch die KS-Funktionswand (von KS-Original). Kalksandstein wurde für alle Innen- und Außenwände verarbeitet.“

Energetisch Optimiert
Mit einem 20 cm dicken Wärmedämmverbundsystem hat Prof. Rückert eine energetisch optimierte Wandkonstruktion gewählt. Die Außenwände erreichen einen U-Wert von 0,15 (W/(m2K). Es gilt: je kleiner der U-Wert, desto höher die Energieeinsparung. Ferner minimiert die Funktionswand Wärmebrücken und macht die Gebäude wind- und luftdicht. Rückert: „Und weil Kalksandstein nur aus den reinen Naturprodukten Kalk, Sand und Wasser besteht, ist er auch aus ökologischer Sicht der ideale Wandbaustoff, den wir bei fast allen unseren Bauvorhaben verwenden.“

 

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