Brandheiss

Feuer auf dem Dach ist schon brenzlig genug. Noch gefährlicher wird es mit einer Solaranlage. Wir erklären, was im Brandfall geschieht und wie Sie Gefahrenquellen ausschalten können.

Als Bernfried Elsner eines Nachts ein Rascheln hörte, ahnte er nicht, dass ein Marder gerade dabei war, die am Haus entlangführende Leitung der neuen Photovoltaikanlage anzufressen und einen Kurzschluss auszulösen. Mit verheerenden Folgen, wie sich später herausstellen sollte. Am frühen Morgen brachen der Rentner und seine Frau noch sorglos vom ostfriesischen Schwerinsdorf zu einem Arzttermin nach Hannover auf: „Ein paar Stunden später war unser Haus bis auf die Grundmauern niedergebrannt“, erinnert sich Elsner.

Was war geschehen? „Wir hatten in jedem Zimmer einen Rauchmelder, auch im Keller, und als es nach dem Kurzschluss anfing zu qualmen, schlugen die auch an“, erzählt der gelernte Schmied. Dumm nur, dass zu diesem Zeitpunkt niemand zu Hause war: „Die Nachbarn dachten, unser Wäschetrockner hätte wohl den Alarm ausgelöst und riefen deshalb die Feuerwehr erst, als schon Flammen zu sehen waren.“ Als die Feuerwehr anrückte, stieg bereits dichter Rauch aus dem 200 Quadratmeter großen Haus auf. Einsatzleiter Sirke Siebens von der Freiwilligen Feuerwehr im nahe gelegenen Hesel protokollierte den Einsatz später minutiös: „Alarmiert wurden wir aufgrund der Meldung: Brand in Wohngebäude. Vor Ort trafen wir auf einen üblichen Zimmerbrand mit starker Verqualmung der Wohnbereiche.“ Zunächst schien alles nach einem „normalen“ Wohnungsbrand auszusehen. Doch als der eigentliche Brandherd bereits gelöscht war, begann ein Trupp von Feuerwehrleuten sicherheitshalber die Räume im Obergeschoss nach möglichen Glutnestern abzusuchen. Dabei wurde eine Wärmebildkamera eingesetzt, die hinter der Holzvertäfelung Feuerglutausmachte. Währenddessen nahm die Rauchentwicklung stark zu. Schließlich entzündete sich das Rauchgas, die Temperaturen unter dem Dach stiegen auf über 1.000 °C an. Stundenlang kämpften die Feuerwehrleute – vergeblich.

Unvermittelt standen sie dabei vor einem zusätzlichen Problem: der direkt über den qualmenden Glutnestern auf dem Dach montierten Photovoltaikanlage. Einsatzleiter Sirke Siebens: „Photovoltaikanlagen lassen sich nicht vollkommen ausschalten, die Stromspannung zwischen den Modulen bleibt selbst dann erhalten, wenn die Leitung zum Wechselrichter unterbrochen ist.“ Dabei können leicht 1.000 Volt und mehr auftreten. Feuerwehrleute müssen deshalb beim Löschen, um sich vor einem möglichen Stromschlag zu schützen, einen bestimmten Abstand einhalten. Dieser beträgt mindestens einen Meter. Sirke Siebens: „Meiner Meinung nach dürfen es immer ein paar Meter mehr sein.“ Sicher sei sicher. Doch nicht immer lassen es die räumlichen Verhältnisse zu, eine ausreichende Distanz zwischen Feuerwehrmann und der Photovoltaikanlage einzuhalten. Dabei kann das Energiesystem der Feuerwehr nicht nur wegen der Stromspannung Probleme bereiten. Die Photovoltaikpaneele sind auf der eigentlichen Dachhaut angebracht oder darin integriert, dadurch wird ein Löschen von außen erschwert.

