Grüner wohnen
Nur die beste, sprich effizienteste Technik wollte Sönke Diers in sein Zuhause einbauen. Als Spezialist für Heizung, Klima und Lüftung wusste er genau, wie die beste Kombination aus Sparsamkeit und Komfort gelingt.
Unsichere Energieversorgung? Immer weiter steigende Preise für Wärme und Strom? Im Zuhause von Sönke Diers ist von solchen Sorgen nicht viel zu spüren. Denn der 34-Jährige plante für sich, Lebensgefährtin Anke Nahlinger und Töchterchen Malina ein neues, weitestgehend energieautarkes Haus. Allerhand moderne Technik von der Pelletheizung über einen Scheitholzofen bis hin zu Solarthermie und Photovoltaik ist vorhanden in dem Gebäude, das seinen Bewohnern viel Unabhängigkeit ermöglicht. Dass effiziente Technik im neuen Haus eine wichtige Rolle spielen würde, war im Grunde von Beginn an klar. Schließlich ist Sönke Diers Zentralheizungs-, Lüftungs- und Klimatechniker bei der Firma Wagner & Co. Dort arbeitet er immer an den neuesten Systemen für eine ganzheitliche, umweltfreundliche Energieversorgung, sei es aus der Kraft der Sonne, aus Holz oder durch die Kombination von beidem.
Hightech für das Traumhaus
Ab April 2009 ging es darum, solche technischen Leckerbissen ins eigene Zuhause einzuplanen und einzubauen. Da nämlich startete das Projekt Eigenheim für Sönke Diers und seine Familie. Auf das passende Grundstück im hessischen Niederweimar war der Bauherr durch einen Arbeitskollegen aufmerksam geworden. Und einen Planer hatte man ebenfalls schon an der Hand. „Architekt war unser damaliger Vermieter“, erzählt Sönke Diers. Man kannte sich also, was die Zusammenarbeit noch einfacher machte. „Die Umsetzung unserer Wünsche klappte gut“, freut sich der Bauherr: „Bereits die erste Zeichnung entsprach zu 80 Prozent unseren Vorstellungen.“ Sicher kam dem Architekten hier auch der Umstand entgegen, dass Sönke Diers und Anke Nahlinger keine festgefahrenen Vorstellungen von ihrem künftigen Zuhause hatten. Besondere Referenzobjekte, die womöglich 1:1 hätten nachgebaut werden müssen, gab es nämlich nicht.
Nur die technischen Vorgaben für den 3.000 Liter fassenden Pufferspeicher und einige Beschreibungen und Tipps aus Fachbüchern ließ die Bauherrenfamilie ins Lastenheft einfließen. „Alles andere hat unser Architekt aus uns rausgekitzelt“, lacht Sönke Diers. Die Wünsche, die der Architekt im Gespräch herausfilterte, führten zu einem betont hellen, zur Sonne ausgerichteten Haus in Holzrahmenbauweise, das zügig aufgebaut werden konnte. Die Orientierung an der Sonne spiegelt sich in der Gestaltung des Dachs wider. „Es ist so ausgerichtet, dass unsere Photovoltaikanlage und die Solarthermie nahezu optimal ausgenutzt werden“, erklärt der Bauherr und schmunzelt: „Optimal wäre es gewesen, das Haus quer auf das Grundstück zu stellen. Wir wollten aber nicht zu viel von der Grundstücksgröße verschenken und sind einen Kompromiss eingegangen.“
Holz, Glas, Natur
Keine Kompromisse gab es im Inneren des Gebäudes, das schön gemütlich und natürlich werden sollte. Beispiel dafür ist der großzügige Einsatz von Holz, nicht nur für die Rahmenkonstruktion, sondern auch an sichtbaren Stellen. So etwa an der Decke, die aus 18 Zentimeter starkem Kiefernholz besteht. Außerdem sollte das neue Zuhause von Sönke Diers lichtdurchflutete Zimmer erhalten, mit großen bodentiefen Fenstern, um die Sonnenstrahlen bestmöglich zu nutzen. Dafür wurden auch alle Wohnräume in Richtung Südwest geplant. Ein weiterer wichtiger Punkt war ein zukunftsfähiges Bauen, das auch für kurzfristige Änderungen gewappnet ist. Das Elternschlafzimmer im Obergeschoss zum Beispiel kann später einmal für barrierefreies Wohnen ins Erdgeschoss verlegt werden. Dann lässt sich die obere Etage auch vollständig abtrennen. Einen eigenen, separaten Stromkreislauf besitzt das Geschoss bereits. Diese Etage lässt sich so schnell vermieten, etwa wenn noch ein Taschengeld für die Hauskasse nötig wird. „Man weiß ja nie, was kommt in der Eurokrise“, sagt Sönke Diers nachdenklich.
Effizient gegen alle Widerstände
Aber blicken wir noch einmal zurück auf die Zeit vor dem Einzug. Die Planungen gingen gut voran und irgendwann war der Moment für den Antrag zur Baugenehmigung gekommen. „Ab da wurde es etwas schwieriger“, erinnert sich der Bauherr. Er war nämlich einer der ersten, die ihr Zuhause in dem neu ausgeschriebenen Baugebiet planten und so galt es doch noch die eine oder andere Hürde zu nehmen. Kopfzerbrechen bereitete die Höhenlinie des Grundstücks. Nachdem aber alles geklärt und die Baugenehmigung erteilt war, lief wieder alles rund – von einigen Kleinigkeiten abgesehen, die so ein Bauprojekt nun einmal mit sich bringt. Die Pläne für das Dach beispielsweise wurden nur knappe 14 Tage vor dem Richtfest noch einmal geändert, weil man bei der Solaranlage zu den Modulen eines anderen Herstellers wechselte. Abseits des Reißbretts machte das Wetter dem Team am Baugrundstück zu schaffen. Bitterer Frost mit Temperaturen unter -20 °C führte dazu, dass der Termin für das Einbringen des Estrichs verschoben wurde. Ganze drei Wochen Baustillstand waren die Folge. „Immerhin nahm unser Energieversorger in dieser Zeit die Photovoltaikanlage in Betrieb.“
„Nach nur zwei Wochen kam bereits die erste Abschlagzahlung auf die Einspeisevergütung“, erinnert sich Sönke Diers. Für ihn dient der Solarstrom derzeit vor allem dem schnelleren Abbezahlen des Baukredits dank der Einspeisevergütung. Aber auch die Möglichkeit des Eigenverbrauchs behält Diers für einen späteren Zeitpunkt im Blick. Die zweite solare Komponente in seinem Haus, nämlich die Solarthermie, nutzt der Bauherr dagegen als Bewohner intensiv selbst.
Sparsame Wärmetechnik
Sönke Diers war es auch, der die Komponenten als Fachmann an die Heizungsanlage anschloss. Entsprechend dankbar ist er, dass die Firma Wagner & Co. seine Kollektoren und Wärmespeicher genau zum richtigen Zeitpunkt liefern konnte. „Es sind keine Wartezeiten entstanden“, freut sich Diers über die Montage nach Plan, bei der auch ein Pelletkessel als Unterstützung für die solare Wärme eingebunden wurde. Die Pelletanlage sieht der Bauherr aber nur als eine Art Notheizung und gerade einmal 20 Stunden Betriebszeit für die Pelletheizung seit dem Einzug vor zwei Jahren geben ihm Recht.
Mehr als nur ein Blickfang
Eine sehr schöne Ergänzung, die das Haus von Sönke Diers weiter aufwertet, ist der Kamin im Wohnzimmer. Das Schmuckstück, sagt Sönke Diers, dient im Winter vor allem dem Wohnkomfort. Die Herausforderung bestand nur darin, eine zu große Wärmeabstrahlung ins Wohnzimmer zu verhindern. Großes Augenmerk lag deshalb auf einer guten Isolierung des Kamin, der jede überschüssige Wärmeenergie an den großen Pufferspeicher abgibt. Dank dieser Lösung ist auch in den kalten Wintermonaten jede Menge Wärme zum Heizen, Waschen und Duschen vorhanden. Einschränkungen in puncto Wohnqualität sind also bei aller Konzentration auf regenerative Energieträger Fehlanzeige. Im Gegenteil strahlt die im gesamten Haus verlegte Fußbodenheizung immer viel Wärme aus. Stichwort Wohnkomfort: Um ihn weiter zu steigern gönnte der Bauherr sich und seiner Familie eine kontrollierte Wohnraumlüftung, auf die er nicht mehr verzichten möchte. Weil die Anlage mit einem Erdwärmetauscher verbunden ist, wird die Zuluft im Sommer gekühlt und im Winter vorgewärmt. „Das Erdreich ist im Winter unter Frosttiefe wärmer als die Außenluft. Im Sommer ist dies umgekehrt“, erklärt Spezialist Diers das Prinzip, mit dem der Wirkungsgrad der Lüftungsanlage steigt. Dazu kommt der Vorteil des natürlichen Frostschutzes für den Wärmetauscher. „Und im Sommer wird die Frischluft angekühlt, ohne dass man eine Klimaanlage einbauen muss“, ergänzt der Installateur und Bauherr.
Ausgeglichene Rechnung
Das gute Raumklima ist also eines der besonderen Highlights im Haus, genau wie die geringen Heizkosten. Die Anlagenkonfiguration mit Schwerpunkt auf der solaren Wärme erreicht die erhoffte Effizienz aus Sicht von Sönke Diers voll und ganz: „Die Werte sind sogar noch besser als gedacht. Wir müssen nur von November bis Februar zuheizen.“ Unterm Strich ergeben sich für die Familie jährlich nur etwa 300 Euro Heizkosten. Dazu kommen dann noch die Holzscheite für den wasserführenden Kaminofen, die sich aber alleine schon wegen der schönen lodernden Flammen rechnen. Von der Sparsamkeit und von der Flexibilität seiner Haustechnik ist Sönke Diers jedenfalls begeistert. „Man ist unabhängig“, sagt er und lacht: „Man fühlt sich wie ein Öko, obwohl wir eigentlich nur klaren Menschenverstand eingesetzt haben.“ Um das ressourcenschonende Wohnen zu perfektionieren, setzt die Familie auf noch mehr umweltschonende Technik. Spül- und Waschmaschine sind direkt mit dem Warmwasseranschluss verbunden und die Toilette wird mit Regenwasser aus einer Zisterne gespült. Stolze 6.500 Liter Wasser fasst dieser Speicher, der auch der Gartenbewässerung dient. Irgendwann wird auch Elektromobilität für Sönke Diers interessant sein: „Im Zählerschrank ist genügend Platz für weitere Zähler, auch für ein Elektrofahrzeug.“
Beispielhafte Leistung
Sönke Diers und seine junge Familie zeigen, dass Umweltbewusstsein und Komfort Hand in Hand gehen, wenn man auf die richtige Energietechnik setzt. Dass aber die Speicherung der Wärme aus Sonnenenergie, Pellets und Kamin so gut funktioniert, muss der Hausherr in seinem persönlichen Umfeld immer wieder erklären. Diers lacht: „Unsere Verwandtschaft versteht bis heute nicht, dass man in der warmen Stube sitzen oder eine heiße Dusche genießen kann, ohne eine Heizung in Betrieb zu haben. Und Die Uroma hat immer Angst ,dass ihre Urenkelin friert, obwohl es bei 23 °C wirklich kuschelig warm ist.“
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Fotos: Wagner & Co.
Das Strohballen-Haus
Architekt Dirk Scharmer hat ganz klare Vorstellungen von seinen Häusern. Sie müssen umweltschonend im Aufbau und im Alltag sein. Stroh spielt dabei eine wichtige Rolle.
Holz, Lehm, Stroh – das sind drei Baumaterialien, mit denen Dirk Scharmer besonders gerne arbeitet. „Der Clou liegt für mich in der Kombination“, sagt der im niedersächsischen Südergellersen beheimatete Architekt. Die Dinge, findet Scharmer, bekommen mehr Sinn, wenn man sie zusammen betrachtet: „Wenn man Stroh mit Lehm verputzt, wird daraus ein neues Material. Und wenn man eine Holzkonstruktion mit Stroh ausfacht, wird daraus ein völlig anderes Haus.“
Ein Haus namens Libelle
Das Bauen mit viel Holz, Lehm und Stroh war auch ein wichtiges Ziel beim Libelle genannten Haus, das Dirk Scharmer für das Ökodorf Siebenlinden in Sachsen-Anhalt plante. Die Bewohner der Siedlung in der Gemeinde Beetzendorf wünschten sich ein Wohn- und Gemeinschaftshaus das ihrem Anspruch an ökologisches Bauen gerecht werden sollte. Und so nahm das Haus namens Libelle Schritt für Schritt Gestalt an. „Anfangs waren die beiden Projektiniatorinnen, ein Lehmbauer und ich beseelt von der Idee einer sehr organischen Architektur“, erinnert sich Dirk Scharmer. Zwei ovale Baukörper mit einem Mittelbau aus einem Treppenhaus waren geplant, dazu ein sehr großer Solarspeicher – von oben betrachtet hätte das Gebäude so die Form einer Libelle gehabt, daher auch der Projektname. Doch mit der Zeit verschob sich der Schwerpunkt immer mehr weg von dem Ziel ausgefallener Architektur in Richtung Energie- und Kosteneffizienz.
„Dem fielen die Rundungen und die Aufgliederung des Vorentwurfs zum Opfer. Stattdessen entstand ein Baukörper der rationelle Fertigung und eine energiesparende Kompaktheit mit hoher aktiver und passiver Solarnutzung vereinte“, sagt Dirk Scharmer. Das Aus für die ausgefallenen Rundungen war für den Architekten aber keine Katastrophe. „Jedes Bauvorhaben trägt immer beides in sich. Ein bisschen Träumerei und ein bisschen Enttäuschung über Kompromisse“, findet er. Auch einschränkende Bauvorgaben empfindet Scharmer nicht als schlimm, tragen sie doch im Kern Richtiges und Bewährtes in sich. „Die Hauptfeinde sind das Geld, das Wetter, Schwerkraft“, lacht der Architekt.
Mit Mut zum ökologischen Bauen
Schwierig werden unkonventionelle Lösungen, wenn den Bauherren der Mut fehlt. „Ich hatte hier viel Glück“, freut sich Dirk Scharmer. Denn die Wohnungsgenossenschaft Sieben Linden trug mit ihrem ökologischen Anspruch ausgefallene Lösungen mit, ja forderte sie sogar. „Das Ökodorf hat sich selbst eine Art kleine Bauordnung auferlegt, mit der es eine möglichst zukunftsweisende, ökologische Entwicklung sicherstellt“, erklärt Scharmer, der bereits während seines Studiums mit der Siedlung zusammenarbeitete.
Später nach der Ausbildung folgten von ihm geplante Wohnhäuser in zellulosegedämmter Holzrahmenbauweise für die Siedlung. Dann kamen mehrere Strohballenbauten und zuletzt das Haus Libelle. Dessen kompakter Baukörper sollte Energieeinsparungen, insbesondere durch die aktive und passive Nutzung der Sonnenkraft, ermöglichen. Deshalb wurde das Gebäude auch konsequent nach Süden ausgerichtet, mit Glasfassade und Solaranlage über die gesamte Gebäudelänge. Die solarthermischen Module liefern auf einer Fläche von fast 70 Quadratmetern Wärme für das Haus. Ergänzt wird die Anlage von einem Holzvergaserkaminofen im Gemeinschaftsraum. „Die Speicherung erfolgt in einem 13 Kubikmeter großen Wasserspeicher. Die Solarwärme wird zusätzlich im Erdreich unter dem Gebäude gespeichert und die Wärmeabgabe erfolgt über Heizkörper“, erklärt Scharmer die Heiztechnik.
