Nachhaltig renovieren

Bestehende Bauten zu renovieren, zu sanieren oder zu modernisieren, erfüllt prinzipiell einen nachhaltigen Aspekt. Doch so komplex wie das Thema Nachhaltigkeit ist, so viel  fältig sind die Lösungen.

Es lohnt sich, bestehende Gebäude nachhaltig zu renovieren. Nachhaltig gestaltete, sinnliche Räume intensivieren sowohl die Frei- als auch die Arbeitszeit. Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Schutz des Menschen und der Umwelt“ definierte 1998: „Nachhaltigkeit ist die Konzeption einer dauerhaft zukunftsfähigen Entwicklung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimension menschlicher Existenz. Diese drei Säulen der Nachhaltigkeit stehen miteinander in Wechselwirkung und bedürfen langfristig einer ausgewogenen Koordination.“ Gerade beim Altbau ist diese Koordination eine Herausforderung – jede Nachhaltigkeits-Dimension muss gestaltet werden. Eine spottbillige, superökologische Sanierung in einer liebevollen Welt jedoch wird es nicht geben – ebenso wenig, wie die berühmte Eier legende Wollmilchsau. Im Endeffekt wird man einen persönlichen Schwerpunkt setzen und sich mit einem Teilgebiet auf der Landkarte der Nachhaltigkeit vertraut machen.

Stellschraube Gesundheit

Schon im Jahr 1999 wurde für Finnland errechnet, dass die Kosten für Schäden wie Allergien, Krebs und abnehmende Produktivität, bedingt durch ein schlechtes Raumklima (inklusive Feuchtigkeitsschäden), dem Aufwand für die dortige Gebäudeheizung entsprechen – rund drei Milliarden Euro pro Jahr! Umweltmediziner können schon vor Ausbruch einer Krankheit eine eventuelle Störung des Organismus erkennen. Beschwerden wie Schlafprobleme, Migräne oder häufige Infektionen, aber auch Nervosität, Depressionen oder Ohrgeräusche können auf eine Belastung des Wohnumfeldes hinweisen. Die Symptome sind ebenso vielfältig wie die Ursachen: Schimmel, physikalische Felder und Strahlung oder schwer- und leichtflüchtige Luftschadstoffe (VOCs), wie etwa Formaldehyd

Vor allem Baustoffe aus dem letzten Jahrhundert können gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten. Mitunter werden sie erst durch einen Umbau frei. Darum sollte im Vorfeld der Sanierung ein Fachmann wie ein weitergebildeter Architekt oder ein Baubiologe abklären, ob im konkreten Fall Gefahr besteht. Auch neu eingebaute Baustoffe beeinflussen das Raumklima. Heutzutage ist es wegen der energiesparenden, luftdichten Bauweise mit kontrolliert geringen Luftwechselraten besonders wichtig, dass keine Schadstoffe aus ihren Oberflächen ausgasen. Sie können sich sonst zu gesundheitsschädlichen Konzentrationen anreichern. Um gesundheitliche Probleme und Sanierungskosten von vornherein zu vermeiden, sollten umweltgerechte und gesundheitsverträgliche Baumaterialien verwendet werden, wie zum Beispiel Naturstoffe. Grund- sätzlich sollten alle Inhaltsstoffe der Materialien offengelegt sein (Volldeklaration). Wer solche Materialien verwendet, sorgt vor. Sie sind nachhaltig, gesund, technisch hochwertig und optisch attraktiv. Der Naturstoff Lehm zum Beispiel kann als weicher Putz die Raumakustik einer festen Steinwand verbessern. Er kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben. Eine ausgeglichene relative Luftfeuchtigkeit ist behaglich und gesund. Außerdem mindert er die Gefahr der Schimmelbildung durch Kondenswasser an Wärmebrücken. Seine erdigen Farben haben eine beruhigende Ausstrahlung und sind gerade im Trend.

Vorsicht, Gesundheitsgefahr durch Altstoffe! Einige Baustoffe der Vergangenheit sind gesundheitsbelastend. Sicheres Indiz für schädliche Stoffe sind Augen- und Schleimhautreizungen sowie Atembeschwerden beim Umbau. Falls es zu solchen Problemen kommt, unbedingt einen Fachmann hinzuziehen – am besten schon vorher. Fachkompetenz besitzen ökologisch arbeitende Architekten, Baubiologen und Umweltanalytiker. Sie organisieren auch die Entsorgung der kontaminierten Baumaterialien oder schalten bei Schädlingen einen Bautenschützer ein. Karzinogene, also Krebs erregende Mineralfasern, wurden noch bis Mitte der 90er-Jahre als Dämmstoffe verwendet – was kein Problem ist, solange sie wirklich luftdicht eingebaut waren. Werden sie aber entfernt und fliegen dabei Fasern umher, so sind Vorsichtmaßnahmen wie Atemschutz einzuhalten. Ebenso bei Eternitplatten, die bis Ende der 70er-Jahre mit ebenfalls karzinogenem Asbest produziert wurden. Wenn sie beim Ausbauen zerbrechen, wird schädlicher Asbeststaub frei.

Auch in den meisten alten Nachtspeicheröfen befindet sich dieser Stoff, der erst 1976 verboten wurde. Wer unter alten Tapeten Pressspanplatten begegnet, die zwischen den 60er- und 70er-Jahren eingebaut wurden, der sollte nicht nur die Nase rümpfen über ihren Geruch, sondern sie ausbauen. Denn sie sind mit Formaldehyd belastetet, das heute nicht mehr so hoch konzentriert eingesetzt werden darf. Wer das eigene Dach mit in den Wohnraum einbezieht, der sollte sicher sein, dass dort keine verbo-tenen Holzschutzmittel dicke Luft machen. Abhobeln der Oberflächen oder luftdichtes Abschließen vom Wohnraum sind dann die Mindestmaßnahmen. Die ältesten Bausünden sind Schwermetalle, die in Schlacken im Zwischenboden enthalten sein können.

Autor: Achim Pilz

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