Grüner verputzen

Wer auf ökologische Putze setzt, verschönert nicht nur sein Haus, sondern schafft sich ein wohngesundes Raumklima. Greenhome zeigt Ihnen, wie sie mit dem passenden, naturverbundenen Putz nachhaltiger leben und worauf Sie beim Kauf achten sollten.

Putze haben viele Aufgaben: Sie glätten die Wände, bessern Risse aus und bereiten sie so für den Anstrich vor. Was viele Menschen nicht wissen, Putze beeinflussen die Wohngesundheit nachhaltig. Je größer die verputzte Fläche ist, desto höher fällt die Belastung aus, wenn Sie Putze mit beispielsweise plastikhaltigen Bindemitteln oder anderen giftigen Inhaltsstoffen verwenden. Wenn Sie die Wandbeläge auch noch auf belastete Untergründe auftragen, gerät Ihr Raumklima sozusagen aus dem Gleichgewicht. Gerade in Mauerwerken von Altbauten können belastende Stoffe stecken, die in die Luft entweichen. Deshalb ist es vor dem Verputzen wichtig, die Wände auf Altlasten von einem Baubiologen untersuchen zu lassen. Erst dann sollten Sie ökologische Mineralputze ohne belastende Zusatzstoffe auftragen. Denn wer bei einer Modernisierung, Sanierung oder einem Neubau gleich an gesunde Wandputze denkt, tut der Umwelt und sich selbst langfristig etwas Gutes.

Vorteile für die Wohngesundheit
Ökologische Mineralputze sind nicht nur schadstofffrei und umweltfreundlicher, sondern sie besitzen viele positive, baubiologische Eigenschaften. Dazu zählt zum Beispiel ihre Fähigkeit, Feuchtigkeit zu regulieren. Das macht sie für jedes Hausprojekt zur nachhaltigeren Wahl. Umweltfreundliche Mineralputze lassen sich je nach Material als Innen-, Außen-, Unter- oder Oberputz einsetzen. Damit Sie von den Vorteilen profitieren, sollten die Flächen offenbleiben. Wer sich ein wenig Farbe oder eine strukturierte Oberfläche wünscht, kann mit speziellen Lehmfarben oder Bürsten tolle Effekte erzielen. Die Produkte gibt es bereits fertig zusammengemischt oder man kann sie selbst vermengen. Wenn Sie sich beispielsweise einen Sack mit Pulver kaufen, sollten sie genau die Mischverhältnisse beachten. Experten empfehlen Hobbyhandwerkern fertige Produkte. Auch beim Auftragen von nachhaltigen Wandputzen ist Know-how gefragt. Als Hobby-Heimwerker können Sie selbst Ihre Wände verputzen. Aber bei einigen fehlt das Fachwissen und schnell passieren Fehler. Lassen Sie die Arbeiten lieber von einem Experten ausführen, so haben Sie lange etwas von Ihrem natürlichen Putz und seinen gesunden Eigenschaften. Diese naturverbundenen Putzarten eignen sich besonders gut zum Verputzen.

Lehm
Beim Thema wohngesunde Putze gehört Lehm zu den effektivsten Vertretern. Er ist frei von chemischen Zusätzen und enthält nur natürliche Stoffe wie Zellulose, damit er nicht reißt. Und Ton gibt ihm seine Festigkeit. Deswegen bindet er die Feuchtigkeit sehr gut und reguliert die Feuchtigkeit in Räumen. Die Höhe der Aufnahmefähigkeit hängt maßgeblich vom Tonanteil ab: Je mehr Ton beigemischt wird, desto besser funktioniert die Sorption von feuchter Luft. Des Weiteren sorgt dieser Regulationsprozess auch dafür, dass die Ozonwerte nicht ansteigen. Bakterien und Milben haben so keine Chance sich einzunisten. Nebenbei nimmt er unangenehme Gerüche und Zigarettenrauch auf, wirkt brand- sowie schallhemmend und speichert Wärme. Seine Wärmeleitfähigkeit liegt bei etwa 0,60 bis 0,80 W/mK. Das macht ihn zu einer guten Alternative für Innenräume – dennoch hat Lehm einige Nachteile.