Gut gedämmt, natürlich gebaut
Damit die Wärme nicht einfach verloren geht, plante der Architekt angesichts der großen Glasflächen konsequent dreifachverglaste Fenster ein. Auch die Dämmwirkung des Strohs senkt den Verbrauch stark, sagt Dirk Scharmer. Vom Bauen mit Stroh ist der Architekt überzeugt, genauso wie von Lehm und Holz. Natürlich seien Stroh und Holz empfindlich gegen Feuchte. Und sicher sei Lehm nicht so wetterfest und stabil wie konventionelle Baustoffe. „Aber natürlich bauen, heißt eben auch bauen mit der Natur, in Beziehung zu ihr. Das ist nie nur ein Spiel gegen die Vergänglichkeit, sondern auch eins mit ihr“, hält Scharmer dagegen. „Wie viel Festigkeit, Widerstandsfähigkeit, Tragfähigkeit brauchen wir wirklich? Und um welchen ökologischen und finanziellen Preis? Ich bin fest überzeugt, dass es eine große, sichere bauliche Realität für Holz, Lehm und Stroh gibt“, sagt der Architekt.
Erfolgreiche Zusammenarbeit
Realität wurde das Haus Libelle im Zeitraum von März 2010 bis Dezember 2012. Dabei sollte auch die Bauphase möglichst natur- und ressourcenschonend ablaufen. Es wurden regionale Materialien und Baupartner bevorzugt, Bauschutt, Müll und Lärm so gut es ging vermieden. Und noch etwas war Dirk Scharmer auf der Baustelle nach eigenem Bekunden wichtig: „Zeit für das gegenseitige Verständnis und voneinander Lernen, statt autoritärem Architektengehabe.“ Eine gute Zusammenarbeit war auch nötig, weil der verregnete Mai 2010 den Aufbau erschwerte. Den Schutzbedarf der vorgefertigten strohgedämmten Außenwände hatte man angesichts der Regenmassen unterschätzt. „Mit dem Ergebnis, dass einige Quadratmeter nasses Stroh ausgetauscht werden mussten“, erinnert sich Dirk Scharmer.
Unerwartete Lerneffekte
„Zu Beginn des Baus waren wir alle sehr davon überzeugt, dass die Zukunft der Strohballenbauweise in der Vorfertigung der Strohballenwände einschließlich Stroheinbau liegt“, sagt Scharmer. Nach dem unfreiwilligen Austausch des nassen Strohs an den stehenden Wänden sei aber deutlich geworden, dass der Einbau an der Wand mindestens ebenbürtig ist. „So wird aus Pech und Pannen ein interessanter, unerwarteter Lerneffekt“, schmunzelt der Architekt. Auch das Zusammenspiel von tragendem, massivem Innenmauerwerk mit der restlichen Konstruktion aus Holz gelang anfangs nicht reibungslos und kostete Nerven. Logistischer und zeitlicher Aufwand waren groß. „Hier würde ich nächstes Mal wieder erst das Dach über dem Kopf fertigstellen und dann die Innenwände im Trockenen nach Fertigstellung des Holzbaus herstellen“, ist sich Dirk Scharmer sicher.
Tradition und Hightech
Rund 10 Prozent teurer als konventionelle Gebäude ist ein Haus in Strohballenbauweise und das aus gutem Grund. „Strohballenbauten kosten in der Regel mehr Geld, weil sie handwerklich aufwendiger sind, auf hochwertige natürliche Materialien und besonders energiesparende Technik setzen“, erklärt Dirk Scharmer. Traditionsreiche Baustoffe wie Lehm oder Stroh mit antiquierten Methoden gleichzusetzen ist nämlich ein Fehler. Das zeigt das Strohballenhaus Libelle mit der solarthermischen Anlage ebenso wie mit seiner Lüftungsanlage samt Wärmerückgewinnungs- funktion. Das Hightech senkt den Lüftungswärmeverlust laut Scharmer um 80 bis 90 Prozent.
Rechenspiele und Fakten
Den jährlichen Holzbedarf zum Zuheizen neben der Solaranlage hatte das Projektteam auf weniger als vier Kubikmeter Brennholz geschätzt. „Im ersten Winter wurde dies deutlich überschritten, weil das Gebäude und die Solaranlage noch nicht von einem Sommer aufgewärmt waren“, sagt Scharmer. Im zweiten, relativ milden Winter waren es dann nicht mehr als vier Kubikmeter. Und da war die Regelung des Wärmespeichers im Zusammenspiel mit Solaranlage und Holzofen noch nicht optimal. „Bei optimaler Regelung in einem kalten Winter mit durchschnittlich viel Sonne dürfte sich der Wärmebedarf für das Gebäudes auf unter 4 Kubikmeter Brennholz einpendeln – und das bei 315 Quadratmeter Nettogrundfläche und zehn Personen. Der anfangs angepeilte Nullverbrauch an Holz hat aber bislang noch nicht geklappt. „Ob es an der Regelung liegt, an ein paar fehlenden Sonnenstunden in den bisherigen beiden Wintern oder an konzeptionellen Schwächen ist noch zu klären “, sagt Dirk Scharmer.
Zu viel Sonne, zu viel Wärme?
Ein kleines weiteres Manko sei je nach Sonnenlage zu beobachten: „Manchmal im Frühjahr und Herbst werden einige Räume des Hauses bedingt durch die tiefstehende Sonne recht warm.“ Andererseits, so Scharmer, sind sich die Bewohner einig, dass der eigentlich eingeplante Sonnenschutz nicht nötig ist. Auch der Holzvergaserkaminofen gibt mehr Wärme an den Aufstellraum ab als geplant. „Zum einen ist der Raum, bezogen auf die gute Wärmedämmung, mit rund 34 Quadratmeter recht klein. Zum anderen musste der Kaminofen, wohl auch wegen einer nicht optimalen Regelung an kalten trüben Tagen, öfter angemacht werden“, fasst der Architekt zusammen.
Jenseits nüchterner Kostenkalkulationen
Aber an Dirk Scharmers Überzeugung ändern diese Kleinigkeiten nichts. Konventionelle Bauweisen mögen günstiger sein. „Aber meine Strohballenbauten setzen weitestgehend auf natürliche Baustoffe“, sagt der Architekt nicht ohne Stolz. Es gibt kein PVC und andere Kunststoffe findet man nur dort, wo es derzeit noch keine sicheren Alternativen gibt. Luftdichtungen, Feuchtebremsen oder Dichtungen sind bislang noch solche Anwendungsgebiete. Auch möglichst wenig Beton oder andere energieintensive Baustoffe kommen zur Anwendung. Und wie sehen Scharmers künftige Projekte aus? Sie scheinen ganz neue Dimensionen anzunehmen.
Da wäre aktuell ein besonders hohes Gebäude, der 4,5-Geschosser, wie ihn der Architekt nennt. Über vier Stockwerke für ein Strohballengebäude werden am Ende bezugsfertig sein. Und für die Zeit danach hat Dirk Scharmer auch schon geplant. Zunächst möchte er die dreigeschossige Strohballenbauweise weiter optimieren. „Auch die lasttragende Bauweise mit großen Quaderballen geht mir noch nicht ganz aus dem Kopf. Für ersteres suche ich Auftraggeber letzteres wird wohl eher wie mein allererstes Strohhaus zunächst ein Selbstversuch.“
Fotos: Dirk Scharmer
Besser Bunt
“Wer seine vier Wände heute noch weiß streicht, der ist bestenfalls unentschlossen“, sagt Elke Wulf von Natur am Bau. Denn Weiß sei keine natürliche Farbe und schon gar nicht ein Zustand, in dem der Mensch sich wohlfühle, fügt sie hinzu. Der Mensch ist ein Naturwesen und als solches liebt er die Farben, ihre Wechselhaftigkeit, eben wie in der Natur, je nach Jahreszeit, mal satt, mal zart, mal matt, mal grell und mal verwaschen.
Doch Weiß? Selten. Weiße Wohnräume gehören in die Mottenkiste. Farbe ist im Kommen, Struktur, ja selbst Tapeten, bunt, gestreift, bemalt, alles – nur individuell muss es sein.Das aber ist nichts wirklich Neues. Schon in den vergangenen Jahren ging man weg vom Reinen, Klaren hin zum Mutigen, Individuellen. Neu in diesem Jahr ist der Trend, eine überwiegend blass-farbige Basis mit einem rauschenden Farbtupfer zu akzentuieren. Also die bis dahin warmen Farbtöne nun regelrecht kühl aufzumischen. Arktisblau, auch Nachtblau, dann Rot in kräftiger, frischer Variante, ein sattes Blattgrün und frisches Zitronengelb – das sind die Farben des Jahres 2012. Aber Achtung! Nur als Akzent. Der Trend besteht also darin, diese mutigen Farben als Tupfer, I-Punkte, Eyecatcher zu setzen in einer Umgebung, die eigentlich nicht anders ist, als das, was wir aus dem vergangenen Jahr bereits kennen. Pastellige, also warme Farben, ein helles Flieder zum Beispiel, auch Rosa, dann Baby-Himmelblau-Varianten, viel zartes Grün, Beige und jede Menge Erde.
Neben diesen eher zarten Farben standen und stehen auch in diesem Jahr einprägsame Töne, wie dunkles Mokka, Schokoladenbraun und ein schlammiges, edles, weil changierendes Schwarzgrau. Der Trend dieses Jahres heißt also nichts anderes, als altbewährtes Warmes mit kühlen Akzenten zu unterstreichen. Eine gute Nachricht? Ja, sofern man im vergangenen Jahr schon im Trend lag. Dann nämlich reicht es, eine Wand zu streichen oder aber ein auffälliges Accessoire anzuschaffen, wie eine farbenfrohe, gestreifte Jalousie, die sich aber am besten über eine ganze Wand ziehen soll.
Modezyklen für Zimmer
Doch grundsätzlich gilt, ganz so eng muss man das mit der Mode in Wohnräumen nicht sehen, darin ist sich die Branche einig. Trotz zweimal jährlich stattfindender Trend-Updates weiß man, dass „bei der Gestaltung von Wohnräumen die Zyklen der Mode träger reagieren“, sagt Elke Wulf. Das heißt, es dauert zunächst seine Zeit, bis ein neuer Trend angenommen wird. Dafür aber hält er auch länger. „Eine Modefarbe“, sagt Kerstin Müller von Alpina Farben, „stellen wir nicht nur für eine Saison in die Regale.“ Letztendlich liegt es im Fingerspitzengefühl eines jeden Herstellers und Händlers, auf die jeweiligen Modenachrichten zu reagieren. Denn die Übersetzung allgemein formulierter Trends in die Produktpalette bleibt ein individueller Prozess, der zu angenehmer Vielfältigkeit führt.
Rot und Farbrezepte
Das Ästhetik-Center von Akzo-Nobel, dem weltgrößten Anbieter von Farben und Lacken, prognostizierte Rot als die Trendfarbe für 2012. Die Farbe der Leidenschaft, des Feuers würde sich wie der sprichwörtliche rote Faden durch den Alltag ziehen, erklärte schon im Oktober 2011 Stefan Seidl, den Medien. Der Marketingleiter der österreichischen Niederlassung sah die Farbe sowohl in der Kleidung als auch als Rennstreifen an Autos und natürlich in rot gestrichenen Wänden.
Alpina Farben haben keinen neuen Rotton für diese Saison entwickelt. Dabei bringen sie im Frühjahr insgesamt neun neue Farben in die Baumärkte. Seit der Farbhersteller Alpina Farben den Profi-Sterne-Koch und Hobbyheimwerker Tim Mälzer im Designerstudio an Bord hat, offeriert Alpina Farben nicht nur simple Farbtöpfe, sondern gleich ganze Rezepte mit originell benannten Farbtönen, mit denen sich ganze Gestaltungsmenüs umsetzen lassen.
Neu im Regal dürfen wir ab April „Süße Pflaume“, einen Beerenton erwarten, sagt Kerstin Müller, Produktmanagerin der Alpina Farben, dazu auch „Lila Laune“ (ein Fliederton), „Lecker Limette“ (ein helles Grün) „Zimt & Zucker“ (heller Zimt), „Prise Pfeffer“ (ein vergrautes Beige), das „Felsenmeer“ (eine warme Graunuance) und ein sattes Zitronengelb mit dem Namen „Sommerkuss“. Zu diesen neuen Farben gesellen sich dann noch zwei gebrochene Weiß-Nuancen, die „Champagnerbad“ und „Erste Sahne“ genannt werden. „Sommerkuss“ aber sollte nie mehr als ein Akzent sein, „also nur eine ausgewählte Wand schmücken“, sagt Kerstin Müller. Besonders gut lasse sich das „neue“ Zitronengelb mit „Erste Sahne“ als Basis kombinieren. Mit diesem Zweifarbenmenü schafft man sich ein garantiert sommerliches und positives Wohnambiente. Ein weiteres sehr trendiges 2012 Mälzer- Farbmenü kombiniert „Süße Pflaume“ mit „Erster Sahne“ und einer „Prise Pfeffer“. Die so gestalteten Räume wirken elegant und stylish. Romantisch und sehr feminin dagegen soll „Lila Laune“ auf der Basis von „Champagnerbad“ sein.
Jetzt wird die Farbe Grün so intensiv wie ein Blatt
Aber auch verschiedene Grüntöne verlieren heuer nicht an Reiz, auch wenn sich die bekannte Grünnuance in diesem Jahr verändert hat. Während bislang das gelb nuancierte Maigrün im Trend lag, dränge jetzt ein sattes, intensives Blattgrün nach vorne, sagt Kerstin Müller. So wie Blau. Alpina Mitarbeiterin Andrea Elsner erklärt, dass Blau eigentlich das neue Grün der Saison sei und sieht darin sich das Bedürfnis der Menschen nach Klimaschutz widerspiegeln. Blau stünde eben für saubere Luft. Und so werden in diesem Jahr auch Blau-Türkis- Töne eine neue Bedeutung erlangen. Diese reichen von hellen transparenten Wassertönen bis zum kühlen Arktisblau. Die perfekte Ergänzung zu diesem Blau sehen Designer im schon bekannten Mokkabraun und in Beigetönen, welche die Kühle des Blaus abmildern.
Schlichtes Blau wird zu bayerischem Königsblau
Zurück in Berlin steht Baustoffhändlerin Elke Wulf vor einer blauen Wand. Sie ist neu, fungiert nicht als Raumteiler, sondern als Dekoration, besser gesagt, als Anschauungsmaterial. Hier können die Kunden sehen, wie ihre neue Farbe wirkt. Elke Wulfs schlichte Antwort auf die Trendprognosen heißt: „Ich bin total im Blaufieber.“ Ihr selbst gemischtes Blau ist ein sattes dunkles Blau, eines, wie man es sich am Himmel in einer Nacht auf dem Meer vorstellt, mit Schattierungen, die flirren. „Blau ist eine Farbe, die einen richtigen Dornröschenschlaf gehalten hat“, erklärt Elke Wulf. Viele Jahre habe sie nicht mehr damit gearbeitet.
Im Innenraum sei Blau ein regelrechtes Tabu gewesen. Was auch daran liegen könne, dass die Farbpigmente, aus denen man diese kostbare Farbe herstellt, aus dem Edelstein Lapislazuli gewonnen werden, der sehr teuer ist. Den Namen „Königsblau“ verdankt das dunkle Blau dem bayerischen Regenten Ludwig II. Es war seine erklärte Lieblingsfarbe, die er auch im Schlafzimmer verwendete. Vielleicht ist diese Tradition dafür verantwortlich, dass man es heute gerne mit Altem kombiniert. Elke Wulf zeigt ein Bild in einem Modekatalog, darin ist ein Restaurant im Jugendstil zu sehen, drinnen ein blauer Glastisch. „Das ist das wirklich Neue“, sagt Elke Wulf, „plötzlich in einem solchen Raum einen so blauen Farbkontrast zu setzen, das ist schon irre.“
Medien und Modefarben
An diese Kombinationen, die wie alle neuenTrends zunächst einmal ungewohnt wirken, muss sich das Auge erst einmal gewöhnen, so ist das eben mit jeder Mode. Doch dabei helfen dann auch die Medien. Wer einmal darauf achtet, wird feststellen, dass die neuen Modefarben plötzlich in allen möglichen Sendungen auftauchen. So glänzt der neue Tom Tykwer Film mit dem Titel „Drei“ in vielen Blau-Chargen. Keine Wohnung, in der es nicht mindestens eine dunkelblaue Wand gibt und auch die wunderbare Sophie Rois ist fast durchweg in Blau gekleidet. Fragt sich nun, ob Tom Tykwer der eigentliche Trendsetter ist oder aber Trends doch ein allgemeingesellschaftliches Farbgefühl widerspiegeln. Eine Frage, die man hier nicht beantworten wird. Festhalten kann man nur, dass es eben Farben gibt, die schnell angenommen werden und andere, die schon mal liegen bleiben, verrät eine Insiderin aus einem großen Farbdesign-Studio. Elke Wulf folgt deshalb einfach ihrem Bauchgefühl.
