Im richtigen Licht

 

Eine smarte Beleuchtung schafft in jeder Situation die passende Atmosphäre. Dafür ist manchmal nicht mal ein Fingertipp auf einen Schalter oder ein Smartphone nötig. So kommen auch Sie in diesen Genuss.

Lange war die Beleuchtung vor allem dazu da, genügend Helligkeit in einem Raum zu schaffen. Heute soll das Licht auch das Wohlbefinden steigern. Eine smarte Beleuchtung kann dabei entscheidend helfen.

Ein Weg, das Wohlbefinden zu steigern: Wenn die Beleuchtung dem natürlichen Licht der Sonne nachempfunden ist. „Maßstab für das Wohlbefinden ist das natürliche Licht. Es ist sehr lebendig und verändert sich ständig im Laufe des Tages und des Jahres – sonnig oder dämmrig, warm oder kalt, diffus oder mit harten Schatten. Diese Lichtverhältnisse beeinflussen die Hormonproduktion des Menschen und takten die innere Uhr“, erklärt Dr. Jürgen Waldorf, Geschäftsführer der Brancheninitiative licht.de.

Die Beleuchtung kann darum beim Aufwachen am Morgen helfen, die Konzentration tagsüber steigern und nachts den Schlaf verbessern. Um morgens wach zu werden, hilft etwa aktivierendes Licht mit einem hohen Blauanteil. Zum Entspannen am Abend trägt warmes Licht mit hohem Rotanteil bei, so wie man es in der Natur vom Sonnenuntergang kennt.

Immer das passende Licht

„Das Ziel einer intelligenten Lichtsteuerung ist es, zu jeder Zeit an jedem Ort das richtige Licht zu schaffen“, fasst es Jens Stoll, Leiter Produktmanagement bei JUNG, zusammen. Das erledigt eine intelligente Lichtsteuerung selbstständig oder Sie rufen über Lichtschalter die verschiedenen Lichtstimmungen auf.

Die Lichtstimmungen sorgen in den verschiedenen Lebenssituationen für die passende Beleuchtung. Im Wohn- und Essbereich kann das zum Beispiel eine Lichtstimmung für den Fernsehabend sein, die die Helligkeit auf ein Minimum reduziert, um den Fokus auf den Fernseher zu lenken. Eine andere Lichtstimmung kann zum Abendessen den Esstisch erhellen und das Licht im Rest des Raumes dimmen. Und eine andere Lichtstimmung erzeugt kaltweißes Licht mit voller Helligkeit für optimale Arbeitsbedingungen. Beliebt ist auch eine Alles-aus-Szene, womit Sie über einen Schalter neben der Haustür das Licht im gesamten Haus ausschalten können. Oder ein Panik-Schalter neben dem Bett, der das Licht im gesamten Haus einschaltet.

Diese Lichtstimmungen können sie jederzeit verändern. Das ist nur möglich, weil eine intelligente Beleuchtung grundsätzlich anders aufgebaut ist als eine konventionelle Elektroverkabelung. Bei einer konventionellen Elektroverkabelung ist es häufig so, dass ein Lichtschalter den Stromkreis zu einer oder mehreren Lampen schließt oder trennt, damit das Licht an- oder ausgeht. Die Lichtfarbe zu regeln, ist damit nicht möglich. Und Sie können auch nicht einfach verändern, welche Lampen ein Lichtschalter steuert – es sei denn, Sie verlegen neue Kabel.

Bei einer intelligenten Beleuchtung werden im Gegensatz zu einer konventionellen Lichtsteuerung der Strom und die Steuerbefehle getrennt voneinander übertragen. Es geht weiter ein Stromkabel zu allen Lampen, doch die Steuerbefehle werden über eine Extra-Leitung oder per Funk transportiert. Der Steuerbefehl kann zum Beispiel in An/Aus, in einem bestimmten Helligkeitswert oder in einer Farbe bestehen.

Lichtsteuerung zum einfachen Nachrüsten

Bei einem Neubau entscheiden sich viele dafür, die Steuerbefehle per Kabel zu übertragen, da sie den zuverlässigsten Signaltransport erlauben. Für den Nachrüstbereich bieten sich vor allem Funklösungen an, da so keine Wände aufgeschlagen werden müssen, um neue Leitungen zu verlegen.

Funklösungen können Sie zum Teil selbst installieren. Es gibt Schaltsteckdosen, die Sie in der Steckdose platzieren und die angeschlossene Leuchten ein- und ausschalten. Modelle mit integriertem Dimmer sind zusätzlich in der Lage, die Helligkeit der Lampen zu verändern. Vernetzte LED-Lampen können Sie ebenfalls selbst montieren, indem Sie diese wie eine gewöhnliche Lampe in die Fassung schrauben.