Bei starker Hitzeentwicklung platzen außerdem die Glasoberflächen der Module und die umherfliegenden Splitter können die Einsatzkräfte verletzen. Weil manche Dünnschichtmodule Cadmium enthalten, das ausströmen kann, drohen zudem Vergiftungen. Weiterer Gefahrenherd für die Einsatzkräfte: aufgedampfte Spezialfolien, die sich bei starker Hitzeentwicklung von den Modulen lösen. Beim Herabrieseln können sie Hautverletzungen verursachen. Mangelnde Stabilität, eine grundsätzliche Gefahrenquelle bei Hausbränden, droht besonders auch im Bereich der Solaranlage. Die Aluminiumkonstruktion der Paneele verliert nämlich bereits bei 300 °C ihre Festigkeit und gibt nach. Weil durch einen Brandherd auch die Dachsparren in Mitleidenschaft gezogen werden, bricht schlimmstenfalls die gesamte Dachkonstruktion samt Photovoltaikanlage zusammen.

Kontrolliertes Risiko
Dennoch halten Profis wie Sirke Siebens Brände von Photovoltaikanlagen grundsätzlich für beherrschbar. Zwar habe man sich bei dem Feuer in Schwerinsdorf entschieden, das Haus abbrennen zu lassen, um die Einsatzkräfte nicht zu gefährden. Doch: „Das hätten wir in diesem besonderen Fall auch ohne die Solarstromanlage getan“, versichert Brandmeister Siebens. Nur wenn die Feuerwehr früher gerufen worden wäre, hätte man das Haus retten können. Es seien in der verloren gegangenen Zeit bereits zu viele Glutnester in den Holzvertäfelungen entstanden, die nur schlecht zugänglich waren. Das Haus drohte einzustürzen, daraufhin habe man es schließlich aufgeben müssen. Der Schaden: mehr als eine halbe Million Euro. Verletzt wurde zum Glück niemand. Doch der Hausbrand von Schwerinsdorf blieb nicht ohne Wirkung in der Öffentlichkeit.

Die Schlagzeilen lauteten: „Umstrittener Feuerwehreinsatz“, „Gefahr durch Solarmodule“ oder gar „Tödliche Gefahr bei Photovoltaik“. Die einhellige Botschaft: Feuerwehrleute lassen Häuser mit Photovoltaikanlagen kontrolliert abbrennen, um sich vor drohenden Stromschlägen zu schützen. Falsch, sagen Fachleute. Die Meldungen seien reine Panikmache. Der leitende Regierungsbranddirektor Peter Strickmann vom Institut der Feuerwehr in Münster stellt zu dieser Frage klar: „Wenn die Feuerwehr zu einem Brand gerufen wird, hat sie die Aufgabe, diesen zu löschen. Auch dann, wenn sich eine Photovoltaikanlage auf dem Dach befindet. Die Feuerwehrleute werden darauf hingewiesen, dass sie die elektrischen Gefahren einer solchen Anlage berücksichtigen müssen. Das gilt aber schließlich auch für alle anderen elektrischen Einrichtungen eines Gebäudes.“

Neue Richtlinien für Helfer
Derzeit bemüht sich Peter Strickmann zusammen mit anderen Brandspezialisten um die Erarbeitung neuer Einsatzrichtlinien, die näher auf die spezielle Photovoltaikproblematik eingehen sollen. Die Regelungen werden in die bereits bestehende DIN Norm 0132 einfließen, mit denen der Verband der Elektrotechnik (VDE) das „Verhalten bei Einsätzen, Bränden, Löschmaßnahmen und Hilfeleistungen im Bereich elektrischer Anlagen“ festschreibt. Immerhin habe es in jüngster Zeit einige Verunsicherung unter Feuerwehrleuten bei diesem Thema gegeben – zu Unrecht, findet Peter Strickmann. Erfahrene Praktiker wie der Erftstädter Solarteur Manfred Pirig geben dem Experten recht: „Ich war selbst 20 Jahre lang bei der Feuerwehr, in meinem Installationsbetrieb arbeiten derzeit drei aktive Feuerwehrleute. Wir sind uns einig: Die Brandgefahr bei Photovoltaikanlagen ist nicht höher als bei anderen Häusern auch, aus Sicht der Feuerwehrmänner kann bei Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestabstands jederzeit problemlos gelöscht werden.“ Das war bei den weit mehr als 500 Solaranlagen, die Manfred Pirig seit 1986 im Rheinland installiert hat, noch nie nötig. Doch als Solarteur der ersten Stunde weiß auch Manfred Pirig um die Verunsicherung, die nach einigen Presseberichten bei so manchem Betreiber einer Photovoltaikanlage entstanden ist: „Die Leute fragen, wie sich der Brandschutz ihres Hauses und ihrer Solaranlage verbessern lässt.“