Sie beobachtet sich selbst und dann ihre Kunden. „Die Männer“, sagt sie, „mögen dieses dunkle Blau sofort. Während Frauen erst einmal zögerlich reagieren.“ Grundsätzlich rät die gelernte Baubiologin Menschen, die ihre Wohnung eher als Refugium begreifen, zu stärkerer farbiger Gestaltung.
„Dunkle, warme Farben erhöhen die Konzentration“, wohingegen hellere Farben Luftigkeit ausstrahlen, eine gewisse Leichte und Offenheit. Neben der Farbgestaltung unterliegt auch die Beschaffenheit der Wandoberfläche einer Mode.
Verzichtete man in der Vergangenheit auf Tapete, so wollte man aber eine glatte Oberfläche haben, die meistens aus Gips oder Beton war. Nun bricht die Gegenphase hervor.
Der Putz soll Masse haben, eine Oberfläche sein, die Strukturen zeigt und damit Tiefe. Wir wissen, dass die Hinwendung zu natürlichen Baumaterialien den Lehmputz wieder in Mode gebracht hat. Seine Oberfläche bleibt immer sandig, eine gewisse poröse Struktur, auf der sich grundsätzlich matte Farben besser eignen.
Wichtig für die Wirkung von Tiefe ist, dass der Putz mindestens drei Millimeter hat, aber auch erst dann ist der positive Effekt für das Raumklima zu erwarten. Hier verbindet sich also Zweckmäßigkeit mit einem ästhetischen Bedürfnis, oder ist es anderrum?
Edel und en vogue
Elegante Putze, die trotzdem raumklimatisch positiv wie der Lehm wirken, sind Kalkputze. Ihre Oberfläche kann man auch polieren, damit erreicht man Glanz. Sie verliert aber nicht ihre Tiefe und lässt sich durchaus mit kräftigen, natürlichen Farben streichen. „Das ist dann wirklich sehr edel“, schwärmt Elke Wulf. Ganz aus der Mode sind Wandlasuren und auch die Schwammtechnik, die den Eindruck einer unregelmäßigen, wolkigen Oberfläche vermittelt. Kurz gefasst kann man sagen: In diesem Jahr zählt wieder mehr Sein als Schein.
Diesen Artikel verfasste Marion Müller-Roth für das greenhome Magazin
Fotos: Alpina
Saubere Solaranlage
Das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG 2012, brachte nicht nur Regelungen zur Direktvermarktung und Eigennutzung von selbst erzeugtem Strom mit sich. Auch Sätze zur Einspeisevergütung und möglichen Einspeisestopps bei Netzüberlastung finden sich darin. Unter bestimmten Umständen fällt der Solarertrag damit zusätzlich zu den bisher bekannten Ertragsminderungen durch Verschattungen, verschmutzte oder mit Schnee bedeckte Solarmodule geringer aus. Es stellt sich also die Frage, wie stark sich schneefreie oder saubere Module auf die Solarernte auswirken.
Brauchbare wissenschaftliche Langzeitnachweise oder Studien gibt es derzeit nur wenige. So geht die Photovoltaikbranche bei verschmutzten oder schneebedeckten Modulen von einem solaren Minderertrag zwischen einem bis drei Prozent aus und sieht keinen Handlungsbedarf für eine zusätzliche Reinigung der Solarmodule. Regen und Schnee sind demnach ausreichend. Reinigungsfirmen versprechen jedoch Mehrerträge von 20 Prozent und mehr, die allerdings nur unter bestimmten Gegebenheiten realisierbar sind. Aktuelle Ergebnisse zeigen, dass je nach örtlichen Umständen, Verschmutzungsgraden und Witterungslage eine Reinigung sinnvoll sein kann und die Rendite der Solaranlage aufbessert. Bei starkem Schneefall können zudem auch gefährliche Dachlasten entstehen.
Schleichende Verluste
Besondere Beachtung in der Photovoltaikbranche erhielt der Gewinner des Schweizer Solarpreises 2011 Prof. Heinrich Häberlin von der Berner Fachhochschule Technik und Informatik, BFH. Häberlin hat sich die wissenschaftliche Langzeitanalyse zur Lebensaufgabe gemacht. 1988 gründete er an der BFH das PV-Labor und führte unter anderem an über 70 Photovoltaikanlagen Langzeitmessungen durch. Dabei wurden auch Wechselwirkungen auf Photovoltaikerträge im Spiel zwischen technischen Voraussetzungen sowie witterungs- und verschmutzungsbedingten Einflüssen untersucht. Über den Erfassungszeitraum traten bei gerahmten Modulen permanente Verschmutzungsstreifen am unteren Rand auf, die den Energieertrag der Anlage allmählich senkten. Die Ertragsminderung infolge Verschmutzung lag jeweils zwischen etwa neun Prozent und 11,5 Prozent. Nach der Reinigung – verwendet wurde dafür ein starkes Transsolv Reinigungsmittel – zeigte sich, dass etwa drei Prozent der Leistungsverluste unumkehrbar waren. Aus leichten Verschmutzungen, die relativ schnell nach der Reinigung wieder auftraten, konnte man auf eine erhöhte Rauigkeit der Glasoberfläche schließen. Die raue Oberfläche bot dem Schmutz nach der Reinigung somit besseren Halt.
Ungetrübte Sonnenernte
Die solare Ernte hängt vom Zusammenspiel aller Komponenten einer Photovoltaikanlage ab. Der Photovoltaikgenerator, bestehend aus mit Solarzellen bestückten Photovoltaikmodulen bildet hier die Schnittstelle. In ihm laufen Sonnenenergie und eine Vielzahl an Komponenten vom Kabel über den Wechselrichter bis hin zur Einspeisung zusammen. „Zur Ertragsanzeige der Photovoltaikanlage verwenden Solarteure softwarebasierte Moni- toringprogramme, die in die Anlage integriert werden müssen“, beschreibt Georg Oberth von der österreichischen GOdata GmbH Möglichkeiten des Ertragsmonitorings. „Die Gründe für Mindererträge einer Photovoltaikanlage sind jedoch so vielfältig wie die Gewerke, die daran beteiligt sind“, erklärt Oberth. Sind die Module verschattet, verschmutzt oder verschneit, Wechselrichter und Module unzureichend abgestimmt oder Solarzellen ausgefallen, wird das System den berechneten Solarertrag nicht erreichen. Nicht temperaturbedingte Verluste können den Ertrag noch weiter minimieren. Solche Verluste entstehen durch Verdrahtung, Fehlanpassungen im Photovoltaikgenerator, Mismatch genannt, oder durch Fehler am sogenannten Maximum- Power-Tracker. Rückschlüsse zu Mindererträgen lassen sich daher nur schwer eindeutig zuordnen. „Bisher am Markt verfügbare Monitoringsysteme bilden zwar den Ertrag ab, zeigen Systemschwachstellen jedoch nur teilweise auf. In den letzten Jahren haben wir daher ein System für Anlagenbetreiber entwickelt, das die solare Einstrahlung im Verhältnis zum Ertrag ermittelt“, führt Oberth aus.
Die richtige Reinigung
In einer Projektarbeit an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen griff Jochen Allgayer das Thema vor Kurzem auf. Er verglich dabei verschiedene Reinigungsprozesse mit deminerali- siertem Wasser, das auch als deionisiertes Wasser bezeichnet wird. Da bei Brauchwasser Kalkrückstände auftreten können und bei der Verwendung von chemischen Reinigungsmitteln eventuell Rückstandsfilme verbleiben, wird in der Praxis deionisiertes Wasser verwendet. Es erzielt eine stärkere Bindung mit Mineralien, doch gerade dieses Bindungsverhalten wird auch kritisch gesehen. Man vermutet, dass nicht nur Verunreinigungen entfernt, sondern auch die Photovoltaikmodule angegriffen werden. Jochen Allgayer untersuchte die Reinigung mit deionisiertem Wasser über einen längeren Zeitraum unter praktischen Bedingungen. Mit verschiedenen Messmethoden dokumentierte er, ob und in welchem Umfang dabei Veränderungen an den Oberflächen auftreten oder Module und Rahmen angegriffen werden. Die Ergebnisse der Untersuchung ermöglichten auch Rückschlüsse auf Wege zur Ertragsteigerung der Module.
„Zu den typischen Verunreinigungen zählen Biokorrosion aus Misthaufen oder auch Ablagerungen aus Moos, Algen, Ruß und Autoabgasen“, sagt Prof. Dr. Gerhard Winter von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Er rät, für den ersten Großputz an den Solarmodulen nach Jahren alkalische Reiniger oder Enzym- reiniger zu verwenden, wobei letztere frei von Tensiden sind. Die Wahl hängt von Standort und Verschmutzungspozential ab. Ein Nachspülen mit deionisiertem Wasser kann dann Restverschmutzungen und vorhandene Tenside abtragen. Im untersuchten Fall simulierten die Wissenschaftler fünfundvierzig Reinigungsprozesse. Bei angenommenen zwei Reinigungen im Jahr entspricht das etwa dem Lebenszyklus der Module. Die Auswertung der Ergebnisse zeigte keine negativen Auswirkungen des verwendeten Wassers auf die schützende Eloxalschicht der Rahmen und Glasoberflächen. „Bei fehlerhafter Montage oder beschädigten Oberflächen können Korrosionsereignisse die Module jedoch schädigen“, führt Winter aus. Die Korrosion werde in solchen Fällen aber nicht von deionisiertem Wasser verursacht.
Pflege für gute Erträge
Weitere Rückschlüsse brachte ein Ertrags-Monitoring, das Jochen Allgayer nach der Reinigung von Versuchsflächen durchführte. Im Zeitraum vom Jahre 2006 bis zum Versuchsende erstellte er an einer 50 kW- Anlage seiner Eltern und an einer landwirtschaftlichen Solardachanlage mit ca. 35 Grad Neigung Leistungsprotokolle. Von den 700 Quadrat- metern Photovoltaikfläche wurde die eine Hälfte gereinigt und erreichte danach 6.377 W/h, was einer Leistungs- steigerung von 32 Prozent entspricht. Dagegen lag die Leistung der ungereinigten Fläche bei nur 4.829 W/h. Mit neuen Funktionen der Mensch-Maschinen-Kommunikation haben sich Praktiker aus der Schweiz beschäftigt und einen besonderen Serviceroboter, den GEKKO, entwickelt. Der Name ist Programm: Wie ein Gekko bewegt sich das System, der Serbot AG an senkrechten Fassaden und übernimmt die Reinigung der Glasflächen. Die neueste Generation ist ein Multitalent und sorgt für das Sonnentuning an Solardächern und an Photovoltaikgroßanlagen.
Da auch selektive Verschmutzungen den Solarertrag schmälern können, wird die gesamte Photovoltaikfläche von Fett, Moosablagerungen und Staub gereinigt. „Eine Feuerprobe unter härtesten Bedingungen bei der Reinigung versandeter PV-Module durchlief der GEKKO in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Seit einigen Monaten gibt es auch Dienstleister in Deutschland, die sich mit dem Thema identifizieren und solare Erträge optimieren“, erklärt Toni Niederberger, der stolze Geschäftsführer von Serbot. „Der GEKKO Junior G3 wurde ursprünglich für die Fassadenreinigung entwickelt, die Nachfrage, den Roboter auch für andere Anwendungsgebiete weiterzuentwickeln, ließ aber nicht lange auf sich warten“, berichtet Niederberger. Zu diesen zusätzlichen Anwendungen zählen Projekte zur Inspektion und Reinigung von Photovoltaikanlagen. „Eine verstärkte Nachfrage von Architekten und Anlagenbetreibern erleben wir derzeit auch durch die letzten Winter. Hier vermuten wir, dass die Schneelast oft statische Grenzen für die Dachkonstruktion erreicht“, erklärt Toni Niederberger und verrät Pläne, den Roboter auch fit für das Schneeräumen auf Dächern zu machen.
Vereisung und Ausfälle
Bleibt der Schnee auf den Modulen liegen, resultieren daraus Mindererträge der Photovoltaik-anlage und die Dachlasten erhöhen sich. Da es vielfach nicht möglich ist, den Schnee vom Dach zu räumen, vereisen die Anlagen und der Produktionsausfall zieht sich über mehrere Wochen hin. Dachlasten erreichen oftmals bereits mit der zusätzlichen Dachinstallation von Solarmodulen statische Grenzwerte. Anhaltender Schneefall belastet die Konstruktion besonders bei Flachdächern und flach geneigten Dachkonstruktionen zusätzlich. Das Ergebnis: Feuerwehr und THW müssen die Schneelast entfernen, wodurch nochmals Kosten entstehen können und die Rendite weiter schmilzt. Abhilfe schafft eine neu entwickelte solarbasierte Schneetauanlage, die vor Kurzem auch die Jury im Innovationswettbewerb „Deutschland – Land der Ideen“ überzeugte: Als „Ausgewählter Ort 2011“ wurde das Hain-System ausgezeichnet. Es erwärmt Solarmodule über die Rückeinspeisung von Strom und hält die Module somit schneefrei. Das System wurde für die Sicherung von Dächern gegen Schneelasten entwickelt: Dank der Abtauautomatik sind gefährliche Räumarbeiten, wie sie bisher Feuerwehr oder Technisches Hilfswerk durchführen mussten, nicht mehr nötig.
Strom- vs. Systemkosten
Ein wirtschaftlich interessanter Aspekt der Schneetauanlage ist die höhere Stromproduktion nach dem Abtauen der Photovoltaikmodule. Die Wirtschaftlichkeitsrechnung muss aber neben den Systemkosten auch die Stromkosten berücksichtigen. Denn die notwendige Energie für die Schneeabtauung kommt zum Teil aus dem Netz und muss somit bezahlt werden. Dabei bestimmen die Dauer und Heftigkeit des Schneefalls den Strombedarf und damit auch die Abtaukosten. Dennoch lohnt sich das Abtauen. Bleibt nämlich die Temperatur in den Folgetagen frostig, produziert die abgetaute Anlage Strom und liefert Erträge, während verschneite Anlagen uneffektiv sind. Es ist deutlich effizienter, Schnee kontinuierlich abzutauen, als angesammelte Eis- und Schnee- massen erst nach Schneefall-ende abzutauen. Zu diesem Ergebnis kam der Hersteller Eulektra dank eines im Jahre 2009 in Oberstauffen installierten Prototypen. „Um Eis und Schneemengen abzutauen, benötigen Sie viel Energie“, bestätigt Projektleiter Yüksel Kara. „Die Abtauautomatik verbraucht zwar über einen längeren Zeitraum Strom, ist unterm Strich aber effizienter und garantiert die Dachsicherheit“, nennt Kara aber auch gleich die großen Vorteile. Und noch einen Vorzug des kontinuierlichen Abtauens erklärt der stolze Projektleiter: „Wird aufgestauter Schnee auf Satteldachanlagen angetaut, wie es andere Systeme vorsehen, rutschen gefährliche Schneebretter vom Dach. Das ist bei der Eulektra-Methode ausgeschlossen.“
Eine unsichere Variable
Da die Wetterbedingungen nicht exakt kalkuliert werden können, ist die Wirtschaftlichkeitsrechnung schwierig. Laut Hersteller Eulektra trägt sich das System über die mit 20 Jahren veranschlagte Gesamtlaufzeit einer Photovoltaikanlage selbst und wirft Gewinne ab. Für genauere Berechnungen der Stromkosten für den Abtauvorgang sowie die Gesamtrentabilität stellt man bei Eulektra auf Anfrage ein Kalkulationsprogramm zur Verfügung.