Lehmputze werden in dickeren Schichten aufgetragen, dadurch verlängert sich die Trockenzeit. Das muss man bei der Wahl bedenken. Er bleibt auch im trockenen Zustand ziemlich weich und man muss bei Bohrungen vorsichtig sein, weil sich sonst Lehmstücke herauslösen. Lehm darf nicht mit Wasser in Berührung kommen, weil er nicht wasserfest ist. Deswegen sollte er im Bad nicht am Waschbecken oder im Wannenbereich aufgetragen werden.

Ton
Ton ist seit Jahrhunderten für seine gesundheitsfördernden Eigenschaften bekannt. Mittlerweile setzt auch die Baubranche auf das Schichtmineral. Tonputze werden aus verschiedenen Tonen zusammengemischt. Silikone wie andere Putze benötigen sie nicht, um gut auf der Wand zu haften. Beim Hersteller „Emoton“ können Sie sicher sein, wirklich gesunden Tonputz zu bekommen, weil er seine Produkte vorher von einem unabhängigen Labor untersuchen lassen hat. Aufgrund ihrer großen inneren Oberflächen- struktur nimmt Ton VOCs und zu viel Feuchtigkeit noch besser auf als Lehm. Je größer der Tonanteil in den Produkten ist, desto mehr kann die Wandbeschichtung für ein besseres Raumklima tun. Ton speichert also die Feuchtigkeit und gibt sie bei zu trockener Raumluft wieder ab. Diese Form der Feuchtigkeitsabgabe sorgt so im Sommer für eine angenehme, kühlende Atmosphäre. Und im Winter speichert Ton die Wärme und hält die Wände angenehm warm. Außerdem kann man in dem Raum entspannen, denn Ton besitzt eine ionisierende Wirkung. Dadurch erleben Sie in ihrem Haus denselben Erholungseffekt wie im Urlaub am Meer oder in den Bergen.

Hinzu kommt noch, dass Ton die Luft von schlechten Gerüchen und leichtflüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) reinigt. Eine Studie der Holzforschung Austria fand heraus, dass diese mineralischen Putze mehr VOCs aus der Raumluft filtern und sie nicht wieder abgeben als Lehm allein. Diese Wirkung zeigt auch ein Praxistest während einer Haussanierung in einem Fertighaus. Tonspachtelungen auf Mauerwerk oder Gipsplatten aufgetragen, filtern Formaldehyd und verbessern die Raumluft langfristig, bestätigen die Bauherren nach der Sanierung.

Große Wirkung – minimaler Aufwand
Im Vergleich zu Lehmputz lässt sich Ton einfacher auftragen und kostet etwa 40 Prozent weniger als die mehrlagige Variante. Da er eine dreimal höhere Sorptionsfähigkeit als lehmhaltige Wandverspachtelungen besitzt, reicht eine etwa ein Zentimeter dicke Schicht aus, um in Ihrem Haus ohne Bedenken wieder durchatmen zu können. Tonputze trocknen so schneller und verkürzen die Bauzeit. Zusätzlich nimmt der Putz weniger Raum ein. Damit Ton robust und abriebfrei bleibt, muss er wie alle Putze fachgerecht aufgetragen werden.

Kalk
Kalk ist im Vergleich zu Lehm oder Ton vielseitig einsetzbar. Man kann ihn als Kratzputz an der Außenfassade oder im Wohnzimmer als Oberputz auftragen. Firmen wie Knauf oder Sakret bieten eine große Bandbreite an Produkten für jeden zu verputzenden Bereich. Damit er am Ende nicht reißt, wird den Putzen manchmal Ziegelmehl oder Sand zugefügt. An der Wand bietet er ebenfalls einen guten Feuchtigkeitsschutz. Selbst in der Küche oder im Bad bietet Kalkputz immer eine hygienische Oberfläche, solange er nicht mit Fliesen oder Tapeten überdeckt wird. Die feinporigen Alternativen haben somit keine Möglichkeit, das Raumklima zu regulieren. Kalk eignet sich auch für Hausstauballergiker, weil er antistatisch wirkt und den Staubanteil in der Luft verringert. Und außerdem ist er auch noch beständig gegen Umwelteinflüsse und Chemikalien.