Geht es jedoch darum, vorhandene Schalter und Steckdosen aufzurüsten, kommen Sie kaum umhin, einen Experten zu engagieren. Denn Arbeiten am 230-Volt-Netz darf nur ein Fachmann vornehmen. Der Experte installiert von außen unsichtbare Module im Schalter, in der Steckdose, in der Verteilerdose oder im Schaltschrank, die die Steuerbefehle empfangen und ausführen. Diese Module gibt es als Funk- und Kabelversion.

Mehr Komfort und Sicherheit durch Bewegungsmelder

Die vernetzen Lampen und Schalter lassen sich häufig um einen Bewegungsmelder ergänzen, damit sich das Licht automatisch einschaltet, wenn jemand einen Raum betritt. Wenn der Bewegungsmelder einen zusätzlichen Helligkeitssensor besitzt, lässt sich festlegen, dass das Licht nur angeht, wenn es dunkel ist. Und damit das Licht nach einer bestimmten Zeit wieder erlischt, kann meist eine Einschaltdauer festgelegt werden.

Eine Sonderform von Helligkeitssensoren sind Präsenzmelder. Sie werden oft an der Decke montiert und erkennen selbst kleinste Bewegungen. Sie sollen zum Beispiel das Tippen auf einer Tastatur registrieren oder die kleinen Bewegungen, wenn man ein Buch liest.

Durch solche Möglichkeiten sorgt ein intelligentes Beleuchtungssystem nicht nur für mehr Komfort, sondern es senkt auch den Stromverbrauch und trägt zu mehr Sicherheit bei. Bewegungsmelder können beispielsweise das Unfallrisiko reduzieren, indem sie nachts das Licht automatisch einschalten, damit man nicht im Dunkeln nach dem Lichtschalter suchen muss. Es lassen sich Einbrüche verhindern, indem die Beleuchtung Anwesenheit vortäuscht, indem sie sich so ein- und ausschaltet, als ob jemand zu Hause wäre.

Diese Funktionen können Sie bei einer intelligenten Lichtsteuerung häufig auf dem Computer, dem Tablet oder Smartphone aktivieren. Hier können Sie auch Einstellungen jederzeit anpassen, zum Beispiel welche Schalter welche Lichter schalten. Außerdem sind Sie per Smartphone in der Lage, überall zu überprüfen, ob alle Lichter ausgeschaltet sind und Sie dies gegebenenfalls nachholen müssen.

 

Das ideale Beleuchtungssystem finden

Wenn es darum geht, das geeignete Beleuchtungssystem zu finden, ist es zunächst wichtig zu klären, welche Funktionen Sie überhaupt in welchem Raum wünschen. Soll sich das Licht nur an- und ausschalten lassen? Oder wollen Sie die Lampen vielleicht auch dimmen, den Weißton verändern oder sogar die Farbe regeln?

Klären sollten Sie ebenfalls, wie Sie die Beleuchtung bedienen möchten: über Schalter, über Touch-Displays an der Wand, per Smartphone, Tablet oder vielleicht auch über ein Sprachlautsprecher wie Amazon Echo oder Google Home. Welche Sensoren möchten Sie verwenden – Bewegungsmelder oder Präsenzmelder? Eine entscheidende Frage ist auch, ob und welche Automationsmöglichkeiten die Beleuchtungssteuerung mitbringen soll. Soll sich die Lichtstimmung im Tagesverlauf verändern, sich die Beleuchtung zu einem bestimmten Zeitpunkt einschalten oder das Licht Anwesenheit simulieren? Überlegen sollten Sie sich zusätzlich, ob Sie jetzt oder in Zukunft andere Bereiche im Haus intelligent steuern und mit der Lichtsteuerung verbinden möchten.

Wenn Sie alle diese Fragen beantwortet haben, können Sie sich auf die Suche nach dem geeigneten System machen – allein oder mit der Hilfe eines Experten. Bei der Suche hilft Ihnen die folgende Übersicht, auf der wir die verschiedenen Arten von smarten Lichtlösungen vorstellen.