Diesen Beitrag verfasste Uwe Manzke für das greenhome Magazin
Foto: Gerhard Winter
Ich nehm mehr Lehm
Lehm sieht gut aus, ist vielfältig und gesund – so weit die schöne Theorie. Aber wie lässt sich der Werkstoff verarbeiten und kommt man als Laie damit zurecht? Marion Müller-Roth besuchte ein Seminar und erlebte das Gestalten mit Lehm hautnah.
Wölkchen tauchen den Hof in Böcke, einem idyllischen Nest in Potsdam Mittelmark, in ein Licht, das zwischen Pfeffer und Salz wechselt. Die Störche auf der benachbarten Kirchturmspitze, klappern, die Kaffeetassen sind leer, der Kuchen verspeist. „Dann machen wir uns mal an die Arbeit“, sagt Jens Schlüter und steht mit einem Ruck auf. Er geht in Richtung Kuhstall. Ich lege den Stift beiseite, ziehe die Jacke aus. Der Kaffee, aufgebrüht, der Kuchen, von seiner Partnerin Gunhild Haderlein selbstgebacken, die Materialkunde über den Lehm, die Geschichten über das 250 Jahre alte Pfarrhaus, haben mich schon vollkommen zufriedengestellt. Soll ich da wirklich noch selber putzen? Kann ich das überhaupt? „Zu einem Seminar, gehört auch Praxis“, sagt Jens Schlüter. Ich folge ihm. Im ehemaligen Kuhstall riecht es nach geschnittenem Holz. Balken sind eingezogen, das Dach ausgebaut, eine Treppe gezimmert – noch einen Sommer, dann ist das Seminargebäude fertig, ökologisch, nachhaltig, energieeffizient – natürlich. Hier stehen noch die Arbeitsgeräte.
Jenseits grauer Theorie
Jens Schlüter hievt zwei Säcke Lehmauf eine Karre , legt ein mannshohes Rührgerät darüber, drückt mir graue Plastiktröge, Maurerkellen, Spachtel und die Wasserspritze in die Hand. Er strahlt. Die Theorie war noch nie so ganz sein Ding. Nicht umsonst hat der Architekt vor zehn Jahren seinen Beruf an den Nagel gehängt. „Zu viel Papierkram, Bürokratie, kaum noch Baustelle“, erinnert er sich an die Zeit, als er in Potsdam Häuser entwarf. Jetzt ist er Lehmbauer. Ein Handwerker mit dem Wissen eines Architekten, einer, der tut, was ihn vollkommen erfüllt. „Lehm lebt, Lehm ist ehrlich, geduldig, gesund, formbar und lehrreich“, sagt er euphorisch. In Berlin, Potsdam und Brandenburg gilt Schlüter als einer der Lehmexperten, der darüber hinaus, die Kunst des Tadelakts beherrscht. Das ist ein aufwendig verarbeiteter steinharter, wasserfester, glänzender Kalkputz, der genau dort hinpasst, wo Lehm nicht geeignet ist, nämlich im Spritzwasserbereich von Bädern und Küchen. Mit seiner Firma Taleh ist Jens Schlüter seit sechs Jahren selbstständig, bietet Lehmbau im Neu- und Altbau, im Innenund Außenbereich, dazu Kalkputze, Tadelakt und eben für Interessierte Seminare.
Viele Argumente
„Manchmal kommen Handwerker, eine Berufsausbildung gibt es noch nicht oder Architekten oder auch Leute, die diesen ältesten Baustoff in ihr modernes Leben integrieren wollen. Eine sinnvolle Entscheidung“, sagt er. Gründe, seine Wände innen mit Lehm zu verputzen, gibt es viele. Ökologische Überlegungen einerseits, gesundheitliche andererseits. Lehmputze wenigstens, Wände noch besser sind ideal für Allergiker. Er sorgt für ein gesundes Raumklima. Der Grund, Lehm bleibt einfach immer Lehm. Während bei konventionellen Baustoffen, wie Beton und Gips, mittels hochenergetischer Herstellungsprozesse und chemischer Veränderungen die molekulare Struktur erhärtet wird, trocknet Lehm schlichtweg. Und das führt dazu, dass er atmet. Das klingt romantisch. Tatsächlich aber tritt Lehm, wie andere natürliche Baustoffe, mit seiner Umgebung in Wechselwirkung. Seine wichtigste Qualität ist die Fähigkeit, Feuchtigkeit zu speichern, sie also bei zu viel Umgebungsfeuchte aufzunehmen und bei zu wenig wieder abzugeben.
In Lehmbauten herrscht deshalb eine stabile relative Raumfeuchte von 45 bis 55 Prozent, dies erzeugt ein angenehmes und für die menschliche Gesundheit optimales Wohnklima. Einfach gesagt, verhindert das das Austrocknen der Schleimhäute, reduziert die Feinstaubbildung. Aber Lehm leistet noch mehr: Er absorbiert Gerüche, filtert Schadstoffe, schirmt hochfrequente Strahlung ab und konserviert Holz. Lehm ist wie Kalk alkalisch und verhindert zusätzlich die so gefürchtete Schimmelbildung. Schimmel in unseren Gebäuden in Kombination mit flüchtigen organischen Verbindungen, den VOCs, die Farben, Lacken, Regipswänden und Möbeln entweichen, sind nach Auskunft des Umweltmediziners Frank Bartram, Grund für die Zunahme zahlreicher unspezifischer Allergien. „Das Klima in unseren Räumen macht uns krank. Die meisten Menschen halten sich täglich 20 Stunden in geschlossenen Räumen auf und die sind oft stärker belastet als Stadtluft.“ Lehmwände, oder wenigstens ein fachgerecht angebrachter Putz ab zwei Zentimeter Stärke,verringert die Belastungen.
Lehrstelle für Lehm
Wir tragen die Arbeitsmaterialien aus dem Kuhstall in unser Übungsobjekt. Ein windschiefes Fachwerkhaus, 250 Jahre alt, sein Dach gedeckt mit zum Teil handgeformten Biberschwanzziegeln, hängt über die Mauern wie einhalbgeschlossenes Lid. Einst wurde das Haus für den Pfarrer der benachbarten Kirche gebaut, später lebten hier Familien, residierte die Dorfver- waltung. Drinnen ist es nackt, bis auf seine Gemäuer leer geräumt. Es ist dunkel, die Luft ist lau, riecht nach Erde und trockenen Früchten. Der Flur, die ehemalige Küche sind gefliest, die anderen verwinkelt angelegten Räume mit steinhartem Holz gedielt. Über die Jahrhunderte wurde es erweitert, immer wieder repariert. Vor hundert Jahren, etwa, hat man seinen Sockel erneuert, zwanzig Zentimeter über dem Boden sieht man Ziegelsteine. Die bloßen Holzbalken des Fachwerks sind hellgrau, hart wie Stein, in ihren Oberflächen erkennt man Kerben, die die Handwerker ritzten, damit der Putz darüber besser hält. Von der Decke hängen an einigen Stellen gebrochene Lehmfladen herunter, an ihren Risskanten sieht man das lange, eingearbeitete Stroh.
Praxis macht den Profi
„Wie sie eine solch dicke Schicht an der Decke befestigt haben, ist mir ein Rätsel“, sagt Jens Schlüter. Doch als Lehmbauer lernt man nie aus. Lehm ist kein genormter Baustoff, neben den überlieferten und in Handbüchern gesammelten Informationen, den bauphysikalischen Vorgängen, die man studieren kann, ist es das ständige Probieren am Bau, das Erforschen alter Techniken, was einen Lehmbauer zu einem wahren Meister macht.
Lehm und los!
Auf einem Seminar, das man bei Jens Schlüter und seiner Partnerin Gunhild Haderlein eintägig für 80 Euro buchen kann, wird man sicher kein Meister, „aber man bekommt ein Gefühl für den Baustoff, lernt wie er überhaupt funktioniert“. Jens Schlüter hat den Grobputz in einen Plastiktrog gefüllt, setzt Wasser hinzu, reicht mir das mannshohe Rührgerät. Nach den ersten sperrigen Umdrehungen mit der riesigen Maschine kommt schnell ein Gefühl für die sich zum Teig formende Masse. Jetzt ist sie homogen, Jens Schlüter klatscht einen Batzen auf die Kelle, lässt sie herunterrutschen. „Reißt die Menge erst, wenn sie zwei Zentimeter über der Putzkelle ist, ist die Mischung richtig.“ Es geht los: „Aufziehen, festdrücken, glatt ziehen, neu ansetzen“, heißt die Theorie. Nein, zuvor die Wand mit der Spritzpistole nässen.
Mir rutschen die ersten Batzen gleich wieder runter. Aber das macht nichts! Denn: „Lehm ist geduldig.“ Die Reste können immer wieder in die Masse eingearbeitet werden. Beim Lehm gibt es keine Verluste. Man kann also nichts falsch machen. „Und er ist der ehrlichste Baustoff überhaupt“, schwärmt Jens Schlüter weiter. Reißt etwa der Lehm nach dem Trocknen, weiß man, dass er zu fett war, dass die Mischung zu viele Tonanteile hatte. Aber auch Schäden im Gebäude zeigt er sofort. Zum Beispiel zu viel Feuchte im Gemäuer. Lehm ist bei 30 Prozent über seinem Eigengewicht gesättigt, wird dann plastisch und fällt ab. Das passiert auch, wenn Wände durch jahrelang aufsteigende Nässe versalzen sind. Zieht das Wasser ab, bleiben die Kristalle im Gemäuer haften, der Lehmputz löst sich, zeigt einen Konstruktionsfehler.
Eine schiefe Ecke macht mir zu schaffen, Steinchen ragen raus, der Balken steht schief, dazwischen Bruchstellen alten, sehr festen Putzes. Ich drücke den Lehm in die Löcher, modelliere, batze, stopfe, ziehe glatt, ich fasse die Kelle fester, ziehe Material von den Stellen, die nach außen gewölbt sind, auf jene, die zu dünn aussehen. „Es ist das Geräusch“, erklärt Jens Schlüter. Es ratscht, ritzt, mal tiefer mal höher, wenn es kratzt, muss Material drauf, erklärt er und wieder „du kannst nichts falsch machen“. Und plötzlich ist es da, ein Gefühl für das Material. Es ist eine Ahnung, wie eine Erinnerung. Es ist etwas, das tief in meinem Inneren mir sehr vertraut ist. Lehm ist nichts anderes als Erde. Es ist ein Verwitterungsprodukt von Urgestein, eine Mischung aus Ton, Schluff und Sand. Er ist neben Holz und Naturstein der älteste Baustoff, den die Menschheit kennt. Lehm ist geduldig, ja. Und er fordert Geduld, denn Lehm braucht Zeit. Er bindet nicht ab, wie Kalk und Zement. Er trocknet. Das macht ihn zu einem so angenehmen Material, das den Händen nicht schadet, sondern sie pflegt. Pro Tag trocknet ein Millimeter, so die Regel.
Eine Putzschicht kann je nach Bedarf bis zu maximal 2,5 Zentimeter betragen. Der Feinputz, der idealerweise auf einen gut getrockneten Unterputz und eine gut getrocknete Schicht Oberputz, aufgetragen wird, ist die Creme. Das Finish kann farblich pigmentiert werden, gemustert werden oder aber durch eine Lehmfarbe gestrichen werden. Aber es verlangt, sofern man auf eine ebenmäßige Wand Wert legt, echte Putz-Geschicklichkeit. Zunächst wird der trockene Oberputz wieder befeuchtet, „damit sich die Schichten miteinander verbinden können“. Dann wird der angerührte, in seiner Konsistenz kleinkörnigere Feinputz aufgetragen. Man zieht ihn auf, glättet und verdichtet, abschließend wird geschwemmt. Auch wenn es unmöglich erscheint, eine glatte Oberfläche zu erhalten, steigt mit jedem Zentimeter aufgetragenem Lehm meine Begeisterung. Gibt es in meinem Berliner Altbau-Arbeitszimmer nicht diese Wand mit den hässlichen Rissen?
Lehm in allen Lagen
„Tapete muss restlos entfernt werden“, erklärt der Meister, „aber ansonsten kann Lehm auf jede Oberfläche aufgetragen werden“. Auf Ziegelsteinwände problemlos, aber auch auf Gips und Beton. Für diese glatten Flächen braucht man jedoch eine Grundierung, damit der Lehm Halt findet. Die Grundierungen sind in fertigen Mischungen im Naturstoffbauhandel erhältlich. Na dann, der nächste Selbstversuch ist bei mir zu Hause.
Diesen Artikel verfasste Marion Müller-Roth für das greenhome Magazin
Mehr Pflanzen pflanzen!
Grün tut gut. Das gilt für draußen wie drinnen. Mit den richtigen Gewächsen werden Haus und Natur zur Einheit.
Sie produzieren Sauerstoff, verdunsten Wasser, können die Luftfeuchte erhöhen, Lärm und auch Giftstoffe absorbieren, sie binden Staub, werfen Schatten, halten Regenwasser zurück, können kühlen und dämmen. Als Fassadenbegrünung verzieren sie, schützen aber auch unsere Gebäudehüllen, im Innenraum verbessern sie das Wohlbefinden, die Qualität des Raumklimas und damit die Gesundheit der Nutzer: Pflanzen – in, auf und an Gebäuden! Sie schlagen eine Brücke zwischen der modernen Lebenswelt des Menschen und der Natur und verbinden damit zwei Extreme, die bis zum Ende des vergangenen Jahrtausends auseinander drifteten.
Wohnen am Wendepunkt
Die moderne Bau- und Wohnkultur steht an einem Wendepunkt. Während Gebäude bis vor Kurzem die Funktion hatten, sich von der Natur abzugrenzen, um den Menschen vor Kälte, Hitze, Niederschlägen und anderen Gefahren zu schützen, werden die Gebäude der Zukunft die Natur integrieren. Das Begrünen und damit die Pflanzen spielen dabei die entscheidende Rolle, gerade wenn es um Energieeffizienz in Verbindung mit Wohngesundheit, Klimaschutz und Nachhaltigkeit geht. Pflanzen und Begrünung werden damit zu Grundlagen des ökologischen Bauens. Für Christine Volm ist das nicht wirklich etwas Neues. Die promovierte Gartenbauingenieurin wuchs in der Gärtnerei ihrer Eltern Winfried und Uta Werner auf. Die Werners gehörten zu den Pionieren der Innenraumbe- grünung. Als der Tübinger Solararchitekt Dieter Schempp eines der ersten Glashäuser Deutschlands in Herten, Nordrhein-Westfalen, entwarf und baute, begrünten es die Werners mit subtropischen Pflanzen. Bis heute gilt das funktionierende System Glashaus in Herten als ein Symbol für die Symbiose zwischen Energieeffizienz und gesundem Innenraumklima mittels üppiger Begrünung. Die Luft wird durch die Glasfassade erwärmt und durch die reichlich vorhandene subtropische Vegetation gereinigt.