Im Vergleich zu Lehm ist Kalk die teurere Wahl. Für einen Quadratmeter bezahlen Sie zwischen 20 und 50 Euro, je nach Hersteller. Lehmputze kosten etwa drei bis zehn Euro pro Quadratmeter. Auch bei kleinen Macken punktet Lehm mit weniger Arbeitsaufwand, weil man zum Beispiel Risse im nassen Lehm einfach wegspachteln kann. Bei Kalk ist das etwas aufwendiger.

Tadelakt
Im Spritzschutzbereich von Dusche und Wanne dürfen offenporiger Kalk und Lehmputz nicht verwendet werden. Denn sie sind von Natur aus nicht wasserabweisend. Doch auf eine natürliche Wandbeschichtung müssen Sie nicht verzichten. Die Lösung: Tadelakt. Dieser Putz stammt aus der Nähe von Marrakesch und besteht aus gebranntem Kalk, dem Lehm und Sand beigemischt werden. Anders als bei anderen Versiegelungstechniken nutzen die Maler ein spezielles Verfahren zum Aufbringen. Das funktioniert folgendermaßen: Zuerst trägt man, am besten mit einer Venezianerkelle, zwei Schichten des Brandkalk-Wassergemischs auf. Feine Rillen auf der Oberfläche können somit nicht entstehen. Mit einem glatten Stein wird die Oberfläche verdichtet und poliert. Anschließend geht man mit einer glättenden Seife aus schwarzen Oliven über den Kalk- oder Lehmunterputz. Dadurch entsteht eine Wasser abweisende Fläche. Sie bleibt trotzdem diffusionsoffen, ist fungizid, geruchsneutral und stoßfest. Durch die Seife schimmert Tadelakt wie Marmor und lässt jedes Bad oder jede Küche edel aussehen. Trotzdem kostet diese spezielle Technik viel Zeit. Fachleute brauchen für wenige Quadratmeter einen Tag. Außerdem ist Tadelakt sehr pflegeintensiv. Man sollte ihn alle zwei bis drei Monate mit spezieller Seife behandeln.

Gipsputz
Bereits in der Antike verwendeten die Menschen Gips zur Wandversiegelung. Bis heute gehört das Gesteinsgemisch zu den beliebtesten Putzen. Der Grund: Er lässt sich einfach verarbeiten und kostet wenig. Diese Vorteile sind zwei von vielen weiteren. Gipsputze aus reinem Gestein sind baubiologisch und ökologisch unbedenklich. Nebenbei sorgen sie für ein angenehmes Raumklima und eine Wohlfühlatmosphäre. Denn die Produkte regulieren den Feuchtigkeitsgehalt und halten dadurch konstant die Luftfeuchtigkeit im Raum aufrecht. Auch Schimmel hat keine Chance sich zu bilden. Mit Gips verputzte Wände fühlen sich immer warm an, weil das Material eine geringe Wärmeleitfähigkeit besitzt. Des Weiteren sind sie nicht brennbar und binden beim Erhärten Wasser. Bei einem Brand wird das Wasser freigesetzt und verbessert somit den Brandschutz. Er speichert zwar Wasser, wird aber beim Kontakt mit Nässe genauso weich wie Lehm, deshalb sollte Gipsputz nicht in Badezimmern aufgetragen werden.

Grün und unbedenklich?
Ökologische und wohngesunde Putze zu erkennen, ist für Hausbauer nicht einfach. Trotz vieler Label, die mit diesen Begriffen werben, muss in den Produkten kein schadstofffreies Produkt stecken. Jedes Siegel fokussiert sich auf andere Aspekte. Bei einigen geht es eher um die Nachhaltigkeit eines Produkts, als um dessen Wohngesundheit. Bevor Sie sich für einen Wandputz entscheiden, sollten sie sich deshalb genau über diese informieren. Anbieter von gesundheitlich unbedenklichen Putzen zeigen oft auf Nachfrage ein Zertifikat. Die Siegel NaturePlus oder das Eco-Institut-Label gehören zu den glaubwürdigen Gütezeichen. Trotzdem sollten Menschen, die auf giftige Baustoffe allergisch reagieren den Putz von einem Fachmann untersuchen lassen. Erst Labortests zeigen, ob Sie diese ohne Bedenken an die Wand auftragen können. Der Aufwand lohnt sich und Sie wissen genau, dass dieser Putz wirklich gut für Ihre Gesundheit ist.

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