Mehr Schadensfälle
Tatsächlich sollten Hauseigentümer einige Grundregeln beachten, um der Feuerwehr – im Falle eines Falles – die Arbeit zu erleichtern und ihr Haus vor den Flammen zu schützen. Ausführliche Tipps dazu finden Sie auf der nächsten Seite. Statistisch gesehen sind Brandschäden an Gebäuden mit Solarstromeinrichtungen keine Seltenheit. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft hat errechnet, dass die Schadensfälle im Zusammenhang mit Photovoltaik insgesamt drastisch gestiegen sind – nach letzten Erhebungen innerhalb nur eines Jahres um rund 40%, Tendenz weiter steigend. Dabei führt Feuer mit einem Anteil von 26% am Gesamtschaden die Liste der weiteren Ursachen wie Sturm, Hagel oder Schneelast an. Meist unterschätzen Hausbesitzer das Ausmaß eines möglichen Schadens. Denn Betreiber einer PV-Anlage, mit der Strom ins öffentliche Netz geleitet wird, sind schließlich auch Gewerbetreibende – und können somit für Schäden haftbar gemacht werden, von denen Nachbarn oder Passanten betroffen sind. Daher rät der Brandschutzexperte beim Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Dr. Mingyi Wang: „Auf jeden Fall sollte die Installation von einem Fachbetrieb durchgeführt werden!“ Häufig würden Elektriker beauftragt, die nicht in allen Fällen über ausreichende Erfahrung mit Photovoltaikanlagen verfügten. Entscheidend für die richtige Wahl eines Fachbetriebs sind die Qualitätsmerkmale der RAL Gütegemeinschaft Solaranlagen.

Tatsächlich gehört eine unsachgemäße Installation zu den häufigsten Ursachen von Bränden in der Solarstromanlage. Der Erftstädter Solarteur Manfred Pirig warnt: „Fehlerhafte Kabelverbindungen führen oft zu erhöhten Widerständen in den Leitungen. Mit der Zeit lockern sich die Verbindungen, es kann zu Überhitzung kommen. Auch bei Blitzeinschlägen oder Marderbissen können gefährliche Lichtbögen durch elektrisch aufgeladene Luft entstehen, die ebenfalls Kurzschlüsse und auch einen Brand auslösen können.“ Selbst Industriefehler sind nicht gänzlich ausgeschlossen: „Es gab in der Vergangenheit Produktionsfehler in einigen Modulen namhafter Hersteller,“ so Dr. Mingyi Wang vom GDV, „die Module mussten zurückgerufen werden, da sogenannte Hotspots zur lokalen Überhitzung und somit zum Brand führten.“ Nicht der einzige Anlass für ein Forschungsprojekt des TÜV Rheinland, mit dessen Hilfe der Brandschutz bei Photovoltaikanlagen bereits bei der Herstellung verbessert werden soll. Wilhelm Vaaßen, der das Projekt zusammen mit dem Fraunhofer-Institut und dem Bundesumweltministerium im weltweit größten Solarlabor in Köln-Porz gestartet hat, empfiehlt besorgten Besitzern: „Eine präventive Analyse ist jetzt sinnvoll. Denn die Zahl der Anlagen auf Hausdächern wächst weiter. Hinzu kommen Anlagelaufzeiten von 25 bis 30 Jahren.“

Gute Absicherung ist wichtig
Doch egal, ob ein Kurzschluss in der Photovoltaik-Anlage selbst oder ein vergessenes Bügeleisen, der Küchenherd oder eine umgefallene Kerze zu einem Brand führt: In jedem Fall wird es für Besitzer von Solarstromanlagen besonders brenzlig, wenn ihr Haus von einem Feuer betroffen ist. Denn neben den üblichen elektrischen Wechselstromkabeln wird auch Gleichstrom durchs Haus geleitet und die Photovoltaikpaneele selbst führen ebenfalls Strom . Dr. Mingyi Wang vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft rät, die persönliche Gebäudeversicherung schon vor der Installation zu informieren. Mit einem ausreichenden Versicherungsschutz, der neben möglichen Montageschäden, Feuer, Blitz und Überspannung auch die Betreiberhaftpflicht absichert, sei jeder auf der sicheren Seite.