Gute Pflanzenluft
Der moderne Mensch verbringt bis zu 20 Stunden täglich in geschlossenen Räumen und das ist milde ausgedrückt nicht unproblematisch. Zuerst einmal ist da die Luftfeuchte. In geschlossenen Räumen sinkt sie in der Heizperiode oft unter 30 Prozent. Der Mensch aber braucht, um sich wohl zu fühlen, eine relative Feuchte zwischen 45 bis 70 Prozent. Ist die Luft zu trocken, reagieren die Schleimhäute mit Reizungen. Die Belastung von trockener Luft wird durch die Anreicherung der Raumluft mit Schadstoffen potenziert. Neben schlichtweg veratmeter, also CO2-reicher Luft, sind es vor allem flüchtige organische Verbindungen, VOCs, die unsere Gesundheit belasten. Diese chemischen Verbindungen entweichen Möbeln, Teppichen, Wandfarben und Lacken. Schon seit den 1980er-Jahren ist das Sick-Building-Syndrom bekannt. Die sogenannte Gebäude-Überdrüssigkeit beschreibt einen Komplex von Krankheitssymptomen, die auf den langen Aufenthalt in geschlossenen Räumen zurückgeführt wird. Die Symptome sind Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, bis hin zu chronischen Beschwerden wie Rheuma und Asthma. Pflanzen können dem entgegenwirken.
Abgesehen von der vielfach nachgewiesenen positiven Wirkung des lebendigen Grüns auf die menschliche Psyche, sind es Stoffwechselprozesse, die das Zurückholen der Natur in unsere Räume als die Lösung vieler Probleme nahe legen. Pflanzen produzieren bekanntermaßen Sauerstoff, aber sie leisten mehr: Sie transpirieren, atmen das aufgenommene Wasser in Form von Wasserdampf aus, erhöhen damit auf ganz natürliche Weise die Luftfeuchtigkeit und kühlen. Mit der Fähigkeit des Verdunstens verbinden sich auch andere Vorteile, etwa Staub zu binden und damit auch Schadstoffe, die daran haften. Einige Pflanzen können im Wurzelbereich solche Schadstoffe mittels Mikroorganismen abbauen. Orchideen, Gerbera, Efeu und Areca, die Birkenfeige, lateinisch Ficus benjamina, und die Grünlilie binden Formaldehyd, Benzol, Trichlorethylen und wandeln Kohlendioxid durch die Photosynthese in Sauerstoff um. Um das Raumklima messbar zu verbessern, braucht es jedoch Masse. Und hier beginnt die Zukunft.
Zukunftweisende Visionen
In ihrem Buch „Innenraumbegrünung in Theorie und Praxis“ entwickelt Christine Volm die Vision eines Glashauses, dessen raumtrennende Wände aus Pflanzen bestehen. „Jede neue Entwicklung beginnt mit einer Vision“, erklärt sie und möchte einen Weg weisen zu einem Ziel, an dem sich Architektur mit Natur verbindet. Doch bis dahin sind noch einige Schritte zu laufen. Die Wissenschaft, die sich mit der Wirkung der Pflanzen auf das Innenraumklima beschäftigt, ist eine junge Wissenschaft. Physiologische Vorgänge beim Abbau etwa von Schadstoffen, sind noch nicht vollständig geklärt. Planer, wie die Gartenbauwissenschaftlerin Christine Volm müssen neben der Anwendung von physiologischen und ingenieurwissenschaftlichen Kenntnissen vor allem beobachten. Pflanzen sind nämlich kommunikative Organismen. Sie vermitteln, ob ihren Ansprüchen an Licht, Luft, Wasser, Temperaturen und Nährstoffen Genüge getan wird. „Grundsätzlich gibt es keine guten und schlechten Pflanzen, nur die richtige Pflanze für den bestimmten Ort“, sagt Christine Volm.
Einfach pflegeleicht
Die bei uns heimischen Pflanzen eignen sich nicht zur Innenraumbegrünung. Vielmehr sind es die tropischen und subtropischen Vegetationen, die wir in unsere Wohnräume, Büros, Foyers und Wintergärten holen. Die relativ gleichbleibenden Temperaturen in Wohnzimmern behagen Tropenpflanzen. Tropenwälder sind dicht bewachsen, sodass die unteren Vegetationsschichten oft im Schatten liegen, deshalb brauchen diese Pflanzen im Jahres- mittel gleichmäßig warme Temperaturen und kein direktes Sonnenlicht. Ficusarten, Grünlilien, die Efeutute, die Kentiapalme gedeihen prächtig in solchen Räumen. Sie sind robust, also pflegeleicht, und arrangieren sich mit einer gleichmäßigen Temperatur von etwa 20 Grad. Trotzdem: Pflanzen sind Individuen, während das Elefantenohr, lateinisch Alocasia macrrorhiza, schattigere Standorte verträgt und nur bei hoher Luftfeuchtigkeit gedeiht, verlangt die Goldfruchtpalme, Chrysalidocarpus lutescens, einen echten Sonnenplatz.
Die richtige Raumumgebung
Der Echte Feigenbaum, Ficus carica, dagegen wird in einem solchen Raumklima eingehen, ebenso die Olive, der Erdbeerbaum, Zistrosen und Zwergpalmen. Sie gehören zu den subtropischen und mediterranen Pflanzen, benötigen ganzjährig viel Licht, aber im Winter einen Temperaturabfall. Ihr geeigneter Standort ist deshalb ein nur bei sehr kalten Außentemperaturen beheizter Wintergarten, der in Winternächten auch einmal Temperaturen um den Gefrierpunkt erlangen darf. Für Badezimmer und schattige Ecken wie Flure eignen sich Farne. In der Natur wachsen sie auf allen Kontinenten, bevorzugt an schattigen, feuchten Orten. In unserem gleich bleibenden, relativ warmen Wohnklima fühlen sich vor allem die tropischen Varianten wohl, doch nur bei ausreichend hoher Luftfeuchtigkeit.
Noch mehr Potenzial
Das Potenzial, das die Begrünung unserer Wohn- und Arbeitsräume freilegt, ist längst nicht ausgeschöpft. Doch jede Veränderung braucht ihren Anfang. „Genauso wie das Verlangen nach mehr Licht die Glasflächen immer größer und zahlreicher werden ließ“, sagt Christine Volm, „so wird auch der Wunsch nach grünem Leben in naher Zukunft unter Architekten und Bauherren mehr Beachtung finden.“ Im Idealfall wird dann die Begrünung eines Gebäudes bereits in die Planungsphase einbezogen und sie auch befruchten. Damit würde ein Grundwiderspruch gelöst. Anders gesagt, eine Grenze überwunden, nämlich die zwischen Bauen und Natur. Bisher gab es nur das Eine oder das Andere: Dort, wo Straßen gebaut, Fundamente gegossen, Fabriken oder Gewerbeflächen errichtet werden, wird Erde, die Basis für Vegetation, zerstört. Gegenwärtig ist das weltweit auch unter klimatischen Gesichtspunkten viel zu viel. Auf unserem Planeten verschwinden am Tag 350 Quadratkilometer Wald, 300 Quadratkilometer werden zu Wüsten und 150 Quadratkilometer werden urbanisiert. In der Summe ergibt das ein Gebiet von der Größe Berlins, das täglich der Natur entzogen wird. Und das führt zu einer empfindlichen Störung des Wasserhaushaltes und damit des Klimafaktors Verdunstung. Das Regenwasser, das auf solche versiegelten Flächen fällt, läuft in Kanäle, bestenfalls in Flüsse, oder es erodiert Erde. Es verdunstet nicht mehr und schickt damit keine Feuchtigkeit in die Atmosphäre, was dazu führt, dass sich dort, wo keine Vegetation ist, Wolken nicht mehr bilden. Es wird trockener und heißer.
Doppelt gutes Klima
Verdunstungsflächen sind deshalb so wichtig. Und die können wir schaffen, indem wir unsere Siedlungsräume begrünen. An Gebäuden gibt es dazu zwei Möglichkeiten: die Dachbegrünung und die Fassadenbegrünung. Beide Systeme bringen neben dem Beitrag zum Klimaschutz auch direkte Vorteile für den Baukörper selbst, seine Nutzer und für die Energiebilanz. Pflanzen vor der Gebäudehülle verhindern die direkte Sonneneinstrahlung im Sommer und schützen das Haus auch im Winter. Während sich nicht begrünte Gebäudeoberflächen im Sommer durchaus auf über 80 Grad erwärmen können, erlangen sie unter einer Begrünung nie mehr als 35 Grad. Eine dicht begrünte Fassade wird vor Schlagregen geschützt, vor direkter UV-Strahlung, die Blätter wirken als Windfang und reduzieren den Temperaturaustausch. Außerdem dämmen Pflanzen Schall. Und das muss nicht mal teuer sein.
Autarke Dachvegetation
Eike Roswag von den ZRS Architekten in Berlin favorisiert im Sinne der Nachhaltigkeit die einfachste Variante einer Dachbegrünung. Das ist ein Extensivdach, ein Flachdach, das bei einem geringen Aufwand von etwa 35 Euro pro Quadratmeter alle Vorteile der Dachbegrünung erreicht. Einzige Bedingung ist eine wurzelfeste Bahn in der Dachhaut. Auf diese Haut wird eine Schicht von Blähtonsubstrat aufgetragen und darin Sedumsprossen eingegeben. Die Pflanzen sind autark, also selbst versorgend, gegossen werden darf nicht, auch dann nicht, wenn in Hitzeperioden die Vegetation verbrannt aussieht. „Die Sprossen sind so resistent, dass sie beim ersten Regen wieder grünen“, sagt Eike Roswag. Neben dieser einfachsten aller Varianten, gibt es zahlreiche andere. Je nach Zielsetzung reichen sie von optimierten Anlagen mit Regenwassernutzung über begehbare und ästhetisch anspruchsvolle Gartenanlagen bis zu einer Kombination aus beiden.
Natürliche Klimaanlage
Der Ingenieur Marco Schmidt sucht nach komplexen Lösungen. Er forscht und lehrt am Institut für Architektur der TU Berlin und begleitet wissenschaftlich ein außergewöhnliches Berliner Projekt des ökologischen Städtebaus. Am Institut für Physik der Humboldt-Universität versorgt eine dezentrale Regenwasseranlage die begrünten Fassaden und kühlt zusätzlich das Gebäude. Gemessen wurden die Energiebilanzen sowie die Auswirkungen auf das Mikroklima im Gebäude und in seiner unmittelbaren Umgebung. Hintergrund dieser Forschung sind die Erkenntnisse, dass undurchlässige, also versiegelte Flächen wie Dächer und Straßen dafür verantwortlich sind, dass Temperaturen steigen, das Raumklima unbehaglich wird und durch eine Klimaanlage gekühlt werden muss. Wenn Pflanzen aber Wasser verdunsten, erzeugen sie Verdunstungskälte. Sind neben Dächern auch die Fassaden begrünt, potenziert sich dieser Effekt. Können also Pflanzen die natürlichen Klimaanlagen der Zukunft sein? Das Modellprojekt zeigte, dass die Beschattung der Gebäudehülle durch die Fassadenbegrünung und die erreichte Verdunstung zu einer messbaren Abkühlung führen und generell das Mikroklima in der unmittelbaren Umgebung des Gebäudes positiv beeinflussen. Viele Ergebnisse sind im Internet unter www.gebaeudekuehlung.de und bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin veröffentlicht.
Schlinger und Efeu
Der grüne Pelz einer begrünten Fassade ist also nicht nur eine optische Oase in der Stadt, Brutstätte für Vögel. Er schützt auch die Fassade und verbessert das Mikroklima, sofern man einige Grundsätze beachtet. Nach ihrer Art des Wachsens unterscheiden wir zwischen Schlingern, Rankern, Wurzelkletterern und Spreizklimmern. Schlinger, zu denen das immergrüne Geißblatt, Hopfen und die Feuerbohne gehören, benötigen Kletterhilfen. Sie winden sich um Stäbe, Seile und Drähte, die einen Durchmesser von drei bis fünf Zentimeter haben sollten. Anders als die Wurzelkletterer, wie Efeu zum Beispiel, kommen die Schlinger nicht direkt mit der Fassade in Berührung. Dadurch sind sie für Fassaden mit Wärmedämmverbundsystemen gut geeignet. Die Haftwurzeln des Efeus und der Kletterhortensie können dagegen in unsanierte Fassaden und Plattenbauten eindringen und Bauschäden verursachen. Putz und die Mauerkonstruktionen für solche Selbstklimmer sollten vor der Begrünung in einem einwandfreien Zustand sein.
Mauern mit Rissen oder Fugen wie Holzfassaden sind für diese beiden Arten nicht geeignet. Ranker dagegen klettern mit speziellen Rankorganen, entweder mit langen Blattstielen wie die Waldrebe, lateinisch Clematis, oder mit Rankorganen, die durch Umbildung von Sprossen wie beim Echten Wein, Vitis vinifera, entstanden sind. Wilder Wein eignet sich wegen seiner Saugwurzeln für glatte Oberflächen und benötigt keine Kletterhilfe. Die Kletterrose, der Winterjasmin und die Brombeere sind Spreizklimmer. Da sie nicht von selbst klettern, müssen ihre neuen Triebe gelegentlich hochgebunden oder durch die Streben des Stützwerks geflochten werden. Das Stützgerüst kann vorgestellt werden, sodass es mit der Fassade nicht in Berührung kommt. Für holzverkleidete Häuser ist das eine ideale Begrünung.
Diesen Artikel verfasste Marion Müller-Roth für das greenhome Magazin
Klares Wasser
Trinkwasser ist immer noch das wichtigste Lebensmittel für uns alle. Es ist Nahrung. Und was haben wir schon als kleine Kinder gelernt? Damit spielt man nicht! So ist es ganz verständlich, dass viele mehr als nur Unbehagen verspüren, wenn sie mit bestem Trinkwasser die Toilette spülen. Unabhängig von jeder Statistik.
Spätestens der Blick auf die letzte Abrechnung für Wasser und Abwasser mag den Wunsch, hier zu sparen zu einem festen Entschluss werden lassen. Was aus der Leitung fließt, ist mittlerweile wirklich ein kostbares Nass! Warum also das teure Wasser nicht gleich zweimal benutzen? Das ist möglich. Rund 129 Liter Trinkwasser verbraucht jeder Bundesbürger pro Tag.
Nur für wenige Anwendungen braucht man wirklich Trinkwasserqualität, etwa bei der Zubereitung von Speisen und Getränken. Aber auch zum Duschen und Baden, und das ist mit etwa 50 Litern pro Tag und Kopf der dickste Posten. Doch sollten Sie jetzt nicht Ihre Körperhygiene auf das Maß vergangener Jahrhunderte zurückschrauben! Gerade hier liegt ein ganz anderes Einsparpotenzial: Das Abwasser, das in Dusche, Bad und Waschbecken anfällt – sogenanntes Grauwasser – gilt als nur leicht verschmutzt. Es kann daheim wieder aufbereitet und genutzt werden.
Großes Sparpotenzial
In den meisten Haushalten fällt so viel leicht verschmutztes Abwasser an, um – wieder aufbereitet – den Bedarf dort zu decken, wo keine Trinkwasserqualität erforderlich ist. Nur die Waschmaschine ist schwer ins Kalkül zu ziehen. Die meisten Hersteller von Aufbereitungsanlagen garantieren, dass das so gewonnene Brauchwasser ohne Bedenken zum Wäschewaschen verwendet werden kann. Doch gibt es auch Fachleute, die, zumindest wenn es um Säuglinge, alte oder besonders sensible Menschen geht, zur Vorsicht mahnen. Allergische Reaktionen wollen sie nicht ganz ausschließen. Doch auch, wenn man diesen Posten streicht, bleibt eine beachtenswerte Rechnung: Was beim Duschen und Baden anfällt, reicht für die Toilettenspülung, Gartenbewässerung und zum Putzen. Fazit: 38% des Wasserverbrauchs können auf diese Weise eingespart werden. Für eine vierköpfige Familie macht das im Jahr etwa 72 Kubikmeter aus.
