So sorgen Sie für die richtige Beschattung

Wer sich lichtdurchflutete Räume wünscht, hat im Sommer ein heißes Problem: Die Sonnenstrahlung sorgt für Hitzestaus und macht das Leben im Haus unmöglich. Wir zeigen Ihnen Verschattungsmöglichkeiten, mit denen Sie die sonnige Jahreszeit gut geschützt genießen können.

Wo Schatten ist, da ist auch Licht. Dieser Kontrast spielt beim Hausbau eine zentrale Rolle. Einerseits ist es wichtig, Sonnenstrahlen ins Haus zu lassen, weil dies das Wohlbefinden verbessert. Es fördert die Produktion des Glückshormons Serotonin. Und sie schaffen gleichzeitig eine warme Atmosphäre. Vor allem in den kühleren Monaten ist dieser zusätzliche Wärmegewinn unersetzlich. Andererseits verwandelt sich ein Haus im Sommer schnell in eine Sauna. Große Fensterfronten und eine offene Architektur bieten einen perfekten Lichteinfall, aber führen zu Hitze-staus. Deshalb sollten Bauherren an Schattenspender denken. Das machten auch drei Familien. Sie erzählten uns, welche Verschattungsmöglichkeiten Sie nutzen und wieso sich jede Bauherrenfamilie bereits vor dem ersten Spatenstich Gedanken über eine schattige Lage machen sollte.

Haus ausrichten
Vor vier Jahren zog Familie Biedermaier zurück in Anton Biedermaiers altes Heimatdorf im Allgäu. Er wollte nach 20 Jahren raus aus München und dem hektischen Leben in der Stadt entfliehen. „Dort gibt es zwar viele Parks, aber ich vermisste die Natur und den Ausblick auf Berge und Wiesen. Das klingt vielleicht etwas romantisch, aber ich bin halt total heimatverbunden“, erzählt Anton Biedermaier. In einem Dorf, 20 Kilometer von seinem Geburtsort entfernt, fand er, wonach er sich sehnte: einen Ort mit Alpenpanorama. „Wir suchten lange nach dem passenden Grundstück, viele Angebote passten einfach nicht. Ich wollte nicht direkt im Grünen wohnen, aber auch nicht mitten im Nirgendwo“, sagt Anton und fügt hinzu: „ Meine Großeltern lebten in einem urigen Bauernhaus mit Blick auf die Berge, an so einem Ort will ich leben, dachte ich mir.“ Trotzdem wurde es nach langer Suche kein Haus an einem Südhang. Diese heißen Sommernächte waren für ihn ein Ausschlusskriterium. Sich vor dem Hausbau Gedanken über die Verschattung zu machen ist das A und O. Das beherzigte Familie Biedermaier von Anfang an. Sie besprachen mit ihrem Architekten, welche Lage in den sonnigen Monaten den besten Schutz bietet und planten danach ihr Eigenheim.

Wie ein Haus ausgerichtet wird, entscheidet über ein heißes oder kühles Wohnklima in den Sommermonaten. Bei Häusern mit Hanglage bekommen Gebäude auf einem Südhang viel Sonne und auch viel Hitze ab. Häuser auf einem Nordhang stehen dagegen im Schatten. Wer beides will, entscheidet sich besser für ein Grundstück auf einem Ost- oder Westhang. Familie Biedermaier entschied sich gegen ein Haus am Hang und für ein Grundstück mit einer nord-östlicheren Ausrichtung. „Uns war es wichtig, an Sonntagen die Morgensonne auf unserem Balkon zu genießen und beim Schlafen nicht zu schwitzen“, erzählt uns Martina Biedermaier als wir mit ihr durch den Garten gehen.

Verschattung individuell planen
Egal wie Baufamilien ihr Haus ausrichten, sie sollten immer ihre individuellen Wünsche und die Jahreszeiten mit berücksichtigen. Im Winter und in der Übergangszeit sollte genügend Sonnenlicht einfallen, um die Räume zusätzlich zu erwärmen. Das spart Heizenergie und verbessert gleichzeitig die Stimmung. Im Sommer ist es wichtig, besonders Schlafräume und alle anderen Orte im Haus, in denen man sich öfter aufhält, vor der Sonne zu schützen. Eine südliche Ausrichtung ist hier keine gute Idee. Wer aber gerne den ganzen Tag über auf seiner Terrasse verbringen will, liegt mit einer südlichen Ausrichtung richtig. West- und Ostlagen haben ebenfalls Vor- und Nachteile. Wer am Abend noch die lauen Sonnenstrahlen genießen möchte, setzt beim Bau von Terrasse oder Balkon auf eine westliche Ausrichtung. Die große Hitze ist dann vorbei, aber am Tag müssen Sie dort auf sonnige Stunden verzichten. Im Osten geht die Sonne auf – alle Menschen die gerne draußen frühstücken, genießen die ersten warmen Sonnenstrahlen am besten auf ihrem Ost-Balkon. Leider ist die Sonne am Abend wieder weg. Mit einer nördlichen Ausrichtung steht das Haus den ganzen Tag über im Schatten. Es bietet sich an, Schlafräume in diese Richtung zu planen. Experten empfehlen, besonders die Süd- und Westseite eines Hauses vor Sonneneinstrahlung zu schützen. Der leicht nach Süden angebaute Balkon von Anton und Martina beschattet die darunter liegenden Fenster, wodurch weniger Sonnenlicht einfällt. Vor zu viel UV-Strahlung von oben schützt ein Sonnensegel die Familie.