Smarte Lichtlösungen

Ein breites Angebot an intelligenten Lichtsteuerungen erfüllt die verschiedensten Wünsche. Die Lösungen lassen sich dabei in vier Kategorien unterteilen:

 

1 Bluetooth-Lampen und -Taster

Einen günstigen und einfachen Einstieg in die intelligente Beleuchtung bieten Lampen und Taster, die sich per Bluetooth-Funk direkt mit dem Smartphone verbinden. Über das Smartphone haben Sie so die Möglichkeit, die Lampen und Lichtschalter zu steuern und einzurichten. So können Sie beispielsweise bestimmen, zu welchem Zeitpunkt sich die Lampen automatisch ein- und ausschalten sollen. Ein Beispiel für Bluetooth-Lampen sind die Farb-LED-Lampen und -Leuchten von Elgato Avea (Preis ab ca. 36 Euro). Von Merten gibt es für Lichtschalter sogenannte Wiser-Module (ab ca. 41 Euro), die per Bluetooth ebenfalls zum Smartphone funken. Eine zusätzliche Zentrale ist bei diesen Systemen nicht nötig. Dafür sind die Möglichkeiten eingeschränkt. So ist es in der Regel nicht möglich, die Komponenten von unterwegs zu steuern und sie mit universalen Smart-Home-Systemen zu verbinden.

Typische Vertreter: Elgato Avea, Merten Wiser, AwoX

 

2 WLAN-Lampen

WLAN-Lampen lassen sich ähnlich einfach wie Bluetooth-Lampen per Smartphone steuern und einrichten. WLAN-Lampen besitzen jedoch den Vorteil, dass sie sich mit dem Internet-Router verbinden und so häufig auch von unterwegs steuerbar sind. Sie lassen sich zum Teil ebenfalls in Smart-Home-Systeme integrieren. Ein Nachteil ist jedoch, dass der Stromverbrauch von WLAN-Sendern relativ hoch ist. Bei Lampen, die ständig am Strom hängen, ist das kein größeres Problem – jedoch bei Produkten mit Batterien, da die Batterien aufgrund des relativ hohen Stromverbrauchs nur kurze Zeit durchhalten würden. Deshalb gibt es so gut wie keine batteriebetriebenen WLAN-Bewegungsmelder und –Schalter. Um WLAN-Lampen mit Bewegungsmeldern oder Schaltern zu kombinieren, ist deshalb in der Regel eine extra Zentrale nötig, die über einen anderen, energiesparenderen Funkstandard zu den Komponenten funkt.

Typische Vertreter: LIFX, WiZ, TP-Link, Xiaomi Yeelight

 

3 Lichtsteuerungssysteme

Lichtsysteme mit Zentrale lassen sich unkompliziert um Taster und Bewegungsmelder ergänzen. Bekannte Vertreter dieser Kategorie sind Philips Hue und Osram Lightify. Für beide Systeme gibt es farbige, weiße und im Weißton veränderbare Lampen und Leuchten. Da die Kommunikation per Funk erfolgt, lassen sie sich ohne großen Aufwand nachrüsten. Philips und Osram nutzen den offenen Funkstandard ZigBee. Dadurch können die Lampen nicht nur über den die eigenen Funk-Taster gesteuert werden, sondern ebenfalls über Taster von Herstellern wie Gira, Jung oder Busch-Jaeger. Philips Hue und Osram Lightify funktionieren auch ohne Zentrale, dann entgeht einem jedoch die Möglichkeit, sie per Smartphone zu steuern und einzurichten. Außerdem kann die Zentrale die Vor-aussetzung dafür sein, die Lampen in ein Smart-Home-System einzubinden. Die Integrationsmöglichkeiten sind bei Philips Hue besonders groß. Hue lässt sich beispielsweise in Smart-Home-Systeme wie Telekom Magenta SmartHome, innogy SmartHome und Bosch Smart Home einbinden.

Typische Vertreter: Philips Hue, Osram Lightify, Ikea Tradfri

 

4 Smart-Home-Systeme

Oft bieten Hersteller von Smart-Home-Systemen selbst Komponenten zur Lichtsteuerung an. Das sind zum Beispiel Schaltsteckdosen, Unterputz-Module für Lichtschalter, Bewegungsmelder, Taster und Fernbedienungen. Die Preise für diese Komponenten liegen häufig bei 40 bis 100 Euro. Die Funktionen sind jedoch oft eingeschränkt. Zum Beispiel gibt es teilweise keine Komponenten zum Steuern von farbigen Lampen. Es lassen sich jedoch meist spezialisierte Lichtsysteme wie Philips Hue integrieren, die mehr Möglichkeiten mitbringen. Smart-Home-Systeme gibt es sowohl als Funk-Version für den Nachtrüstbereich als auch kabelgebunden für Neubauten.

Typische Vertreter – Funk: Telekom Magenta SmartHome, innogy SmartHome, Busch-free@home, eNet, Rademacher HomePilot, eQ-3 Homematic (IP)

Typische Vertreter – Kabel: Busch-free@home, Gira HomeServer/X1, JUNG Smart Visu Server/Visu Pro Server, Hager domovea

Das könnte Ihnen auch gefallen...