Wie viel das in barer Münze ist, hängt natürlich von den jeweiligen Wasserpreisen ab. Und die sind von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Geht man von einem Kubikmeterpreis von 2,50 Euro aus, dann zeigt der Taschenrechner auf dem Display 180 Euro. Ein beachtliches Mehr, das man jedes Jahr in der Haushaltskasse hat. Doch halt! Natürlich muss man vorher auch etwas investieren. Zunächst in eine Grauwasserrecycling-Anlage. Also eine Minikläranlage, in der das Abwasser durch Filter, Mikroorganismen und UV-Strahlung gereinigt und keimfrei gemacht wird. Und dann benötigt man noch ein zusätzliches Leitungssystem im Haus. Denn das aufbereitete Wasser darf nicht mit dem Trinkwasser zusammenkommen. Kompaktanlagen für Einfamilienhäuser kosten, einschließlich der nötigen Leitungen, etwa 6.000 Euro. Der ganze Aufwand, auch der finanzielle, verringert sich ein wenig, wenn man gleich beim Neubau oder einer umfassenden Sanierung die Anlage mit einplant. Ist das häusliche „Klärwerk“ samt dazugehörigem Leitungsnetz eingebaut, kommen noch etwa 100 Euro für Strom und Wartung jährlich hinzu.
Die Kosten der Ersparnis
Man kann nun den Taschenrechner getrost ausschalten. Denn auch über den Daumen gepeilt wird klar, dass sich so eine Anlage nur sehr langfristig amortisiert. Jedenfalls für eine durchschnittliche Familie. Man sollte die Sache jedoch nicht gleich fallen lassen. Solche kompakten Recyclinggeräte stellen täglich bis zu 600 Liter Brauchwasser zur Verfügung. Also ausreichend für zwölf Personen oder drei vierköpfige Familien. Wer sich mit seinen Nachbarn gut versteht – grün und nachhaltig denken schweißt ja zusammen – kann ohne technische Probleme drei Häuser an eine Aufbereitungsanlage anschließen. Die Rechnung sieht dann wesentlich besser aus. Jetzt lassen sich zusammen jährlich 220 Kubikmeter Wasser oder rund 550 Euro sparen. Bei gleichen Kosten für Anschaffung, Strom und Wartung.
Nun traut man sich auch wieder, die Zahlen einzutippen. Das Ergebnis: Nach einer Betriebszeit von etwa zehn Jahren hat man die Investition wieder reingeholt. Gleichbleibende Preise beim Wasser vorausgesetzt. Ist das Wasser teurer, rentiert sich das ganze sogar schneller. Den gleichen Effekt hat auch die Anzahl der Nutzer. Je mehr Menschen im Haushalt leben, desto wirtschaftlicher wird das Projekt. Letztlich hängt die Größe des Einsparpotenzials auch von dem individuellen Verbrauch ab. Wer beispielsweise viel duscht, aus welchen Gründen auch immer, der spart ebenfalls ordentlich. Wer gewohnt ist, rein ökonomisch zu denken, wird natürlich immer noch nicht überzeugt sein. Für ihn ist die Sache nicht rentabel. Ökologische Naturen mögen darin jedoch die Rechnerei einer Krämerseele erblicken. Sicher ist es wichtiger, unsere natürlichen Ressourcen zu schonen. Und das ist kein Text auf einer Gebetsmühle.
Niedriger WasserspiegelTatsächlich sinkt hierzulande der Grundwasserspiegel merklich. Schuld daran ist die zunehmende Überbauung großer Flächen. Immer weniger Regen kann in den Boden versickern und die natürlichen Quellen wieder auffüllen. Und die zentrale Aufbereitung der Abwässer wird immer energieintensiver, wodurch noch mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt. Wer Wasser spart, tut folglich Gutes! Und er darf ein gutes Gefühl haben. Das ist wichtig. Denn zusammen mit der Freude an der niedrigeren Abrechnung seines Wasserversorgers ist dies der einzige Lohn, der ihn erwartet. Förderung ist selten, eine finanzielle Unterstützung vom Staat gibt es praktisch nicht. Nur die Hansestadt Hamburg hat Privatpersonen für die Anschaffung einer Wasseraufbereitungsanlage eine Pauschale von 1.500 Euro gezahlt und wollte damit Vorreiter der anderen Bundesländer sein. Doch eine größere Gefolgschaft blieb aus. Mittlerweile ist der Zuschuss gestrichen worden. Nach Auskunft der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt war die Nachfrage bei den Bürgern zu gering – wahrscheinlich bedingt durch die „zu moderaten Preiserhöhungen“ der vergangenen Jahre.
Doch sollte niemand gleich verzagen; unbedingt auf kommunaler Ebene einmal nachfragen, ob es Hilfe oder Entgegenkommen in irgendeiner Form gibt. Möglicherweise bekommt man eine ermäßigte Grundgebühr für sein Abwasser. Dies ist bei einer Regenwassersammelanlage durchaus üblich. Ein weiterer Tipp ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Sie kann derartige Projekte mit zinsgünstigen Darlehen fördern. Dass angesichts der miserablen Finanzlage bei Bund und Ländern Fördermittel knapp werden, mag so mancher nachvollziehen können. Und wer Wasser sparen will, findet auch Alternativen mit weniger hohen Investitionskosten. Moderne Duschbrausen und WC-Spülkästen können den Verbrauch sehr schnell merklich senken. Für eine Toilettenspülung werden dann beispielsweise nur noch vier statt neun Liter benötigt. Dazu dann noch die altbewährte Regentonne zur Gartenbewässerung und mit einer geringen Zahl von Euros und Handgriffen hat jeder Verantwortung für unsere Umwelt und unsere natürlichen Ressourcen übernommen. Ganz ohne Hilfe von Vater Staat.
Doch außer Acht lassen sollte man ihn nicht. Denn das Thema wäre nur unvollständig abgehandelt ohne ein bestimmtes Problem wenigstens anzureißen. Dazu schauen wir einmal nach Berlin. Dort ist der Preis für Wasser mit am höchsten. Für viele völlig überzogen. Kritik an der Preispolitik Den Versorgern wurde vorgeworfen, unzulässige Preisabsprachen getroffen zu haben, um Profit zu machen, gedeckt von der Politik. Auch wenn das nicht stimmt, ein ungutes Gefühl bleibt. Was aber wirklich aufhorchen lässt, ist die Argumentation der Versorger. Die rechtfertigten die hohen Preise nämlich unter anderem mit dem niedrigen Wasserverbrauch der Berliner. Wie müssen wir das nun verstehen? Wenn wir Bürgerinnen und Bürger aus ökologischem Verantwortungsbewusstsein heraus Wasser sparen, dann wird es teurer! Das kann nicht Sinn der Sache sein.
Damit wird auch jede Rechnung über Anschaffungskosten und Amortisierung zu einer des sprichwörtlichen Milchmädchens. Es ist zwar richtig, dass bei steigenden Wasserpreisen jeder eingesparte Liter auch mehr Geld einbringt. Wenn aber diese Preissteigerung erst durch das Einsparen selbst verursacht wird, dann wird es unsinnig. Und: Auch wenn man seinen Verbrauch überall wo möglich durch aufbereitetes Regen- oder Grauwasser deckt, kommt man nicht ohne zugekauftes Trinkwasser aus. Dafür muss man allerdings tiefer in die Tasche greifen. Damit soll aber niemandem die Sache verleidet werden.
Geld ist nicht alles
Im Gegenteil. Der sparsame Umgang mit unserem „Lebensmittel Nummer 1“ ist unbedingt sinnvoll. Ob man dafür neue Brauseköpfe und Spülkästen einbaut, Regenwasser sammelt oder aber das häusliche Abwasser recycelt – es ist eine persönliche Entscheidung, die von vielen verschiedenen Faktoren abhängt. Ein allein gültiges Patentrezept gibt es nicht. Doch wie man sieht, ist es mit dem Druck auf die Spülstopptaste nicht getan. Auch unsere Politiker benötigen Druck. Gerade die Ereignisse in den letzten Monaten haben erfreulicherweise gezeigt, dass wir alle etwas bewegen können.
Diesen Artikel verfasste Andreas Klose für das greenhome Magazin.
Ein großer Sprung
Effizient und umweltschonend sollen Energiequellen sein. Eine Solaranlage erfüllt diese Anforderungen rundum, wenn eine intelligente Speicherlösung verbaut ist. Aktuelle Technologiesprünge beschleunigen den Fortschritt.
Die gute Nachricht: Es trifft 14.000-mal mehr Sonnenenergie auf die Erde als weltweit an Energie benötigt wird. Auf die Kraft der Sonne ist also Verlass. Die schlechte: Die Sonne lässt sich weder hoch- noch runterregeln. Vor allem hier auf der Nordhalbkugel produziert sie und mit ihr die Solaranlage dann Wärme, wenn man sie eigentlich garnicht zum Heizen braucht. Eine intelligente Speicherung der Wärme ist deshalb maßgeblich für die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage. Doch welcher Speicher ist der richtige? Und worauf muss ich beim Kauf achten? Es gibt, so scheint es, so viele Anbieter und so viele Speichertypen und Variationen, dass selbst Profis Mühe haben, den Überblick zu behalten. Wer also ist mit welchem Speicher am besten beraten? Hier ein kurzer Überblick:
Stahl oder Kunstoff?
Die meisten Speicher bestehen aus Baustahl, Edelstahl oder Kunststoff, wobei kunststoffbeschichteter Edelstahl die billigste Variante ist. Edelstahl ist leichter, korrosionsbeständiger, aber auch wesentlich teurer. Kunststoff ist korrosionsbeständig und kostengünstig, dafür aber weniger temperaturbeständig als Stahl. Bei allen Speicherarten sollte in jedem Fall auf eine kompakte Speichergeometrie geachtet werden. „Je größer die Oberfläche im Vergleich zum Volumen ist, desto größer ist der Wärmeverlust“, sagt Stefan Krauter, Professor und Lehrstuhlinhaber für Nachhaltige Energiekonzepte am Institut für Elektro- und Informationstechnik der Universität Paderborn und Mitglied des Vorstands des Berliner Photovoltaik-Instituts.
Grundsätzlich gilt allerdings auch: Je schlanker und höher, das Gefäß, desto besser die Wärmeschichtung, die wiederum die Effizienz der Anlage erhöht. „Zur Vermeidung von Verwirbelungen des einfließenden Kaltwassers sollte eine Prallplatte oder ähnliches eingebaut sein“, so Michael Schreiner, Ingenieur für Haustechnik in Thüringen. Auch sollte bei allen Speicherarten darauf geachtet werden, dass der Solarwärmetauscher an der tiefsten Stelle des Speichers angebracht ist, rät Schreiner. „Entscheidend ist immer die Abstimmung aller Anlagenteile aufeinander, also von Kollektorfeld, Pufferspeicher und der Systemeinbindung in eine bestehende Heizungsanlage“, gibt Clemens Mauz, Entwickler beim Speicherhersteller Mall AG, zu bedenken. Aus diesem Grund greifen viele Solarinstallateure auf komplette Solarsysteme eines Anbieters zurück. Nur Bastlern und ausgewiesenen Kennern empfehlen Experten, sich eine eigene Anlage zusammenzustellen.
Pufferspeicher
Wer seine Solaranlage zur Unterstützung der Heizung nutzt, kommt um einen Pufferspeicher nicht herum. Überschüssige Wärme speichert der Puffer und sorgt dafür, dass diese die Heizung nicht überhitzt, wie es bei üblichen Wasserspeichern geschehen kann. Außerdem hilft er, den täglich schwankenden Lichteinfall auszugleichen, sodass die Anlage einen höheren Wirkungsgrad erzielt. Wer neben der Solaranlage noch eine herkömmliche Heizung betreibt, etwa einen Öl- und Gaskessel, entscheidet sich in der Regel für einen sogenannten bivalenten Speicher, der mit ein oder zwei Wärmetauschern versehen ist. In diesen Speicher können sowohl die Solaranlage als auch eine alternative Heizung Wärme schicken. Die Heizung springt ein, wenn die Sonne nicht genug Kraft hat. Pufferspeicher können die Wärme für mehrere Tage speichern.
Wichtig: gute Dämmung
„So wichtig, wie bei den Kollektoren die optimale Ausrichtung zur Sonneneinstrahlung ist, so wichtig ist bei Pufferspeichern die gute Dämmung“, sagt Clemens Mauz von der Firma Mall. Herkömmliche Speicher sind mit Montageschaum auf Basis von Polyurethan gedämmt. Je dicker die Dämmung, desto weniger Wärme geht verloren. Neu als Dämmmaterial für Pufferspeicher ist das von der Firma Mall verwendete Blähglasgranulat aus recyceltem Glas. Der Hersteller aus Donaueschingen hat sich auf unterirdische Speicher, die im Gegensatz zu herkömmlichen Speichern außerhalb des Hauses platziert werden, spezialisiert. Die doppelwandigen Pufferspeicher aus Stahlbeton werden außerhalb des Gebäudes im Erdreich verbaut und über wärmegedämmte Rohrleitungen in die Gebäudetechnik eingebunden. So spart der Eigenheimbesitzer Platz im Keller.
Bei einem Pufferspeicher außerhalb des Hauses ist eine wirksame Wärmedämmung doppelt wichtig. Mall setzt dabei auf eine kompakte Speichergeometrie sowie auf eine dicke Dämmschicht aus Blähglasgranulat, das den oberen Hohlraum sowie die seitlichen Hohlräume zwischen Innen- und Außenbehälter dämmt. Auch wenn solche Produkte bislang nur eine Nische besetzen, gibt es doch die ersten zufriedenen Nutzer: Ergänzend zu der Gas-Brennwerttherme als Hauptheizquelle setzte die Familie Bierwirth aus Katlenburg nahe Göttingen beim Neubau ihres Hauses im Jahre 2006 auf die Kraft der Sonne und installierte eine Solaranlage mit Zehn Quadratmetern Kollektorfläche auf dem Hausdach, die sie 2009 auf 20 Quadratmeter verdoppelte. Da das Haus keinen Keller besitzt, entschied sich die Familie für einen druckhaltenden Pufferspeicher mit einem Volumen von 4.800 Litern, der im Garten unterirdisch eingebaut wurde.
Die gewonnene Wärmeenergie kann so über mehrere Tage fast verlustfrei vorgehalten werden. Martin Bierwirth ist zufrieden. „Es gab keinerlei Zwischenfälle.“ Der Speicher ließ sich sehr gut in die bestehende Heizungsanlage integrieren – ohne zusätzlichen Wärmetauscher. Der solare Deckungsgrad der Heizungsunterstützung liegt bei etwa 25 Prozent. So zahlt Bierwirth heute 20 Prozent weniger Heizkosten. Nach 15 Jahren sollen sich die Investitionskosten von 10.500 Euro für den Pufferspeicher amortisiert haben. Wer mithilfe der Sonnenkraft nicht nur heizt, sondern auch sein Trinkwasser erwärmt, greift in der Regel auf Kombispeicher zurück. Der Fachmann unterscheidet dabei drei Systeme.
Tank-in-Tank-Systeme
Bei Tank-in-Tank-Speichern ist oben in den großen Pufferspeicher ein kleinerer Speicher – meist aus Edelstahl – für das Trinkwasser eingeschweißt. Das Pufferspeicherwasser erwärmt dabei den Trinkwasserspeicher ohne zusätzlichen hydraulischen oder elektronischen Schaltungsaufwand. Der relativ kostengünstige Kombispeicher mit Trinkwasserblase war lange Zeit das meistverkaufte System, die Nachfrage aber sinkt, wohl auch, weil es bei längerer Nichtbenutzung des gespeicherten Wassers zu Legionellenbildung im Trinkwassertank kommen kann. Ein weiterer Nachteil: Aufgrund der hohen Temperaturen sind Kalkanlagerungen im Trinkwassertank möglich.