Sonnensegel hissen
Sonnensegel bieten sich als Sonnenschutz von außen an. Bevor Sie eine Sonnensegelanlage anbauen, sollten Sie sich an das Baurecht halten. Informieren Sie sich vorher, was rechtlich möglich ist und installieren Sie erst dann Ihr Sonnensegel. Das gilt übrigens für alle festverbauten, äußeren Verschattungsmöglichkeiten. Welches Sonnensegel Sie sich kaufen, hängt von Ihren persönlichen Vorlieben ab. Familie Biedermaier schützt sich mit der aufrollbaren Variante. Sie ist flexibler und komfortabler als feste Segel. Gegenüber festen Sonnensegeln haben sie aber einen Nachteil: Man kann die automatischen Modelle nicht selbst befestigen. Das muss eine Fachfirma für Sonnenschutz übernehmen. Dabei gibt es zwei Befestigungsmöglichkeiten. Einmal die hausseitige Montage und die Befestigung an frei stehenden Edelstahlrohren. Bei der ersten Option bietet es sich an, die Segel an stabilen Balken oder der Wand zu befestigen. Edelstahlrohre eignen sich für die Selbstmontage im Garten. Mit Standfüßen oder Bodenhülsen gewährleisten Sie, dass Ihr Sonnensegel fest im Boden verankert ist.

Auf der Suche nach einem passenden Segel spielt das Material ebenfalls eine wichtige Rolle. Luft- und wasserdurchlässige Segeltücher bieten sehr guten Hitze- und Sonnenschutz. Wer sich zusätzlich vor Regen wappnen will, setzt auf ein wasserundurchlässiges Segeltuch. Grundsätzlich sollten Verbraucher auf Qualität setzen. Siegel und Merkblätter helfen bei der Wahl, aber auch die DIN-Norm 801. Sie gewährleistet einen effektiven Schutz gegen eine zu hohe Sonnenbelastung. Außerdem sollten die Segeltücher aus schmutzabweisendem, fäulnishemmendem, farbechtem und verrottungsfestem Material bestehen. Familie Biedermaier überließ die Planung und Installation einem Fachbetrieb. Unter dem beigefarbenen Segeltuch genießt die vierköpfige Familie oft ihr Sonntagsfrühstück auf dem Balkon – mit Blick auf die Berge.

Unter Bäumen
Auch Bäume oder Hecken bieten ausreichend Sonnenschutz. Davon profitiert Familie Schuster mit ihrem waldähnlichen Grundstück. Das junge Paar suchte nach einem ruhig gelegenen Haus am Stadtrand von Hamburg. „Wir lieben beide Waldspaziergänge und bei unserer letzten Wanderung im Schwarzwald haben wir uns in diese schattige Atmosphäre verliebt“, erzählt uns Marek Schuster. Ein Stück vom grünen Dickicht musste deshalb unbedingt auf ihrem Grundstück einen Platz finden. „Bei unserer Suche stießen wir auf ein Architektenhaus aus den 80er-Jahren, das mit seinen Schrägen und dem kubistischen Haupthaus schon zu dieser Zeit modern war. „Eigentlich wollten wir selbst bauen, aber wir verliebten uns sofort in das Haus“, sagt Anna Schuster. Auf Fotos von der Renovierungsphase sieht man noch viele Tannen, Eichen und Birken. Die meisten Bäume waren schon morsch und mussten weg. Eigentlich wollte das Paar dort einen Schattengarten errichten, mit vielen Fichten, aber das ging nicht. Denn im deutschen Baurecht kann die Kommune bestimmen, welche Bäume ein Bauheer auf seinem Grundstück pflanzen muss. Im Fall von Familie Schuster mussten wieder Eichen gepflanzt werden. Das ist eine gute Lösung. Das dichte Blattwerk von Laubbäumen bietet im Sommer genügend Schutz vor der Sonne und fällt im Herbst von den Bäumen. So können die Sonnenstrahlen die Räume miterwärmen. Nadelbäume eignen sich deshalb weniger, weil sie ganzjährig Schatten spenden und so weniger Sonnenwärme in das Haus lassen.