Was können Betreiber einer Solarstromanlage tun, um die Brandgefahr einzudämmen? Brandschutzexperte Carsten-Michael Pix und der Referent für Schadensverhütung Dr. Mingyi Wang geben Tipps:

1. Auf Mauern achten
Steht das Haus nicht allein, ist es in der Regel mit einer Brandschutzmauer vom Nachbargebäude getrennt. Diese soll verhindern, dass das Feuer im Brandfall auf andere Häuser übergreift. Wer unbedingt jeden Zentimeter Dachfläche für die Stromerzeugung ausnutzen will und die Brandschutzwand mit Modulen überbaut, tut sich keinen Gefallen – im Zweifel drohen hohe Regressforderungen! Der GDV empfiehlt daher, einen Mindestabstand von 2,5 m zwischen der Solaranlage und dem Nachbarhaus einzuhalten.

2. Kabel abschirmen
Häuser mit Photovoltaikanlagen verfügen über zwei Stromkreise: Wechselstrom für die Hausgeräte und Gleichstrom. Letzterer wird auf dem Dach erzeugt und von dort zum Wechselrichter geführt. Dort erfolgt die Umwandlung zu Wechselstrom. Die Gleichstromleitungen sollten unbedingt aus nicht brennbarem Material bestehen und möglichst feuerwiderstandsfähig sein. Bei der Verlegung ist darauf zu achten, dass die Feuerwehrleute im Brandfall nicht mit der Leitung in Berührung kommen können. In Rösrath bei Köln wurde erst kürzlich ein Feuerwehrmann durch einen 400-Volt-Stromschlag an einem nicht ausreichend gesicherten Gleichstromkabel verletzt.

3. Feuerwehrschalter
Eine weitere mögliche Schutzvorkehrung ist der sogenannte Feuerwehrschalter: Dabei handelt es sich um einen Notschalter, mit dem sich – ähnlich wie bei der normalen Wechselstromversorgung – auch die Gleichstromseite der Hauselektrik abschalten lässt. Der Schalter sollte entweder direkt über der Eingangstür oder am Hauptsicherungskasten montiert werden und gut gekennzeichnet sein, damit die Feuerwehr ihn auch im Notfall findet. Kostenpunkt: ca. 250 Euro inklusive Montage.

4. Regelmäßige Wartung
Module verschmutzen leicht und müssen regelmäßig gereinigt werden. Steckverbindungen können sich lockern. Auch Korrosionsschäden sind auf Dauer nicht ausgeschlossen. Daher ist eine regelmäßige Wartung der Solaranlage durch geschulte Fachkräfte das A und O für ihren sicheren Betrieb und zur Verhütung von Bränden.

5.Hinweisschild anbringen
Bei Neuanlagen gehört das Hinweisschild für vorhandene PV-Anlagen bereits zum Standard. Erarbeitet wurde es von einem Arbeitskreis der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Das Schild findet sich entweder im Eingangsbereich oder am Hauptsicherungskasten des Hauses. Bei älteren Anlagen besteht jedoch keine Pflicht, das Logo anzubringen. Rückt die Feuerwehr bei einem Einsatz in der Nacht an, muss sie dann oft erst nach der Photovoltaikanlage suchen. Ist diese zum Beispiel hinter dem Haus montiert, kann sie leicht übersehen werden. Und damit sind die Einsatzkräfte nicht von Beginn an auf die Besonderheiten beim Löscheinsatz vorbereitet. Die Experten sind sich einig: „Ein Schild oder ein Aufkleber, der auf eine vorhandene PV-Anlage hinweist, ist der beste und billigste Schutz im Brandfall!“

Diesen Artikel verfasste Uwe Herzog für das greenhome Magazin.

Mehr zum Thema Brandschutz:

www.feuerwehrverband.de

www.feuerwehr-hesel.de

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