Frischwassersysteme
Speicher mit Frischwasserstation sind stark im Trend. In der Frischwasserstation wird das Trinkwasser immer erst dann erwärmt, wenn warmes Wasser an einer Zapfstelle angefordert wird – mithilfe eines der notwendigen Schüttleistung angepassten Plattenwärmetauschers. Auf der einen Seite des Plattenwärmetauschers fließt das zunächst kalte Trinkwasser hinein. Gleichzeitig wird die andere Seite des Plattenwärmetauschers mit heißem Wasser aus dem Pufferspeicher durchströmt. Da die beiden Wasserströme durch die im Plattenwärmetauscher verwendeten Edelstahl- bzw. Kupferplatten getrennt sind, wird das Trinkwasser wie in einem Durchlauferhitzer erwärmt, aber nicht verschmutzt. Durch das minimale Volumen des Trinkwassers im Wärmetauscher ist die Legionellengefahr sehr niedrig. Auch die Verkalkung ist deutlich geringer.
Schichtenladespeicher
Schichtenladespeicher sind meist als Weiterentwicklung der Kombispeicher ausgeführt. Als intelligente Speicher nutzen sie die natürliche Schichtung von warmem und kaltem Wasser optimal aus. Bei Wasser als Wärmespeicher neigt das warme Wasser zum Aufsteigen. Dabei entstehende Verwirbelungen aber bedeuten Energieverlust. Das Prinzip der Schichtladung ist eigens für die solare Erwärmung des Pufferspeichers entwickelt worden: spezielle Einbauten und Konstruktionen sorgen dafür, dass das solar erwärmte Wasser in der Ebene des Speichers eingeschichtet wird, die die gleiche Temperatur aufweist. Es findet keine Vermischung mit kühleren Schichten statt. Und genauso sollte es auch sein. „Bis zu fünf Prozent solaren Mehrertrag kann die Schichtladung bringen, wenn der Speicher gut isoliert und das System perfekt abgestimmt ist“, sagt Ingenieur Schreiner.
Die richtige Größe hängt von verschiedenen Fragen ab, etwa welcher solare Deckungsgrad erreicht werden soll, wie gut das Haus isoliert ist und davon, ob der Eigenheimbesitzer eine Fußbodenheizung oder herkömmliche Heizkörper betreibt. Auch die Kollektorfläche muss jeweils auf die Speichergröße abgestimmt sein. Für kombinierte Heizungs- und Trinkwasser-Solaranlagen sind etwa zwei bis zweieinhalb mal so viel Kollektorflächen vorzusehen wie bei bloßer Trinkwassererwärmung. Anstelle eines Kombispeichers sind auch zwei getrennte Wassertanks möglich. Ein Solarpufferspeicher für das Trinkwasser und einer für die Heizung.
Allerdings benötigen zwei Systeme zur Speicherung mehr Platz und eine komplizierte Regelung zur Verteilung der Sonnenwärme. Nur wenn ein Kombispeicher nicht infrage kommt, etwa weil bereits ein Heizungspufferspeicher existiert, der noch gut funktioniert, oder wenn die Raumhöhe keinen ausreichend großen Kombispeicher zulässt, ist ein zusätzlicher Solarpufferspeicher möglicherweise günstiger. Relativ neu ist die Speicherung latenter Wärme. Diese verborgene Wärme ist die Bindungsenergie eines Stoffes (innere Energie). Sie wird beim Wechsel eines Stoffes in einen anderen Aggregatzustand nutzbar. Paraffine oder Salzhydrate, sogenannte Phase Change Materials, ersetzen hierbei das Wasser als Speichermedium.
Bei Wärmezufuhr schmilzt das Paraffin und speichert so Temperaturen von bis zu 85 °C. Wird kaltes Wasser durch die Rohre geleitet, festigt sich das Paraffin wieder. Allerdings nicht kontinuierlich, sondern erst ab einer bestimmten Temperatur. Daher kühlt das Paraffin langsamer aus als Wasser. Bislang besetzen diese neuen Speicher jedoch nur eine Nische. Ihre Vorteile – dreimal geringerer Platzbedarf, zwei- bis viermal mehr Speicherkapazität und vielfach länger gespeicherte Wärme – werden durch die Nachteile – höhere Kosten und teils fragliche Wirtschaftlichkeit – derzeit noch aufgewogen. Neu ist allerdings die Idee, Phase Change Materials flächig in Wände und Decken zu integrieren, sodass sich das Haus der Zukunft quasi selbst heizt.
Möglich könnte dies durch Gipsplatten werden, die mit winzigen Wachskügelchen gefüllt sind. Finanziell lohnt sich das bisher vor allem bei Bürogebäuden, weil eine stromfressende Klimaanlage überflüssig wird. Die von Ende Mai bis Mitte September reichlich vorhandene Sonnenwärme in den Winter retten zu wollen, das versuchte man als Eigenheimbesitzer bis vor kurzem vergeblich. Diese sogenannten saisonalen Speicher ab 1.000 Kubikmeter Fassungsvermögen waren bislang vor allem für Großverbraucher interessant. Infrage kamen dabei insbesondere Abnehmer wie Krankenhäuser oder Siedlungen.
Hochsaison für Speicher
Saisonspeicher gibte es inzwischen aber auch für den Hausgebrauch. Eine Speichergröße von 30 bis 50 Kubikmeter halten Experten hier für sinnvoll. Das Haus wird dann mehr oder weniger um den Speicher herumgebaut. Bei einem Niedrigenergiehaus kann der Kollektorertrag des Sommers die Raumheizung im Winter fast vollständig abdecken.
Der Vorteil eines Saisonspeichers ist, dass er keinerlei Heizkosten verursacht. Der Nachteil: Ein so großer Speicher ist derzeit noch relativ teuer und nimmt viel Platz weg. Er sollte von vornherein in den Neubau eingeplant werden, nachrüsten lässt er sich nicht.
Strom speichern
Auch für Solarstromerzeuger werden Speichermöglichkeiten seit der Kürzung der Einspeisevergütung immer interessanter. Hausbesitzer konnten die Folgen der Kürzungen von Fördermitteln in der jüngsten Vergangenheit deutlich lindern, indem sie mehr selbst erzeugten Strom verbrauchten. Nötig sind dazu Akkus für das Eigenheim, wie sie erste Unternehmen, wie Solarworld und Conergy anbieten. Ein Stromzähler misst beim Solarworld-System Sunpac den Energiefluss zwischen Netz und Haushalt. Wird mehr Strom erzeugt als verbraucht, lädt das System die Batterie auf. Liegt der Verbrauch höher, speist die Batterie zusätzliche Energie ins Hausnetz. Rechneten sich solche Systeme bis zur Kürzung der Einspeisevergütung kaum, kamen sie laut Professor Krauter zuletzt in die Nähe der Wirtschaftlichkeit. „Bei guter Pflege können diese stationären Batterien bis zu einem Jahrzehnt halten“, so Krauter. Nötig sei eine Kontrolle des Elektolytstandes und die Sicherstellung einer stets verbleibenden Ladung von 30 bis 50 Prozent der Vollladung in der Batterie sowie die Vermeidung hoher Temperaturen.
Diesen Artikel verfasste Annekatrin Looss für das greenhome Magazin
Heisskalt
Wärme dank der Kraft aus dem Eis? Ein neuartiges Heizsystem macht es möglich. Im Winter liefert die Anlage viel Heizenergie und imSommer kühles Klima für lau.
Spätestens wenn der eigene Nachbar sein neues Auto aus der Garage holt und stolz behauptet, dass es statt mit Benzin mit Wasser fährt, beginnen wir uns Sorgen um ihn zu machen. Ganz ähnlich muss es Johannes Winkler ergangen sein, als er seine neue Heizung bekam. Dass diese besonders sparsam ist, wollte man dem promovierten Maschinenbauingenieur und Eigenheimbesitzer aus Tettnang am Bodensee ja noch gerne glauben. Und auch, dass dabei Solarwärme und andere regenerative Energiequellen eine Rolle spielen. Aber etwas machte Nachbarn, Freunde und Bekannte dann doch stutzig: Die Winklers heizen mit… Eis. Genauer gesagt: mit 12 Kubikmeter gefrorenem Regenwasser in einem betonummantelten Tank, der eines Tages im Handumdrehen hinter Winklers Haus unter der Erde verschwand.
Seitdem weckt der geheimnisvolle Tank in Winklers Garten nicht nur die Neugier der Nachbarn, sondern auch der Medien. Viele Fernsehteams waren schon bei der Familie zu Gast. „Wir haben uns für den Eisspeicher entschieden, weil wir damit Sonnenenergie zwischenspeichern und sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen nutzen können“, sagt Johannes Winkler dann gerne. Andere Nutzer loben die ungewöhnliche Effizienz der Anlage. Manche berichten von Heizkosten „um die 30 Euro“ pro Monat. Kein Wunder also: Wo auch immer derzeit in Deutschland ein solcher SolarEis-Speicher im Erdreich versinkt, ist das Interesse groß an der neuartigen Heizung, die aus der Kälte kommt. Das Grundprinzip des Solar-Eis-Speichersystems ist ein Patent des Friedrichshafener Ingenieurs Alexander von Rohr: anstatt sich nur auf eine natürliche Energiequelle zu verlassen, werden hierbei gleich mehrere „Naturgewalten“ gleichzeitig genutzt: Sonne, Luft, Erde, Wasser – und Eis.
Kraft aus dem Eis
Das zentrale Element ist der Eisspeicher. Dabei handelt es sich um einen Wassertank, der in einer Tiefe von etwa 3 bis 4 Meter in den Erdboden eingelassen wird. Das Fassungsvermögen reicht dabei von etwa 10 bis 15 Kubikmeter für kleinere Einheiten und bis zu 1.000 bei Großprojekten. Einmal im Erdboden versenkt, nimmt das Wasser dort zunächst die natürliche Erdwärme der Bodenschichten auf und macht sich diese für die spätere Energiegewinnung zunutze. Zugleich werden die Temperaturbedingungen im Tank durch einen oberirdischen Kollektor beeinflusst, der – meist auf dem Dach montiert – seine Energie sowohl aus der vorhandenen Lufttemperatur als auch aus der Sonnenkraft bezieht. Dieser SolarLuft-Kollektor nimmt die Wärme selbst noch bei Dunkelheit und Regen auf und lagert sie über ein entsprechendes Leitungssystem im SolarEis-Speicher ein.
Im Sommer wird die Solarwärme genutzt, um das Brauchwasser zu erwärmen. Im Winter bietet der Kollektor eine kräftige Heizunterstützung. Dabei kommt die Wärmepumpe ins Spiel: Sie versorgt das Gebäude mit der nötigen Raumwärme, die zuvor durch Sonnenenergie, Lufttemperatur oder Erdwärme im SolarEis-Speicher eingelagert wurde. Für größere Anlagen ist auch eine spezielle Absorptions-Wärmepumpe verfügbar, die von einem Brenner zum Beispiel mit Biogas angetrieben wird. Für jederzeit ausreichende Mengen an warmem Wasser wird im Gebäude zusätzlich ein Warmwasserspeicher installiert. Dieser speist sich zunächst aus der Sonnenwärme, die der SolarLuft-Kollektor erzeugt.
Scheint die Sonne nicht, springt die Wärmepumpe automatisch auf die Versorgung mit Wärmeenergieaus dem SolarEis-Speicher um. Ein speziell für dieses komplexe System entwickelter Regler, der SolarEis-Manager, kontrolliert die einzelnen Komponenten. Damit legen die Nutzer beispielsweise fest, ob die Wärme des oberirdischen SolarLuft-Kollektors sofort für Warmwasser verwendet oder aber zunächst im unterirdischen SolarEis-Speicher eingelagert werden soll.
Wärme im Eiskristall
Doch woher stammt die enorme Energiemenge, die ein solcher SolarEis-Speicher erzeugt? Dazu Erfinder Alexander von Rohr: „Das Geheimnis beruht auf einem einfachen physikalischen Prinzip: Wenn Wasser zu Eis gefriert, entsteht die sogenannte Kristallisationswärme. Diese freigesetzte Wärmemenge entspricht derselben Energiemenge, die man benötigt, wenn man Wasser von null auf 80 Grad Celsius erhitzt. Das Problem: Bisher konnte dieser Effekt nicht genutzt werden, da die dabei auftretende Sprengwirkung des Eises technisch nicht beherrschbar war.“ Anders nun mit dem SolarEis-System, das durch seine neuartige Technologie die Sprengung des Eises zuverlässig verhindert, indem das Eis dabei nicht – wie sonst üblich – von außen nach innen gefriert, sondern von innen nach außen.
Der Clou: Der Kristallisationsprozess kann nun nicht nur hundertprozentig beherrscht, sondern auch gezielt gesteuert – und vor allem – fast beliebig hinausgezögert werden. Dabei wird der Gefrierpunkt über Monate hinweg immer wieder eingeleitet, gestoppt und aufs Neue gestartet. Und immer wieder aufs neue wird eine enorme Menge an Kristallisationswärme freigesetzt. Alexander von Rohr: „Dieses physikalische Phänomen kommt der extrem hohen Effizienz der Anlage über den gesamten Jahreszyklus hinweg zugute.“ Mit dem SolarEis-System kann man jedoch nicht nur im Winter heizen, sondern im Sommer auch die gespeicherte Kälte zum aktiven Kühlen selbst großer Raumflächen verwenden. Der SolarEis-Speicher wird damit zur nahezu kostenneutralen und umweltschonenden Klimaanlage.
Schön warm, angenehm kühl
Zudem können sich Besitzer von Photovoltaikanlagen über einen äußerst gewinnbringenden Nebeneffekt freuen: Die Kühlung aus dem Eisspeicher kann ohne großen Aufwand an besonders heißen Sommertagen auch für die Module genutzt werden. Damit lassen sich die bei Überhitzung von PV-Anlagen einsetzenden Energieverluste ausgleichen – die SolarEis-Kühlung bringt in der Praxis zwischen 25 und 30 Prozent Energiegewinn. Das Ganze ist trotz seiner zahlreichen physikalischen und technischen Finessen nicht nur äußerst flexibel, sondern auch erstaunlich leicht zu installieren und lässt sich ebenso leicht steuern. Bei entsprechender Auslegung deckt das Solar-Eis-System sowohl den Wärme- als auch den Kältebedarf von Gebäuden aller Größenordnungen hundertprozentig und ganzjährig ab.
Es kann aber auch als zusätzliche Anlage andere Gewerke sinnvoll unterstützen. Zu den Anwendern gehören übrigens nicht nur immer mehr Häuslebauer, sondern auch viele Gewerbegebäude und große kommunale Einrichtungen. Jüngstes Beispiel: das neue Stuttgarter Stadtarchiv,ein komplett sanierter ehemaliger Lagerhauskomplex. Matthias Bertram, Sanierungsexperte der Stadt Stuttgart: „Hier lagern wertvolle historische Dokumente und Gemälde, die eine konstante Temperatur von 18 Grad Celsius benötigen. „Besonders im Frühjahr und im Herbst schwanken die Außentemperaturen beträchtlich, sodass man oft nachts heizen muss, aber tagsüber die Kühlung benötigt wird. Wenn man diese Temperaturschwankungen mit einer konventionellen Anlage bewältigen will, verursacht dies einen enormen Energieverbrauch.
Anders beim Eisspeicher: Die Kälte, die beim nächtlichen Heizen als eine Art Abfallprodukt anfällt und im Eisspeicher zwischengelagert wird, kann tagsüber problemlos für die Kühlung abgerufen werden. Diese Energie geht also nicht verloren, sondern kann selbst innerhalb von 24 Stunden sinnvoll genutzt werden.“ Ein Luxus, von dem nun auch jeder Eigenheimbesitzer profitiert, der einen SolarEis-Speicher sein eigen nennen kann. Dabei ist es übrigens unerheblich, ob das innovative Heiz- und Kühlsystem bei einem Neubau etwa in Verbindung mit einer Fußbodenheizung genutzt wird – oder aber in einem Bestandshaus mit herkömmlichen Heizkörpern: „Nicht einmal die Leitungen müssen ausgetauscht werden, wenn man sein Haus mit einem Eisspeicher nachrüsten möchte“, betont Heiko Lüdemann, der zusammen mit Erfinder Alexander von Rohr die Geschäftsführung der Herstellerfirma Isocal innehat.