Bevor sich Familie Schuster an ihren persönlichen Gartentraum wagte, haben sie mit ihrem Nachbarn alle Arbeiten abgesprochen, denn das Grundstück eines anderen Bauherren darf nicht ohne Erlaubnis von Bäumen & Co. verdunkelt werden. Zum Nachbargrundstück schützt eine große Hecke mit Birken davor die West- und einen Teil der Südseite des Hauses vor Sonnenlicht. Auf der Ostseite rankt sich Feuerdorn an der Holzpergola empor, das beschattet im Sommer die östliche Hauswand. Derzeit wird der Traum eines Schattengartens an der hinteren Seite ihrer Hecke doch noch wahr. „Endlich haben die Behörden zugestimmt und ich bekomme meine kleine Leseecke unter einem Blätterdach“, erzählt uns Anna Schuster, als wir zusammen zur Baustelle gehen. Die ersten Eichen stehen bereits an der Rückseite. In der nächsten Woche pflanzt der Landschaftsgärtner winterfeste Sträucher. Der Traum vom kleinen Schattenparadies nimmt immer mehr Gestalt an.

Fenster mit UV-Schutz
Vor dem Hausbau an Schattenspender zu denken, bietet schon mal einen Basis-UV-Schutz. Der Gedanke, bereits früher an Sonnenschutz von außen und innen zu denken, kam bei Conrad und Marlene Fiedler in den letzten Jahren öfter auf. „Unser Schlafzimmer heizte sich im Sommer immer so schnell auf und an einen erholsamen Schlaf war nicht zu denken“, sagt Marlene Fiedler. Feuchte Bettlaken am Fenster waren für das Paar keine Dauerlösung. Irgendwann stand für die Senioren fest, wir müssen etwas tun. Schon seit längerer Zeit ärgerten sie sich über kleine und größere Mängel an ihrem Haus. Selbst spezielle UV-Schutzfolien überzeugten nicht, weil sie für dunkle Ecken im Schlafzimmer sorgten. Es war Zeit für neue Fenster. „Vor allem hatten die alten aus den 70er-Jahren wirklich ausgedient. Wir wollten moderne Fenster, die uns vor Einbrechern und Sonnenlicht schützen“, erzählt Conrad Fiedler. Bevor das Projekt neue Fenster starten konnte, ließen sich beide von einer Fachfirma beraten.

Moderne Sonnenschutzverglasungen sehen nicht mehr wie abgedunkelte Autoscheiben aus, sondern wie ganz normales Glas. Sie setzen auf die physikalischen Prinzipien der Lichtbrechung. Bedenken Sie aber, je größer der Sonnenschutz ist, desto weniger Wärme kommt ins Innere. Die Folge: Im Winter müssen Baufamilien mehr heizen, weil die natürliche Sonnenwärme fehlt. Deshalb sollten Sie die Fenster entsprechend der Ausrichtung Ihres Hauses und der Raumnutzung auswählen. Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl an Fenstern. Familie Fiedler entschied sich für zweifach verglaste Fenster im Schlafzimmer, die sie mit langlebigen Aluminiumrollladen von Schanz Roll-ladensysteme abdunkeln. „Uns gefiel beim Beratungsgespräch besonders der Service. Wir mussten einfach nur sagen, was wir haben wollen und die Fachleute installierten in wenigen Tagen die Rollos“, erinnert sich Conrad Fiedler. Bei der Fenstersanierung zeigt sich: Für mehr Sonnenschutz setzt das Ehepaar nicht nur auf klassische Schattensysteme, sondern nutzt intelligente Konzepte. So sind zum Beispiel die Rollladen mit dem Funkantriebssystem Slateo io und Sonnensensoren von Somfy ausgestattet. Sie reagieren auf das Sonnenlicht, genauso wie das Fensterglas. An der Westseite ließen sie im letzten Jahr smarte Fenster einbauen. Die intelligenten Gläser bestehen aus elektrochromem Glas. Bei starker Hitze erzeugt sich eine Spannung und dunkelt die Scheiben ab. Strom ist bei dieser Variante nicht nötig. Durch diese neuartige Technik reguliert sich die Temperatur immer ganz allein. „Unser Sohn brachte uns auf die Idee und ich muss sagen, die etwas teureren Gläser haben sich gelohnt“, sagt Conrad Fiedler.

Hitzestau vermeiden
Mehr Geld in Verschattungssysteme zu investieren lohnt sich langfristig. Das beweist auch der vor zwei Jahren angebaute Wintergarten der Familie. „Ich erinnere mich noch an den Plastikvorbau einer Freundin. Wir konnten dort am Nachmittag nicht mehr sitzen, es war unerträglich“, sagt Marlene. Ihr Wintergarten ist das genaue Gegenteil. Obwohl er komplett aus Glas besteht, heizt sich die Terrasse darunter nicht mehr auf. Das verhindert das Schiebe-Drehsystem aus Glas von Sunflex. Ganz einfach lassen sich die Wände und das Dach öffnen. Hitzestaus entstehen so gar nicht erst. „Zum Glück haben wir unser Haus schon vor zwei Jahren sozusagen von innen und außen beschattet. Der nächste heiße Sommer bringt uns nicht mehr um einen ruhigen Schlaf“, sagt Marlene und schmunzelt.

Bilder: Warem Renkhoff SE, Schanz Rollladensysteme, Sunflex Aluminiumsysteme

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