Umweltfreundliche Pioniere
Das aufstrebende Unternehmen, das aus einem kleinen Handwerksbetrieb hervorgegangen ist, erhielt bereist mehrere Auszeichnungen für das SolarEis. Tatsächlich zählt Deutschland mit dem Isocal-System einmal mehr zu den Technologieführern in Sachen nachhaltiges Bauen – mit positiven Auswirkungen auf Energieverbrauch und CO2-Ausstoß: „Eine flächendeckende Nutzung des Eisspeichersystems würde aus dem Heiz- und Kühlenergieverbrauch, der derzeit noch zu den Hauptverursachern von schädlichen Treibhausgasen zählt, eine klimaschonende Umwelttechnik machen“, so Alexander von Rohr. Fragt man den engagierten Erfinder danach, wie er eigentlich auf die Idee gekommen ist, Eis zum Heizen zu nutzen, verblüfft er mit der Auskunft: „Eigentlich habe ich das meinem kleinen Sohn zu verdanken. Als unser Installationsbetrieb vor einigen Jahren umgezogen ist, haben wir nach einer effizienten Lösung für unsere Betriebsheizanlage gesucht. Dabei schwebte uns bereits ein solcher Eisspeicher vor, allerdings wussten wir im ersten Moment nicht, wohin damit. Dann habe ich meinem Sohn eines Abends eine Gutenachtgeschichte aus einem Kinderbuch vorgelesen, in der ein Bagger vorkam.“ Schon war das Problem gelöst – seither verschwindet der Eistank im Erdreich.
Kompakt und robust
Anders als bei geothermischen Wärmepumpen wird das Grundwasser beim SolarEis-Speicher dabei jedoch nicht tangiert. Ein aufwendiges Genehmigungsverfahren entfällt. Und auch sonst hat das SolarEis-System anderen Wärmepumpen-Lösungen einiges voraus: Bei einer Erdwärmepumpe etwa wäre eine wesentlich größere Gartenfläche erforderlich. Auch sind hierbei spätere Schäden an den Rohrleitungen durch starken Wurzelwuchs von Bäumen und Sträuchern nicht ausgeschlossen. Luftwärmepumpen wiederum erreichen nicht immer die erforderliche Vorlauftemperatur und müssen daher meist durch klassische Öl- und Gasheizbrenner unterstützt werden. Somit stellt der SolarEis-Speicher, auf den der Hersteller Isocal selbstbewusst 30 Jahre Garantie gibt, eine optimierte Wärmepumpen- Heizung dar.
Und so sieht eine typische Auslegung eines SolarEis-Systems für ein Einfamilienhaus aus: Zunächst wird ein SolarEis-Speicher mit 12 Kubikmeter Fassungsvermögen ins Erdreich eingebracht. Das kann zum Beispiel im Garten geschehen oder unter der Garage. Die Bayreuther Firma Zapf bietet zusammen mit Isocal die Kombinationslösung Garage/SolarEis-Speicher an. Das übliche Ausschachtungsmaß hat einen Durchmesser von drei und eine Tiefe von vier Meter. Diese Werte können, falls erforderlich, individuell angepasst werden. Vom SolarEis-Speicher führen zwei Leitungen für den Vor- und Rücklauf zum Haus, die – je nach Durchsatz und Restpressung der angeschlossenen Wärmepumpe – einen Durchmesser von 32 oder 40 mm haben. Auf dem Dach werden außerdem sechs SolarLuft-Kollektoren montiert. Diese benötigen eine Fläche von etwa 12 Quadrat- metern.
Der Wärmetauscher findet am besten im gut gelüfteten Keller oder einem Nebenraum Platz. Er sollte eine Leistung von mindestens 40 kW haben und benötigt einen Gasanschluss für den ver- brauchsarmen Eigenbetrieb. Ebenfalls in den Keller passt die Hydraulik- und Steuereinheit. Dieser SolarEis-Manager ist 86 Zentimeter hoch, einen halben Meter breit und 29 Zentimeter tief. Damit wird die auf dem Dach gewonnene Solarwärme auf drei Ebenen verteilt und gesteuert: Heizung, Trinkwasser und SolarEis-Speicher.
Günstige Alternative
Das Ganze kostet rund 12.000 Euro inklusive Lieferung – und damit kaum mehr als eine Pelletheizung mit gleicher Leistung. Doch auch im technologischen Vergleich zu einer Pelletanlage hat der SolarEis-Speicher die Nase vorne: „Zwar gelten Pellets als klimaneutral,“ meint Matthias Bertram von der Stadt Stuttgart, „das gilt aber nur, solange dafür ausschließlich recycelte Holzabfälle verwendet werden. Und wenn man den tatsächlichen CO2-Ausstoß betrachtet, der bei der Verbrennung entsteht, wäre dies auf jeden Fall die schlechtere Lösung.“
Diesen Artikel verfasste Uwe Herzog für das greenhome Magazin
Luft oder dicht?
Feinstaub und Schimmel sind nur einige der Gefahren im Haus, die mit nahezu perfekter Raumdämmung zunehmen. Wenn alles dicht ist, können auch auch Giftstoffe im Haus bleiben und zur Belastung werden.
Die staatliche Verpackungsordnung für Wohngebäude – auch EnEV genannt – soll vor Wärmeverlusten schützen und so kostbare Energie und CO2 einsparen. Ein an sich lohnenswertes Ziel mit zahlreichen Regelwerken, doch wurde in den letzten ,Jahren dadurch auch die Innenraumluft in Wohnungen schwer belastet. Die Folge: Eine Zunahme von Atemwegserkrankungen, Allergien und Rechtsprozessen, verursacht durch Schimmelpilze und Co. In dem von der EU finanzierten Forschungsprojekt AIRMEX wird bestätigt, dass sich viele gefährliche Luftschadstoffe eher in Innenräumen als draußen bemerkbar machen. Alternativen wie „Duftverbesserer“ sollen für angenehme Raumluft sorgen.
Gefahr im Innenraum
Aber es bleiben dennoch Schadstoffe oder Feinstäube übrig oder bilden sich neu aus. Aktive und reproduzierbare technische Möglichkeiten zur Verbesserung und Reinigung der Raumlauft gelangen immer mehr in den Fokus innovativer Unternehmen und geplagter Verbraucher. Bereits heute werden Wohnungen mit mechanischer Fenster-Zwangslüftung beatmet oder Sauerstoffaktivierung bindet und fängt Schadstoffe in der Luft ab. Luftdichte Gebäudehüllen können zur Anreicherung von chemischen und biologischen Innenraumverunreinigungen führen. Bereits bei einer Kohlendioxidkonzentration von über 1000 ppm, Parts per Million, führt das geruchlose Gas zu Ermüdung, Konzentrationsschwäche und schwindender Leistungsfähigkeit.
Bei jeder Gebäudeerrichtung oder auch bei geplanten baulichen Veränderungen ist daher gemäß der EnEV ein Mindestluftwechsel sicherzustellen und nach der neuen DIN 1946-6 der Gesamt-Außenluftvolumenstrom in Abhängigkeit von der Nutzung festgeschrieben. Zurzeit erfolgen die erforderlichen Maßnahmen meist unregelmäßig nur mittels Stoß-oder Querlüftens durch den Mieter. Deshalb ist auch in diesem Winter wieder mit hohen Schadstoffkonzentrationen im Wohnraum zu rechnen. Ein ausreichender Luftwechsel ist laut DIN allerdings nur dann gewährleistet, wenn alle zwei Stunden die Raumluft komplett ausgetauscht wird. Im Rahmen von Neubauprojekten und Sanierungen soll die Feuchteschutzlüftung nutzerunabhängig zur Vermeidung von Bauschäden sichergestellt werden.
Viel Feinstaub im Wohnraum
Das Helmholtz-Zentrum München hat als Quellen für das Vorkommen von feinen und ultrafeinen Partikeln in Innenräumen grundsätzlich zwei Bereiche ermittelt. Die Entstehung von Partikeln durch Vorgänge im Innenraum selbst sowie das Eindringen von Partikeln mit der Außenluft in den Innenraum mit einem Anteil von immerhin bis zu 75 Prozent. In Räumen mit überdurchschnittlich hoher Feinstaubbelastung tragen zumeist vor allem Rauchen, Kochen und Backen, sowie angezündete Kerzen in den Innenräumen wesentlich zu der erhöhten Belastung bei. Der Einfluss von Tabakrauch auf die Feinstaubkonzentration wird gerade in Gaststätten besonders deutlich: Typische PM2,5-Konzentrationen in Wohnungen liegen bei 20-30 μg/m3, dagegen werden in Gastronomiebetrieben durchschnittliche Partikelkonzentrationen von 178 (Restaurants) bis zu 808 μg/m3 in Diskotheken gemessen.
Das Rauchen einer Zigarette erhöht die Grundbelastung an PM10 beispielsweise umetwa 37 μg/m3, in Testräumen wurden Spitzenbelastungen von bis zu 150 μg/m3 beim Rauchen einer Zigarette gemessen. In der Büroumgebung spielen zusätzlich auch der Betrieb von Kopierern und Laserdruckern als Emissionsquellen eine wesentliche Rolle. Kampf den Kleinstteilchen Einfache Maßnahmen wie die Nutzung von Teppichen können Staub zwar binden, doch sind mögliche Gerüche schwerer zu bekämpfen. Wer seine Wohnung beispielsweise mit einem Teppichboden auslegt, ist nach einer Studie aus dem Jahr 2005 vor zu viel Feinstaub in der Atemluft geschützt.
Bei der Studie ermittelten der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) und die Gesellschaft für Umwelt- und Innenraumanalytik dass die Staubkonzentration in einer Wohnung mit Parkett, Laminat oder Fliesen bei einem Kubikmeter Atemluft im Durchschnitt 62,9 Mikrogramm Feinstaub, also 12,9 Mikrogramm mehr als der gesetzliche Grenzwert für Luft im Freien, enthielt. Dufterfrischer und ähnliche Produkte aus dem Supermarkt hingegen werden zwar häufig als Raumluftverbesserer bezeichnet, doch auch hier sind sich Umweltmediziner und Lüftungstechniker einig: Zusätzliche Geruchsstoffe zur Verbesserung des Raumklimas erhöhen Schadstoffanteile in der Luft und verschlechtern meist automatisch die Atemluftqualität für die Menschen. Diese Manipulation wird seit Jahren von Umweltmedizinern verurteilt, denn die Duftstoffe können keine CO2-Werte reduzieren oder gar fehlenden Sauerstoff zuführen.
Sachverständige gegen Schadstoffe
In Verdachtsfällen raumbelastender Schadstoffe, ob durch Baustoffe oder bauliche Veränderungen, sollten gerichtsfeste Labore Schadstoffproben analysieren, denn nur so können mögliche Fehler während der Probenahme oder Messung ausgeschlossen werden. Wird der Rat eines Sachverständigen benötigt, muss das Sachgebiet des Gutachters auf die Aufgabenstellung abgestimmt sein. Denn selbst bei zertifizierten Gutachtern oder Laboreinrichtungen gilt das Zertifikat oder die fachliche Ausrichtung – ähnlich wie bei einem Chirurgen – meistens nur für einen Fachbereich. Hilfreich können hier auch multifunktionale Messgeräte sein, die neben Luftfeuchte auch den CO2-Gehalt und Lufttemperatur, auswertbar als Tabelle, ermitteln und wie in teuren Luxuslimousinen bei zu hoher Konzentration alarmieren. Neuartige CO2-Datenlogger erfassen heute bis zu 5.000 Datenpunkte und ermöglichen so die Überwachung über einen Zeitraum von vier Wochen und mehr. So können die Entstehungsbedingungen von Bauschäden durch Schimmelbildung erkennbar gemacht werden. In Wohn- und Schlafräumen etwa, werden Hinweise auf zu hohe CO2- und Luftfeuchtewerte erkennbar und Ratschläge zum richtigem Lüftungsverhalten möglich.
15 kg Luft, 2 kg Flüssigkeit und gerade mal 1 kg Nahrung – diese Zahlen zeigen: Luft steht als Lebensmittel an erster Stelle. Der Wahrnehmung geschuldet, Luft ist ja kostenlos und immer vorhanden, stehen Qualitätsparameter von Lebensmitteln und Wasser mehr im Licht der Öffentlichkeit. Mit gravierenden Folgen, denn Allergien können nicht etwa nur durch unverträgliche Nahrungsmittel entstehen: Auch die Hautkontakte sind oftmals Grund für unterschiedliche allergische Reaktionen. Mit der Durchsetzung der Energieeinsparverordnung EnEV, fand lediglich die Dämmung, nicht aber die Optimierung der Raumklimatechnik Berücksichtigung. So wurden gedämmte Gebäude nicht nur zu wahren Energieschleudern, auch die Innenluft wurde zum echten Gesundheitsrisiko für Gebäudenutzer.
Aufwendige und teilweise energetisch unzureichende Lüftungs- und Klimatechnik maskiert die EnEV gar als CO2-Förderprogramm, sind sich Experten einig. Gefragt sind Lösungen, die eine manipulationsfreie Zwangs- bzw. Bedarfslüftung ermöglichen. Viele Lüftungsexperten und Mediziner fordern daher eine Art Raumluftqualitätspass. Dem wird nun nach Jahren der Verweigerung und unendlichen Gerichtsprozessen Betroffener mit dem Entwurf der neuen VDI-Richtline 6.038 Rechnung getragen. Der Berliner Lüftungs- und Kimatechnikberater Eckhard Steinicke setzt sich bereits seit Einführung der EnEV für gesunde Innenraumlauft ein und vergleicht Luft ebenfalls mit einem Lebensmittel: „Wir dürfen bei allem Ehrgeiz, Energie zu sparen und deshalb Gebäude luftdicht zu errichten nicht den Zustand erreichen, dass wir durch schlechte Raumluftqualität und hohe CO2-Konzentration mit gesundheitlichen Risiken leben müssen und dafür dann hohe Krankenkosten erhalten“, so Steinicke.
„In zahllosen Diskussionen habe ich die letzten Jahre immer wieder auf Mängel in der Lüftungs- und Klimabranche hingewiesen. Unzureichend ausgelegte Lüftungsanlagen, unzureichende Wartung und fehlendes Fachwissen von selbsternannten Lüftungstechnikern bergen ein hohes mRisiko für die Gesundheit. Aber auch die energetische Auslegung der Anlagen lässt zu wünschen übrig. Die Raumluftqualität, abhängig von der Ionenkonzentration, Belastung durch CO2, Schadstoffe und Feinstaub, wurde und wird bis heute nicht ausreichend in die Gebäudeplanung eingearbeitet.“
Der unsichtbare Feind
Während Städte zunehmend Umweltzonen einrichten, um damit die Feinstaubbelastung zu verringern, ist die Innenraumluftqualität in den eigenen vier Wänden unzureichend. Gesundheitliche Risiken und Gefährdungen sind Folge unterschiedlicher Quellen: Baustoffe, Biozide, industrielle Abgase, Innenraumverunreinigungen. Dadurch kommt es zu toxischen Belastungen und Schimmelpilzbefall. Auch lungengängiger Feinstaub, PM 10 mit einem oberen Partikeldurchmesser bis zu 10 μm, wird als Schadstoff eingestuft. Dazu gehören auch freigesetzte Feinstäube im Bereich von PM 0,05 bis 0,1 durch Laserdrucker. Weitere Beeinträchtigungen, z. B. Gerüche, Feuchtigkeit sowie Bakterien, Viren und Passivrauchen führen ebenfalls zu zahlreichen allergenen Belastungen.
Diesen Artikel verfasste Uwe Manzke für das greenhome Magazin









